Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

D: von Deutsche Arbeitsfront (DAF) bis D-Zug

Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) war in der Zeit des Nationalsozialismus der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit Sitz in Berlin (ab 1935 im Dienstgebäude Hohenzollerndamm in Berlin-Wilmersdorf). Die DAF wurde am 10. Mai 1933 nach Auflösung der freien Gewerkschaften gegründet. Deren Vermögen wurde zugunsten der DAF beschlagnahmt und das Streikrecht abgeschafft. Die Berufsverbände der Angestellten und der Arbeiter wurden durch staatliche Anordnung zusammengeführt. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 legitimierte die DAF rechtlich. Im Oktober 1934 wurde die DAF offiziell der NSDAP angeschlossen. Sie war nach dem Führerprinzip, bis hinab zum Blockwart, gegliedert. Der DAF-Führer war der Reichsleiter der NSDAP, Robert Ley.


Ein alter Name für eine mit Kohle beheizte Lokomotive, der Antrieb erfolgte durch eine Dampfmaschine.


Die Darre ist eine seit der Vorzeit bekannte Einrichtung zum Dörren, dem Trocknen von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern mit Hilfe von Hitze. Darren gibt es für verschiedene zu trocknende Güter, z.B. für Getreide, Malz, Hopfen, Tabak, Dörrobst.


Eine Datsche (eingedeutscht aus russisch да́ча, Datscha) ist ein Grundstück mit einem Garten- oder Wochenendhaus, das der Freizeit und der Erholung dient und Hobbygärtnerei ermöglicht. Das Wort gehört zu den wenigen russischen Wörtern, die aus dem DDR-Sprachgebrauch übernommen wurden und in den gesamtdeutschen Sprachgebrauch eingegangen sind. Die eingedeutschte Form findet sich in Bezug auf den russischen Kontext auch schon früher, z. B. im deutschbaltischen Sprachgebrauch.


Läufe über größere Distanzen wurden früher als Dauerlauf bezeichnet. Heute werden solche Läufe eher Jogging genannt.
Jogging (engl. jog trotten), auch als Dauerlauf bezeichnet, ist eine Form des Freizeit- beziehungsweise Laufsports, bei der durch gemächliche Dauerläufe die Kondition (Ausdauer) gesteigert wird.


Der in den 1950er Jahren gebräuchliche Begriff Dauerlutscher, Lutscher, Lolli (vom Englischen Lollipop), in Österreich auch Schlecker, im Oberdeutschen auch Schlotzer, schweizerisch Schleckstengel, bezeichnet eine Süßigkeit am Stiel. In der DDR wurden Dauerlutscher entsprechend als Fruchtstielbonbon bezeichnet.


Dauerpedder (Hamburgisch, Dauertreter; von dauernd tretend) nannten wir ein Fahrrad, das noch keinen Freilauf besaß. War das Rad bergab in Bewegung, wurde die Kraft via Kette auf die Pedale übertragen, die dauernd mitdrehten. Als dann vermehrt Motorräder aufkamen, erhielten die Fahrräder, nun aber schon mit Freilauf, die Bezeichnung PMS, für Pedd man sülven! (Tritt man selbst!).Michael Malsch


Dauerwelle
Werbeplakat für Dauerwellen
Der Begriff Dauerwelle (Abkürzung: DW) bezeichnet den chemischen Umformungsprozess, bei dem glatte Haare gewellt oder gelockt werden. Umgangssprachlich wird auch eine Frisur mit dauergewelltem Haar einfach als Dauerwelle bezeichnet.


Daumenkino
Daumenkino
Ein Daumenkino ist ein Abblätterbuch, das sich – wie das Kino – den Stroboskopeffekt zunutze macht und dem Betrachter ermöglicht, eine Sequenz von Einzelbildern als fortlaufende Bildfolge zu betrachten. Durch das schnelle Abblättern einer Ansammlung zusammengehöriger Phasenbilder entsteht im Gehirn die Illusion einer vollständigen Bewegung. Die rezipierte Geschichte ist vom Betrachter im Hinblick auf die Geschwindigkeit interaktiv beeinflussbar. Gut gemachte Daumenkinos sind in diesem Zusammenhang gleichermaßen ein haptischer wie intellektueller Genuss. Das Daumenkino kann als Vorläufer der kinematographischen Projektion angesehen werden.Wikipedia.org


