Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

U: von Ubiquisten bis Unzucht

(von ubique, überall), ein Name, welchen die Reformirten den Lutheranern beilegten, weil diese glauben, daß Christus mit seiner menschlichen Natur allgegenwärtig sey. -- Ubiquisten nannte man auch in Paris vor der Revolution, 1789, die Doktoren der Sorbonne, welche ihre Wohnung nicht in der Sorbonne hatten.Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


ein ärmel oder Ermel, der über einen andern ärmel gezogen wird. So z. B. haben viele Beamte in den Büreaux, wo sie arbeiten, überärmel von dunkelgrüner oder grauer Leinwand, die sie erst in der Schreibestube am Pulte überziehen, damit sie die Rockärmel beim Schreiben nicht beschmutzen und auch schonen, so auch auf Handelskomptoiren etc. Es ist ein eigentlicher weiter Halbärmel, der bis über den Ellenbogen geht, und dort mittelst einer Schnur zusammengezogen und befestiget wird, und so auch unten an der Hand oder dem Handgelenke, wenn er unten nicht schon so enge gemacht worden, daß dieses nicht nöthig ist.Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


früher: leichter Herren-Halbmantel; heute steht der Begriff auch für Kondom. In den zwanziger Jahren trat Otto Reutter mit seinen Couplets auf, die heute noch bekannt sind, und u.a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt worden, u.a. mit der Überzieher.


Im Hochdeutschen veraltetes Hauptwort, welches man noch im Niederdeutschen antrifft, und die Dämmerung bezeichnet. Man findet eine ähnliche Bezeichnung im Holländischen und Ißländischen, im Ersten Uchtend Ochtend, im Letzten Otta, wo es theils die Dämmerung überhaupt, theils die Morgendämmerung insbesondere bedeutet. Daher auch die Benennung Uchtblume, Wiesenzeitlose, in einigen Gegenden herzustammen scheint.Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Udel (auch Udl) war ein Spottname für Hamburger Polizisten bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. Diese Bezeichnung stammt von dem plattdeutschen Wort Uhlen für Eulen bzw. Nachteulen, woraus umgangssprachlich Uhle, Udl oder Udel wurde. Im Volksmund war dies eine gängige Bezeichnung für die Nachtwache, aus der 1876 die Hamburger Polizei hervorging. Eine andere Erklärung für die Herkunft des Wortes ist die Abkürzung von uniformierter Dienstleistender (UDL).Quelle: Wikipedia.org


Udus, in der Botanik, naß, feucht; Locus udus, auch nur udum, ein nasser oder feuchter Ort.Quelle: Ökonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Eine andere Benennung für Marschland, in den niederdeutschen Provinzen der Nahme eines niedrigen, morastigen, an dem Meere oder großen Flüssen gelegenen Landes, das man auch kurz die Marsch nennt, im Gegensatze des höheren Geestlandes oder der Geest.Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Als Ukas wird in mehreren Staaten Ost- und Südosteuropas ein Monarchen-, Regierungs- oder Präsidentenerlass mit Gesetzeskraft bezeichnet. Ein Ukas war im Zarentum Russland und im Russischen Kaiserreich ein Erlass der zaristischen und kaiserlichen Regierung bzw. der orthodoxen Kirchenführung (Patriarch) mit Gesetzeskraft. Vergleichbar sind die Begriffe Edikt und Dekret. Nach der Oktoberrevolution wurden in der UdSSR regierungsamtliche Erlasse Dekret (декрет) genannt, spezielle Erlasse Ukas. Nach der Verfassung der Russischen Föderation von 1993 ist ein Ukas ein Dekret des Präsidenten mit Gesetzeskraft, kann aber bestehende Gesetze nicht außer Kraft setzen, sofern er nicht von der Duma gebilligt wurde.Quelle: Wikipedia.org


Als Ultrakurzwellen (UKW) bezeichnet man elektromagnetische Wellen in einem Frequenzbereich von 30 MHz bis 300 MHz, entsprechend Wellenlängen zwischen zehn Meter und einem Meter. Sie liegen somit zwischen den Kurzwellen (die länger sind als Ultrakurzwellen) und den Dezimeterwellen (die kürzer sind). Die Ultrakurzwelle wurde 1948 als Frequenzband von den Westalliierten in Westdeutschland (bzw. ab 1949 in der Bundesrepublik) eingeführt.


