Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

O: von Obers, Schlagobers bis Otto Normalverbraucher

Sahne, in Bayern und in der Schweiz auch Rahm, in österreich Obers und in Ostfriesland Raom genannt, ist der fettreiche Milchanteil.


Der Begriff Oberst wird vom Titel 'Obrist' abgeleitet. Im 18. Jahrhundert wurde die Bezeichnung in Preußen und österreich modernisiert.


Obedienz, auch: Obödienz; (lat.: obedientia, auch: oboedientia: Gehorsam, Anhang; oboediens: gehorsam) steht für: kanonische Gehorsamspflicht der Kleriker gegenüber den geistlichen Oberen, z. B. Ordensoberer, Bischof oder Papst,
kirchliches Sondervermögen im Mittelalter, meist durch Schenkung entstanden,
Anhängerschaft z. B. eines Bischofs- oder eines Papstkandidaten bei einer zwiespältigen Wahl,
Ritter und Damen des Malteserordens in Obödienz (zweiter Stand), (Obödienzritter),
eine schriftliche Amtseinweisung
eine Großloge in der Freimaurerei, der Logen und/oder Großlogen angehören.


Der Obelisk ist ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, einen hohen vierkantigen, sich nach oben zu verdünnenden Stein, der sich ganz oben in einer kleinen Pyramide endigt, zu bezeichnen. Weil sie gemeiniglich zur Pracht errichtet werden, und zur Verzierung auf freien Plätzen, und als Monumente gebraucht werden, so hat man dieses Wort durch Prachtkegel, Prachtsäule zu geben versucht; der Begriff wird aber richtiger durch Spitzsäule oder Denkspitzsäule ausgedrückt.


Bettwaren sind zum Schlafen verwendete Körperauflagen und -unterlagen. Die am häufigsten verwendete Körperauflage ist die Bettdecke (= Oberbett). Körperunterlagen sind Kopfkissen, Seitenkissen, Matratzenauflage (= Unterbett) und Matratze. Sie werden von Bettwäsche (Bettbezüge und Bettlaken) schützend eingehüllt. Es gibt auch noch die Tagesdecke (= überbett), die tagsüber über die Bettdecke gelegt wird.


Der Ausdruck bezeichnet: eine Fensterform der Barockzeit, ein Spiegelei, ein Gebäck mit Marzipananteil und einer Aprikosenfüllung in der Mitte, die Pflanzenart, eine der ersten Briefmarken, runde Blinker am Lenkerende. Zu D-Mark-Zeiten wurde auch die 5 DM-Münze scherzhaft so bezeichnet.


Als Odal bezeichnet man in Nordeuropa und auf den Orkney (hier Udal law genannt) den Teil des Grundbesitzes, der sich im Mittelalter über lange Zeit oder über Generationen im Besitz einer Familie befand und damit dem Odalsrecht unterlag. Mit dem Begriff des Odal ist die Verfügungsbeschränkung des Grundeigentümers verbunden. In aller Regel, aber nicht notwendig, hatte der Mannesstamm eine Vorzugsstellung in Bezug auf das Odals-Land. Diese besondere Beziehung zwischen Land und Familie gibt es in allen Kulturen auf der ganzen Welt. Hier wird aber nur der nordeuropäische Raum behandelt, in dem das Wort Odal wurzelt. Im Gegensatz zum Odal, konnte der Eigentümer eines Allods frei darüber verfügen.


(von türk.: odalık) bezeichnet im engeren Wortsinn eine Mitbewohnerin, auch Haremsdienerinnen bzw. Kammermädchen zum persönlichen Dienst am Sultan.


rechteckiges Blech vor dem Ofenloch zum Schutz des Fußbodens vor herausfallender Glut.


Ofensetzer oder -bauer ist eine Berufsbezeichnung für Menschen, die Kachelöfen, Kamine und ähnliche Feuerstätten planen, entwerfen, bauen und installieren.


aus dem mittlern Lat. officians, im gemeinen Leben, ein jeder, welcher ein öffentliches Amt geringer Art bekleidet, ein Unterbedienter, welcher den Beamten hilft, oder an die Hand geht. Die Officianten aus der Buchhalterei. Die Münzofficianten. Zuweilen werden auch wohl die Arbeiter einer Officin, Officianten genannt.