Der oder das Daus (Mehrzahl: Däuser) ist die Karte mit dem höchsten Kartenwert im deutschen Kartenspiel. Ihren Namen hat sie möglicherweise über das Würfelspiel bekommen, in dem die zwei Augen auf dem Spielwürfel ebenfalls als Daus bezeichnet wurden. Das Wort Daus als Bezeichnung für die zwei Augen auf einem Spielwürfel ist seit dem 12. Jahrhundert in Gebrauch. Es stammt vom spätalthochdeutschen, später mittelhochdeutschen Wort dûs, das aus dem nordfranzösischen Wort daus entlehnt wurde. Dieses entspricht dem französischen deux, das aus lateinisch duos zu duo zwei entstanden ist. Mit der Einführung von Spielkarten in den deutschen Sprachraum gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Wort auch auf die Karte mit dem Wert Zwei übertragen. Diese Karte wurde zur höchsten Spielkarte des deutschen Kartenspiels, dem Ass.
In der Redewendung Ei der Daus! möglicherweise für einen Dämon (oder entstellt-verhüllend den Teufel).


Eine Deichsel ist eine mit der Vorderachsenlenkung verbundene Stange an gezogenen Fahrzeugen.


Delation (von lateinisch delatio: Anzeige, Denunziation) ist eine rechtshistorische Bezeichnung im Erbrecht für den Anfall einer Erbschaft, insbesondere für die Zeit des römischen Prinzipats. Demnach wurde bei einer Verurteilung eines Angeklagten dessen Erbe unter all jenen, die unter Eid seine Schuld bezeugt hatten, aufgeteilt.


Delinquent (lateinisch: delinquere sich vergehen, einen Fehltritt begehen) ist eine insbesondere in der Kriminologie verwendete Bezeichnung für einen Straftäter. Das Wort kennzeichnet eine Person als Ausführende eines strafrechtlich verfolgbaren Delikts im weitesten Sinn, je nach Kontext können also auch Begeher einer Ordnungswidrigkeit – in Deutschland keine Straftat im eigentlichen Sinn – oder sonst in irgendeiner Weise strafrechtlich auffällig gewordene Personen (vom verwarnten Schwarzfahrer bis zum verurteilten Schwerverbrecher) eingeschlossen sein. Dabei hebt die Bezeichnung in der Regel eher auf soziologische als auf juristische Aspekte der Kriminalität ab.


Delinquenz (lateinisch delinquere sich vergehen) ist die Neigung, vornehmlich rechtliche Grenzen zu überschreiten, das heißt, straffällig zu werden. Nach Moffitt ist zu unterscheiden zwischen persistenter Delinquenz mit Beginn im Kindesalter und meist vorübergehender Jugenddelinquenz.


Unter einer Depesche (frz. dépêcher ‚eilen‘, ‚sich beeilen‘) versteht man ein Telegramm, wobei der Begriff Depesche (auch Kabeldepesche oder genauer telegraphische Depesche) vom Begriff Telegramm abgelöst wurde.


Fabrik zur Herstellung von Destillaten, meist Spirituosen, umgangssprachlich (in Berlin) auch Bezeichnung für ein Lokal/Kneipe, Bierlokal.


Als Devianz (von französisch dévier, deutsch abweichen) oder abweichendes Verhalten werden in Soziologie und Sozialarbeit Handlungen bezeichnet, die gesellschaftlichen Regeln und Erwartungen widersprechen.


deutsches Dialektwort (fränkische und schwäbisch) für Kopf, …etwas auf den Dez bekommen…


Dickmilch oder Sauermilch ist ein aus Kuhmilch gewonnenes schmackhaftes Molkereiprodukt.


Alter Name für Runkelrübe, Futterrübe oder Steckrübe.


Ein Diener (auch Hausdiener oder Kammerdiener, beim Adel oft Leibdiener) ist im herkömmlichen Sinne ein Mitglied des Hausgesindes (veraltet: ein Domestike), der für seinen Arbeitgeber oder Dienstherrn bestimmte häusliche Pflichten erfüllt. Oder das formvollendetes Grüßen mit tiefer Verbeugung (bei Jungen).