ein griechisches Wort, welches im weiteren Sinne jede Kriegsschaar, im engeren einen Trupp Reiter bezeichnet.Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Ulanen
Ulanen Bild: Polnische Ulanen, via Wikimedia.org
Als Ulanen, auch Uhlanen, poln. Ułani, bezeichnet man eine mit Lanzen bewaffnete Gattung der Kavallerie. Das Wort Ulanen ist vom türkischen Wort oğlan, junger Mann, abgeleitet. Eine andere Theorie betrachtet Alanen als Wurzel. In Polen wird das türkische oğlan aus der mongolischen Sprache abgeleitet, hierin etwa mit der Bedeutung tapferer Krieger.


Die Ulanka ist der Waffenrock der Ulanen. Wie ihre Vorgängerin - die Kurtka - hat sie einen Plastron mit zwei Knopfreihen. In der preußischen Armee wurde die Ulanka 1853 eingeführt und bis zum Ende des Ersten Weltkrieges getragen. Bei den bayerischen Chevaulegers und auch bei den britischen Ulanen wurden ähnliche Waffenröcke getragen. Von einigen Musikern der Light Cavalry Band wird er bis heute noch zur Paradeuniform (full dress) getragen.


Als Eulenloch oder niederdeutsch Ulenflucht oder Ulenlock bezeichnet man die bei alten Walmdachgebäuden, aber auch bei Satteldächern, häufig zu findende Öffnung unterhalb des Firstes. Diese diente vor Einführung des Schornsteines sowohl als Rauchabzug und dient als Flugloch für Vögel wie Schleiereulen (daher der Name Eulenloch) und Schwalben, die als Ungeziefer jagende Nutztiere im Haus willkommen waren. Im Plattdeutschen steht Ulenflucht auch für die Dämmerung, also die Zeit, in der die Eulen fliegen.


Ulmisch ist ein Eigenschaftswort in den Niederdeutschen Mundarten, welches soviel bedeutet wie faul, angefault. Man braucht diese Bezeichnung besonders von faulem Holze. Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Das Wort Ulk hat mehrere Bedeutungen:
Ulk kann einen scherzhaften Unfug bezeichnen, mit Pointe wird er als Witz, mit listiger Handlung als Streich bezeichnet.
Ulk war auch eine 1872–1933 erschienene Berliner satirische Zeitschrift.
Auf plattdeutsch heißt der Iltis Ulk, auf dänisch wird der Seescorpion so genannt.


Ultimo (italienisch Letzte(r/s)) bezeichnet im Bankwesen den letzten Geschäftstag eines Monats. An diesem Tag führt die Bank ihr erteilte Daueraufträge aus, zudem erfolgt meist der Rechnungsabschluss der Bank sowie die Zinskapitalisierung. Analog wird auch vom Quartals- beziehungsweise Jahresultimo, seltener auch vom Tages- oder Wochenultimo gesprochen.


Ultor, lateinisch, zu Deutsch: der Rächer. In der Mythologie wurde ultor der Beiname des Kriegsgottes Mars, welchem der erste römische Kaiser Augustus auf dem Forum Augusti einen Tempel errichtete, nachdem es ihn gelungen war die Mörder Julius Cäsars, namentlich den Brutus und Cassius zu besiegen. Auch Jupiter führte den Beinamen Ultor


Ultor, lateinisch, zu Deutsch: der Rächer. In der Mythologie wurde ultor der Beiname des Kriegsgottes Mars, welchem der erste römische Kaiser Augustus auf dem Forum Augusti einen Tempel errichtete, nachdem es ihn gelungen war die Mörder Julius Cäsars, namentlich den Brutus und Cassius zu besiegen. Auch Jupiter führte den Beinamen Ultor


Frühnhd. abgeleitet von ule, Egel, Wurm und ülen, im Schmutz herumwühlen. Es ist der alte, heute nicht mehr gebräuchliche Name für den Regenwurm.


