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Reihenhaus mit Garten

Schön ist es, einen kleinen Garten am Reihenhaus zu haben und das schon über 28 Jahre. Vorher hatten wir eine Dienstwohnung und einen Schrebergarten, der ungefähr zehn Kilometer entfernt lag. Leider musste ich auch am Samstag bis mittags arbeiten. So konnte man erst nachmittags in den Schrebergarten fahren. Dann blieben nur wenige Stunden übrig für den Rasenmäher und das viele Unkraut. Denn sonntags bekamen wir meistens Besuch, man wollte sich dann ja nicht dreckig machen. Nachdem wir uns 1987 ein Reihenhaus in Norderstedt- Glashütte gekauft hatten, verkauften wir unseren Schrebergarten. Ihn hatten wir über zehn Jahre.

Jetzt ist es viel schöner, zu jeder Tageszeit im Garten zu sein. Ein paar Schritte und man ist vom Wohnzimmer im Garten. Natürlich ist der Garten vor und hinter dem Haus kleiner als der Schrebergarten. Früher 435 m2 jetzt sind es bummelige 198 m2, mit Hausfläche, Kfz–Stellplatz und Garten. Als wir in das Reihenhaus einzogen, hatten wir erst einmal im Haus viel zu tun. Denn wir wollten durch Eigenleistungen möglichst viel Geld sparen. Wochen vorher hatte ich meinem Schwager, der Landwirt ist, einen großen FindlingAnmerkung einer Geologin:
Es handelt sich um einen Granit von den Årlands, der während der letzten Eiszeit hier abgelagert wurde. Die goßen, gleichmäßig runden Feldspäte weisen ihn als sogen. Rapakivi aus (finn. rapakivi Bröckelstein oder schlechter Stein).Siehe auch Wikipedia.org
auf seiner Ackerfläche gezeigt. Diesen Stein möchte er mit dem Anhänger zum Umzug mitbringen. Das tat er auch. Mein anderer Schwager brachte noch viele Pflanzen auf dem Anhänger mit. Die wurden nach seinem Plan eingepflanzt. Der Umzug aus der Mietwohnung, ging mit vielen fleißigen Händen recht schnell. Es waren nur vier Straßen bis zu unserem neuen Domizil in Glashütte. Wochen später hatte mein Schwager mit der Gartenplanung begonnen. Er brachte so viele Pflanzen aus seinem Garten mit, dass unser kleiner Garten mit Pflanzen voll war. Er hat Florist gelernt und ist heute noch Gärtner aus Leidenschaft. Ich baute mir einen Komposter aus Holz. Das Holz dafür  stammte von zwei Einwegpaletten. Nach zehn Jahren habe ich den Komposter wieder abgeschafft. Alles kam in die Biotonne, die alle 14 Tage von der Stadt  geleert wird. Mit meiner eigenen Komposterde kam ich immer höher zu meinen Nachbarn.

Der Garten hinten ist zirka 100 m2 groß. Meine Nachbarn rechts und links bereiteten ihre Gartenfläche vor. Mit der Harke kamen viele kleine Steine ans Tageslicht. Ich hörte dann von ihnen: Bei uns kommt Rollrasen. Als die Flächen mit Rollrasen fachmännisch von Gärtnern ausgelegt wurden, freuten sich alle wie ein Schneekönig. Was alles in den Gärten passierte, kann ich nicht sagen. Ich musste ja meiner Arbeit in einem großen Logistikunternehmen nachgehen. So verfolgte ich das rege Gartentreiben nur am Wochenende. Natürlich mussten die Flächen des Rollrasens gut gewässert werden. Die Flächen sahen sehr schön grün aus. Mein Schwager, der Gärtner, steckte mit Holzpflöcken die Gartenfläche ab. Auch die Umrisse der Rasenfläche wurden abgesteckt. Er erzählte mir, was man beim Umgraben zu beachten hätte. Lieber mehr Steine absammeln als das Messer des Rasenmähers zu beschädigen. Gute Vorarbeit ist der beste Erfolg für einen schönen Garten. Ich weiß nicht, wie viele Eimer Steine ich gesammelt habe. Meinen Rasen wollte ich dann selbst mit Rasensaat aussäen. Kompost für den Rasen hatte ich mir schon organisiert. Er war schön abgelagert und roch gut. Als das Reihenhaus gebaut wurde, stand an der Stelle der Baukran. Danach wurde das Gelände mit schwarzer Erde aufgefüllt. Gut ist es, wenn man eine breite Harke hat, um das Erdreich einzuebnen. Es kamen noch viele Steine ans Tageslicht. Aber ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Dann lieh  ich mir ein paar Häuser weiter eine kleine, schöne, schwere Walze aus, Der Besitzer der Walze hatte zirka zwei Jahre früher seine Rasenfläche selbst bearbeitet. Jetzt ging es mit Muskelkraft auf meiner kleinen Fläche zum Walzen. Steine sah ich immer noch, die aber schnell von mir aufgesammelt wurden. Dann wurde die Rasensaat in die Erde eingearbeitet. Ich glaube, es wurde auch schon dunkel. Die Walze brachte ich dem Besitzer schnell zurück.