Der klassische Dietrich ist ein einfaches Sperrwerkzeug und dient zum Aufsperren von Buntbart- bzw. Besatzungsschlössern. Im 14. Jahrhundert wurden Nachschlüssel (auch Mit-, After-, Diebschlüssel) scherzhaft mit Männernamen bezeichnet, wie beispielsweise Peterchen, Klaus oder Kläuschen. Es wird angenommen, dass bei Dietrich der Anklang an Dieb, bei Peterchen der Gedanke an Petrus mit dem Himmelsschlüssel eine Rolle spielten.


auch Asphaltblase, Melone - scherzhaft für Hut, die Kopfbedeckung wie sie von Charly Chaplin getragen wurde und zur Kluft der Maurer gehörten, wenn sie auf Wanderschaft (Tippelei) gingen. [Helga Ramm - Norderstedt]


Als Diorama (Plural: Dioramen; zu altgriechisch διοράειν dioráein, deutsch ‚hindurchsehen, durchschimmern, durchschauen', also Durchscheinbild) bezeichnet man Schaukästen, in denen Szenen mit Modellfiguren und -landschaften vor einem oft halbkreisförmigen, bemalten Hintergrund dargestellt werden. Sie stehen in der Nachfolge von Weihnachtskrippen. Beliebte Darstellungen sind zum Beispiel historische Szenen, soziale Milieus (ein zeitweilig beliebtes Motiv waren sogenannte Hochzeitskrippen), Berufe oder Tiere in ihrer natürlichen Umgebung.


[frz. directrice]: leitende Angestellte in der Bekleidungsindustrie, meist ausgebildete Schneiderin.


Geld-, Groschenstück. Die Bezeichnung soll zurückgehen auf poln. »dudek=Wiedehopf« Spöttische Bezeichnung für das Adlerbild einer polnischen Dreigroschenmünze. Seit dem ausgehenden 16.Jh. in Ostpreußen / Ostdeutschland gebräuchlich.


Eine Diskette ist ein heute historischer, tragbarer magnetischer Datenträger. Dessen Grundbestandteil besteht aus einer dünnen, biegsamen Kunststoffscheibe aus boPET (Biaxial orientierte Polyester-Folie). Diese Scheibe ist mit einem magnetisierbaren Material, meistens Eisenoxid, beschichtet, dessen Speicherprinzip dem der Festplatte ähnelt. Anfangs nur von einer quadratischen Papphülle mit Lesefenster umschlossen ist ein 3,5″ Datenträger von einem festen rechteckigen Kunststoffgehäuse mit Fensterverschluss besser geschützt. Die englische Bezeichnung floppy disk oder kurz Floppy, was ungefähr mit wabbelige Scheibe ins Deutsche zu übertragen wäre, beruht auf der flexiblen Eigenschaft des Speichermediums im Gegensatz zur hard disk (feste Scheibe) eines Festplattenlaufwerkes (englisch hard disk drive).


Ditschen, norddt. = einen Stein über ein stilles Wasser werfen, der Stein sollte möglichst oft das Wasser berühren, bevor er versank. (siehe auch. Stullen schmeißen)


Diwan, ein Bettsofa ohne Lehne.


20 D-Mark
20 D-Mark-Schein, bis 2001 gültiges Zahlungsmittel
Die Deutsche Mark (abgekürzt DM und im internationalen Bankenverkehr DEM, umgangssprachlich auch D-Mark oder kurz Mark, im englischsprachigen Raum meist Deutschmark) war von 1948 bis 1998 als Buchgeld, bis 2001 nur noch als Bargeld die offizielle Währung in der Bundesrepublik Deutschland und vor deren Gründung in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands und den westlichen Sektoren Berlins.
Bild rechts: 20 DM-Schein, Ausgabe 10. Februar 1961


Donnerbalken
Die Fliegerabteilung 24 in Bielawina Ende 1917 – Der Abteilungs-Donnerbalken. (Bildquelle: via Wikimedia Commons)
Als Donnerbalken wird eine improvisierte Toilettenanlage bezeichnet, bei der ein Holzbalken als notdürftige Sitzgelegenheit über einer im Freien ausgehobenen Sickergrube angebracht ist. Auf dem Balken können mehrere Personen gleichzeitig nebeneinander sitzen und donnern.