Stammlager IV
Offizierslager (Oflag) Lagertoreingang des Stammlagers IV B bei Mühlberg/Elbe, via Wikimedia.de
Offizierslager (Oflag) waren deutsche Kriegsgefangenenlager während des Zweiten Weltkrieges, in denen ausschließlich Offiziere nach Nationen getrennt festgehalten wurden. Unteroffiziere und Mannschaften wurden dagegen in sogenannten Stammlagern (Stalag) untergebracht. Die Lager wurden gemäß den Wehrkreisen, in denen sie sich befanden, nummeriert. Darauf folgte eine fortlaufende Nummerierung durch Buchstaben. Das dritte Offizierslager im zweiten Wehrkreis erhielt demzufolge die Bezeichnung Oflag II C; jedoch gab es von diesen System zahlreiche Abweichungen. Eventuell wird dem Lager als Zusatz noch der Name des nächstgelegenen Ortes hinzugefügt. So z. B. Oflag II C Woldenberg. Die Lager für Mannschaften hießen Stalag (Stammlager)

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Internierung in Argentinien
Kriegsende in der Ferne


Die Ogive ist im zweidimensionalen eine Form, die durch den Schnitt zweier Kreisbögen entsteht bzw. im dreidimensionalen der entsprechende dreidimensionale Rotationskörper. Das Wort Ogive leitet sich aus dem französischen Wort ogive (= Spitzbogen) ab, dessen genaue Herkunft unklar ist.


Oheim, Ohm, ühm bezeichnet ursprünglich Bruder und Schwager der Mutter. Heutzutage ist Oheim veraltet für Onkel. In verschiedenen Dialekten sowie im Niederländischen kommt das Wort heutzutage noch vor (Ohm, ühm, oom). Im Niederländischen gilt das Wort (n)onkel als dialektisch, es ist aber sehr verbreitet im Süden des Sprachraums (Flandern und Südniederlande). Bis etwa 1750 bezeichnete Oheim nur Bruder und Schwager der Mutter in Abgrenzung zu Bruder und Schwager des Vaters. Die weibliche Form des Oheims ist die Muhme.


Olsch, Oolsch oder Ollsch (ugs. verächlich) für alte Frau, auch für die Gattin abkz. (scherzhft.) von Oh, lieber Schatz. Oder auch unabhängig vom Alter (ebenfalls abfällig) für jede Frau, respektlos auch für die eigene Ehefrau, de verdreihte Oolsch; hest mien Oolsch nich sehn?; ruut mit de Oolsch an de Fröhjohrsluft (für alles, was aus dem Haus muss); dor hett de Bäcker sien Oolsch döchjagt (durch das Loch im Brot).


Rudergänger in Ölzeug
Rudergänger in Ölzeug
Ölzeug (engl.: Oilskin) bezeichnet wetterfeste Oberbekleidung in der Seefahrt, die den Träger vor Nässe und Wind schützen soll. Ursprünglich wurde diese Kleidung aus einem Leinenstoff hergestellt, dessen Oberfläche mit Öl, oftmals Leinöl, imprägniert wurde, um ihn wasserdicht zu machen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch Kautschuk zum Abdichten des Gewebes genutzt. Um die Wasserdichtheit zu erhalten, war eine regelmäßige Nachbehandlung mit Öl oder Wachsen notwendig.


Wienerisch, die Bezeichnung für einen Regenschirm.


Auch Undienen, Bezeichnung für Wassergeister in der Mythologie. Siehe auch: Ondine — Das Mädchen aus dem Meer, (irisches Drama aus dem Jahr 2009)
Ondine-Syndrom, auch Undine-Syndrom oder Undines Fluch ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems mit Störung der autonomen Atmungskontrolle.


Aus dem niederländischen veraltet für Krieg. In der Oeconomische Encyclopädie des Georg Johann Krünitz ein veraltetes Wort für Krieg: Die Alten gebrauchten dafür Orlog, Wig, Volkeswig, von wegen, bewegen, Werre, Fr. Guerre, Ital. Guerra, von wirren, verwirren, welches eigentlich auch ein Ouomatop. ist, und andere Ausdrücke mehr.


abwertend: Zahlungsmittel in der ehem. DDR.


für Österreich während der nationalsozialistischen Herrschaft 1938 bis 1942; bis 1945 hieß es dann Donau- und Alpenreichsgaue, in der Umgsspr. die Währung der DDR, auch Ost-Mark.


Otto Normalverbraucher ist eine fiktive Person, die die durchschnittlichen Bedürfnisse und Kenntnisse der Bevölkerung besitzt.