Eine Umflut (auch Umfluter, Freiflut(er), Freiarche, Freischleuse oder Umflutkanal genannt) ist im Wasserbau und in der Hydrologie eine künstlich geschaffene Umführung, seltener auch ein natürlich entstandener Nebenarm eines Fließgewässers, der insbesondere bei Hochwasser dazu genutzt wird, Bauwerke oder sonstige Objekte am Hauptlauf vor einer Überflutung zu schützen indem ein Teil der Wassermenge durch die Umflut um das zu schützende Objekt herumgeleitet wird.


Umgarnen, ein transitives Zeitwort, welches bedeutet: mit Garn umziehen. Die Jäger brauchen dieses Wort, wenn sie ein Wild mit Garn umstellen, so daß es aus einem bestimmten Revier nicht herauskommen kann. Man sagt daher im bildlichen Sinne: jemanden umgarnen, ihn mit Netzen umstricken, so daß er der freien Bewegung beraubt ist, z. B. mit List, mit Verführungskünsten, mit Schmeicheleien u. dgl. jemanden umgarnen. Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Umvolkung (oder auch Ethnomorphose) ist ein Begriff aus der nationalsozialistischen Volkstumspolitik, der in den eroberten Ostgebieten beim Gewinn von Lebensraum im Osten zum Tragen kam und in engstem Zusammenhang mit dem Generalplan Ost steht. Er meinte einerseits die Re-Germanisierung von Volksdeutschen, die sich in der slawischen Umgebung dem Deutschtum noch nicht ganz entfremdet hatten, und andererseits die Umsiedlung bestimmter Volksgruppen in ihnen neu zuzuweisende Gebiete, um in voneinander klar abgegrenzten Räumen ethnische Einheitlichkeit anzustreben und das staatskolonialistische Siedlungsprojekt (Jürgen Osterhammel, 2009) des Großgermanischen Reichs Deutscher Nation mit Grenzen am Ural zu verwirklichen.
Der Begriff wird heute von rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppierungen in Kontinuität völkischer Denkmuster zur Kritik am Multikulturalismus und dem steigenden Anteil von Nicht-Deutschstämmigen (Ausländern und so genannten Passdeutschen) in der Bevölkerung verwendet.
Geprägt wurde der Begriff 1925 von Karl Christian von Loesch in seinem Beitrag: Eingedeutschte, Entdeutschte und Renegaten. In: Volk unter Völkern. Breslau: Ferdinand Hirt, S. 213–243. Der Begriff steht im Zusammenhang mit der nationalstaatlichen Beunruhigung, dass seit der Reichsgründung 1871, vor allem aber durch die Verkleinerung Deutschlands durch die territorialen Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles die Zahl der außerhalb der Reichsgrenzen lebenden Deutschen, die im Unterschied zu den Reichsdeutschen Volksdeutsche genannt wurden, erheblich angewachsen war. Diese Beunruhigung fand ihren deutlichsten Ausdruck nach den Staatsgründungen Polens und der Tschechoslowakei, auf deren Gebieten erhebliche deutsche Minderheiten lebten, die aufgrund geografischer Gegebenheiten oder machtpolitischer Interessen und der damit verbundenen Trennung vom Reichsgebiet vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ausgeschlossen blieben. Quelle: Siehe Wikipedia.org


Unikum (von lateinisch unicus das Einzigartige, das Vorzügliche) steht für eine einzigartige Person, ein Original bzw. Lebenskünstler.
Das Einzelstück, nennt man Unikat.


Das Ungeld (auch Umgeld, Ohmgeld) war eine seit dem 13. Jahrhundert erhobene Verbrauchssteuer. Etymologisch kommt der Begriff von mhd. ungelt aus gelt Zahlung, Abgabe und un-, das auch verstärkend gebraucht wurde (vgl. Unmenge).