Dotation (von lateinisch dotatus reichlich ausgestattet oder dotalis zur Mitgift gehörig) bedeutet im Allgemeinen eine Ausstattung mit Einkünften und Gütern, z. B. einer Stelle, einer Kasse, einer Stiftung, Anstalt, besonders einer kirchlichen Anstalt durch den Gründer, eines Feldherrn oder Staatsmannes zur Belohnung für besondere Verdienste. Gut dotiert heißt also: Gut bezahlt; einbringlich, einträglich, lohnend, profitabel, rentabel; (bildungssprachlich) lukrativ


Schuhmacherwerkzeug aus Eisen, über drei verschieden große eiserne Leisten konnte der zu reparierende Schuh gezogen werden, um ihn neu zu besohlen.


Umgangssprachliche Bezeichnung für einen kleinen Jungen / Knirps / Wicht / Knilch / Steppke.


Eine Droschke ist ein leichtes, offenes und gefedertes Gefährt für bis zu fünf Personen. Man unterscheidet zwischen einer Pferdedroschke, auch Fiaker genannt, die von Pferden gezogen wird, und einer Kraftdroschke (auch Motordroschke oder Autodroschke), mit der eine motorgetriebene Droschke – also ein Taxi – bezeichnet wird. Der Kutscher einer Droschke wird als Droschkenkutscher bezeichnet.


Als Drücker werden umgangssprachlich Verkäufer im Außendienst bezeichnet, die oft außerhalb der gesetzlichen Regelungen für Haustürgeschäfte und ohne die für sie geltenden Schutzbestimmungen des Handelsvertreterrechtes zumeist Zeitschriften-Abonnements, Telefonanschlüsse oder vorgeblich gemeinnützige Spenden einwerben und sich dabei unmoralischer oder krimineller Methoden bedienen.

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Unter einer Drückerkolonne versteht man mehrere Vertreter, die unter der Leitung eines Bezirksvertreters mit unlauteren Methoden versuchen, Verträge an Haustüren abzuschließen. Drückerkolonnen findet man insbesondere in der Finanzdienstleistungs-, Zeitschriften- und Telekommunikationsbranche. Oftmals werden agressive Verkaufsmethoden angewandt. So werden zum Beispiel Vertragsdetails verschwiegen und das eigene persönliche Schicksal dargestellt, um an das Mittleid des Umworbenen zu appelieren. Eine weitere beliebte Methode ist vorzugeben, man arbeite für eine soziale Institution.

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(Ruhrpottslang) Dubbel sind halbierte, aufeinandergelegte Brotscheiben, belegt mit Käse oder Wurst; dubbeln - das Vertilgen eben dieser; Pampen-Dubbel - Hamburger.


Der Begriff stammt aus der Zeit, als in Reihenhausgärten noch vornehmlich Ackerbau und Kleintierzucht zur Selbstversorgung betrieben wurde. Über den Dungweg ließ sich der Dung und andere Abfälle abtransportieren, ohne durch die gute Stube gehen zu müssen.

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Das aus dem französische übernommene Wort bedeutet dauerhaft oder beständig und ist gelegentlich beim Verkaufsgespräch im Fachgeschäft zu hören: Sehen Sie, beste Qualität und äußerst durabel!


Altes Zählmaß im deutschsprachigen Raum besonders im Handel. Ein Dutzend = 12 Stück.
Weitere früher gebräuchliche Mengeneinheiten mit der Basis 12 sind das Schock (fünf Dutzend, also 60), das Gros (zwölf Dutzend, also 144) und das Maß (zwölf Gros, also 1728).

Bäckerdutzend, Fleischerdutzend oder Teufelsdutzend sind Synonyme für dreizehn.


Dünkel (von sich dünken für sich überschätzen, sich abgrenzen) bezeichnet: Hochmut, Standesdünkel.


In der Sprache der Seefahrer bedeutet dwars quer ab, rechtwinklig zur Schiffsachse. Mundartlich: Komm mir nicht dwars bedeutet so viel wie: Komm mir nicht quer, komm mir nicht dumm.


Ein Dwarslöper ist ein Schiff, das den eigenen Kurs in seitlicher Richtung kreuzt, oder ein Krebs, wegen seiner seitlichen Fortbewegungsweise.


D-Zug
D-Zug mit Dampflokomotive
Ab 1892 verkehrte in Deutschland eine neue Zuggattung mit besonders komfortablen Schnellzugwagen, der sogenannte Durchgangswagenzug, Durchgangszug oder D-Zug. Damit wurden ausschließlich Züge aus speziellen Wagen bezeichnet, die durch mit Faltenbälgen geschützte Übergänge untereinander verbunden waren, die sogenannten Durchgangswagen.