Dann wurde ein kleiner Holzschuppen im Baumarkt ausgesucht, Einmeterachtzig mal Einmeterachtzig. Hier sollten dann vier Fahrräder, der Rasenmäher und die Gartengeräte Platz finden. Als Nächstes verlegte ich Gehwegplatten als Grundfläche für den Holzschuppen. Nach einigen Wochen wurde der Holzschuppen geliefert. Es waren vorgefertigte Holzelemente. Meine Frau und ich waren dabei, die Elemente zusammenzusetzen. Unser Nachbar vom Endreihenhaus kam noch dazu und hielt die tragenden Teile mit fest. So kamen wir schneller ans Ziel. Dachpappe und eine kleine Dachrinne an beiden Seiten wurden noch angebracht. Dann kamen noch gebrauchte Regenfässer unter die Dachrinnen. Regenwasser mögen alle Pflanzen gern. Natürlich ein kleines Gewächshaus wäre schön gewesen, aber unser Garten ist nur fünfeinhalb Meter breit. Rote und schwarze Johannisbeeren haben wir noch heute. Die eigene Ernte schmeckt immer am besten. Für die Rasenpflege kaufte ich mir einen Mulch-Rasenmäher. Den Rasen sollte man zweimal in der Woche mähen. Doch das schaffen Einige nicht einmal in der Woche. Durch das Mulchen bleibt der Rasen auch im Sommer schön feucht. Natürlich braucht er auch eine Gabe Rasendünger, im April und im Juli nach Belieben. Das Vertikutieren Anfang April sollte man nicht vergessen, vor dem Düngen. Im Herbst gibt es seit Jahren Herbst-Rasendünger. Er fördert nicht das Wachstum der Halme im Herbst, sondern die Wurzeln der Halme kommen besser über den Winter.

Für die Beete und Pflanzen verarbeite ich gerne Hornspäne, Urgesteinsmehl sowie Rasenkalk. Die Blumenpracht übers Jahr ist umso schöner. Auch sollte im Garten eine Vogeltränke nicht fehlen. Denn wer Vögel im Garten hat, der braucht fast keine Giftspritze. Viele Insekten werden von den kleinen Meisen vertilgt. Es gibt viele Arten von Meisen, ungefähr 50 auf der Welt. Bei mir im Garten habe ich zwei Nistkästen hängen, die immer belegt sind. Sind die Meisen im Nistkasten, kann man beobachten, wann die jungen ausfliegen. Nach ein paar Tagen werden die Kästen von innen sauber gemacht. Meisen brüten nur in einem sauberen und leeren Nistkasten. Im Garten kann man viele Arten von Vögeln beobachten. So sieht man natürlich die Meisen, Amseln, Rotkehlchen, Gimpel, Elstern und Eichelhäher. Es ist schön, die Vogelwelt aus dem Wohnzimmer zu betrachten.

Müsste ich heute in einer Mietwohnung wohnen, so würde ich mir wieder einen Schrebergarten zulegen. Inmitten der Natur zu leben ist doch etwas Schönes, wenn sie so bleibt. Ich hoffe doch.

Die Wohnsituation nach dem Zweiten Weltkrieg war eine völlig Andere; lesen Sie auch meine Geschichte:
Leben in der Holzbaracke 1950