Als Unständige bezeichnete man Tagelöhner. Unter unständig Beschäftigten versteht man Arbeitnehmer, die nicht ständig bei demselben Arbeitgeber beschäftigt sind und in keinem festen Arbeitsverhältnis stehen. Allerdings kann die Ausübung einer unständigen Beschäftigung auch bei einem einzigen Arbeitgeber erfolgen.


Untermensch ist ein Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten und der Eugeniker. In der Ideologie des Nationalsozialismus galten die "Arier", also besonders die germanischen Völker, den übrigen als überlegen. Auch Vertreter anderer Gesinnungen verwendeten diesen Begriff, wenn auch nicht in strengen rassistischen Zusammenhängen. So nannte 1932 der SPD-Abgeordnete im Reichstag Kurt Schumacher zwei Mitglieder der NSDAP Untermenschen, die ihn beleidigt hatten und gerichtlich verurteilt worden waren.
Als im Sommer 1941 die Wehrmacht in die Sowjetunion einfiel, veröffentlichte der Reichsführer SS Heinrich Himmler eine Broschüre mit dem Titel Der Untermensch. Das Heft sollte die deutsche Bevölkerung zum Hass gegen die Völker der Sowjetunion aufstacheln (nicht wie oft angenommen gegen die slawischen Völker, denn dieser Ausdruck taucht in der Broschüre nicht auf) und die Kampfmoral der Truppen stärken. Die Schrift fand sowohl in Westeuropa als auch bei den slawischen und slawischsprachigen Verbündeten Deutschlands wie Kroatien, der Slowakei und Bulgarien enormen Anklang, wobei die jeweilige Ausgabe in der Landessprache abgedruckt wurde. Das Heft enthielt weniger Informationen über die Sowjetunion und den Kommunismus, sondern bestärkte vor allem primitive rassistische Vorurteile. Der überwiegende Teil bestand aus Fotos, die in entstellter Form sowjetische – und nicht, wie oft angenommen, nur russische – Kriegsgefangene mit fratzenhaften Gesichtern zeigten.


Uno ore, mit einem Munde, einstimmig. Uno tenore, in einem Zusammenhange, in Einem fort.


Die Unruh ist ein Bauteil eines Uhrwerkes. Sie ist ein präzise gefertigtes Rädchen, das an einer Spiralfeder aufgehängt ist und dient zur Erzeugung einer zeitlich definierten Bewegung.


Unschlitt = Talg wurde seit dem Mittelalter von den Bergleuten als Brennstoff für ihre Grubenlampen benutzt. Auch das in den Weltkriegen in Schützengräben und in Bombennächten eingesetzte Hindenburglicht war eine Talg- oder Unschlittlampe.


Untermensch ist ein Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten und der Eugeniker. In der Ideologie des Nationalsozialismus galten die "Arier", also besonders die germanischen Völker, den übrigen als überlegen. Auch Vertreter anderer Gesinnungen verwendeten diesen Begriff, wenn auch nicht in strengen rassistischen Zusammenhängen. So nannte 1932 der SPD-Abgeordnete im Reichstag Kurt Schumacher zwei Mitglieder der NSDAP Untermenschen, die ihn beleidigt hatten und gerichtlich verurteilt worden waren.


Als Untertan oder Subjekt (lateinisch subicere unterwerfen, unterordnen) wurde vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert eine Person bezeichnet, die der Herrschaft eines anderen unterworfen ist. Untertanen waren nicht in vollem Umfang persönlich frei.


Unzucht bezeichnet abwertend ein menschliches Sexualverhalten, das gegen das in einem speziellen kulturellen oder religiösen Kontext empfundene, angenommene oder vorgegebene allgemeine Sittlichkeits- und Schamgefühl verstößt. Die hierbei vorliegende Kontextabhängigkeit kann sowohl von einem säkularen als auch von einem religiösen Umfeld geprägt werden und ist durch die Sittengeschichte hindurch nicht einheitlich definiert. Historisch gesehen steht Unzucht allgemein für eine aktive Handlung, die den Menschen vom Status der Reinheit in den Status der Unreinheit führt. In der Regel geht das Urteil über ein als Unzucht angesehenes Verhalten mit sozialer Ächtung oder Bestrafung einher.