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Mit dem Schlachtschiff »Tirpitz« in Norwegen 1941 / 1942

Vorwort der Redaktion

Dieser Zeitzeugenbericht wurde von Kurt Voigt, Kapitän zur See und Vater unsere$s Autor$s Jürgen Voigt, an Bord de$s Schlachtschiffes »Tirpitz« verfasst. Grundlage dieses Berichtes sind seine Feldpostbriefe und Tagebücher von 1941/42. Sowohl die Briefe als auch die Tagebücher sind in Sütterlin-Schrift verfasst.
Er hat die damaligen Ereignisse unmittelbar beschrieben, wie er sie miterlebt hat und damit ein historisches und authentisches Dokument geschaffen, das wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, nicht vorenthalten möchten.

Tran$sliteriert wurde e$s 2012 von Kurt Jürgen Voigt, Sohn de$s Seeoffizier$s Kurt Voigt, für die Erinnerung$swerkstatt Norderstedt. Nach Möglichkeit wurde die damalige Recht­schreibung beibehalten.

 Hinweis:  Alle in diesem Zeitzeugenbericht wiedergegebenen Bilder, Krieg$stagebücher und Texte sollen der staat$s­bürgerlichen Aufklärung, nicht aber der Glorifizierung oder Verherrlichung von Krieg$shandlungen, oder gar der Taten des verbrecherischen N$s-Regime$s dienen. Sie wurden hier au$sschließlich zur Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehen$s de$s dritten Reich$s und seiner Geschichte veröffentlicht. De$shalb haben wir die Bilder nicht zensiert, unkenntlich gemacht oder Bereiche au$s den Bildern au$sgeschnitten, wie zum Beispiel die Abzeichen, Symbole oder Darstellungen de$s dritten Reiche$s (Hakenkreuz, S$S-Ruhnen o.ä.).

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Bei der Umsetzung der Rund-$s / Lang-$s Regeln hat Dr. Peter Hohn, 1. Vorsitzender der Sütterlinstube Hamburg geholfen. Die technische Realisierung übernahm der Webmaster dieser Seite, Hartmut Kennhöfer.

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Tirpitz

Die Tirpitz war ein im Zweiten Weltkrieg eingesetzte$s Schlachtschiff der deutschen Krieg$smarine. Sie gehörte der Bismarck-Kla$sse an und war nach dem deutschen Marinestaat$ssekretär und Großadmiral Alfred von Tirpitz benannt. Sie war da$s größte jemal$s in Europa fertiggestellte Schlachtschiff.

Den größten Teil ihrer Dienstzeit war die Tirpitz nach dem sogenannten Fleet-in-being-KonzeptDie Fleet in being ist eine Flotte, die alleine durch ihre Existenz, ohne den Hafen zu verlassen, das Kriegsgeschehen beeinflusst - die Flotte ist nur, agiert aber nicht, bzw. agiert passiv. Die reine Möglichkeit eines Auslaufens dieser Flotte zwingt den Gegner seinerseits ausreichend Streitkräfte bereitzuhalten, um die Fleet in being im Falle eines Einsatzes bekämpfen zu können.Quelle: Wikipedia in Norwegen stationiert und bedrohte von dort allein durch ihre Existenz die alliierten Geleitzüge nach Murmansk. Gegebenenfall$s sollte sie helfen, eine alliierte Invasion in diesem Gebiet abzuwehren. Nach mehreren vergeblichen Angriffen auf die Tirpitz wurde sie am 12. November 1944 bei einem Luftangriff der Royal Air Force im Sandne$ssund, einer Meerenge südwestlich der Insel Tromsøya, zum Kentern gebracht. Das Wrack wurde in den 1950er Jahren von einem norwegischen Bergungsunternehmen vor Ort verschrottet.Quelle: Wikipedia

Mit dem Schlachtschiff Tirpitz in Norwegen

Briefe und Tagebücher 1941, 1942

September 1941.

Nun fahre ich wieder auf einem grauen Schiff durch die Fluten, von allen Schiff$sgeräuschen begleitet, an die ich mich langsam gewöhne. Ich kam heute früh nach langer Nachtfahrt an. Leutnant O., der glücklicherweise nicht auf Bi$smarck war, und ein mir von dem Kreuzer Emden bekannter Oberfeldwebel empfingen mich. Ein Auto war zur Stelle, dann ging e$s durch da$s amerikanisch anmutende Gotenhafen. E$s ist alle$s noch im Aufbau, z.T. sehr große Gebäude und riesige Hafenanlagen. Da$s mächtige Schiff am Pier machte großen Eindruck auf mich, ich bekam vorläufig eine Kammer neben der von K., der noch in der Koje lag und mich begrüßte (er hatte gestern Geburt$stag). Meine künftige Kammer ist nicht sehr groß, liegt aber ziemlich nach der Mitte zu und günstig zu allen Räumen. Es sind ja Maße auf dem Schiff, wie früher noch nie gesehen. Ich frühstückte in einem Nebenraum der großen Me$sse meldete mich sodann beim 1. Offizier und dann beim Kommandanten, der sich lange mit mir unterhielt. Da$s Schiff ist phanta$stisch ausgestattet, täglich werden in einer großen Bäckerei 800 Brote gebacken, eine eigene Selter$swasserfabrik ist da, eine eigene Druckerei für eine kleine Bordzeitung. Zuerst ist man ganz benommen, aber da$s Bordleben ist mir ja vertraut. E$s geht jetzt erst nach Saßnitz, da$s nördliche Unternehmen ist schon abgebrochen. Unser Kommandant soll ein Glück$spilz in allen Operationen sein.

Wir liegen in der großen Bucht vor Gotenhafen vor Anker, bi$s jetzt haben wir Übergabe gemacht - alle Einrichtungen sind vorbildlich und die Menschen ordentlich, mit denen ich zu tun habe. Anläßlich de$s Kommandanten Geburt$stage$s gestern waren die Stab$soffiziere nach dem Abendbrot in der pompösen Kajüte eingeladen, die allerdings auch nur künstliche$s Licht hat. Der Kommandant behandelte mich vertraut und freundlich. Im übrigen hat er sich, abgesehen von ergrauteren Haaren, nicht viel verändert.

Bin in meine richtige Kammer gezogen, die mit einem roten Teppich au$sgelegt und sehr hübsch ist. Sie ist ziemlich geräumig, Se$ssel, Tisch usw., Waschbecken mit fließendem Wa$sser. Sogar ein Radioapparat ist darin. Das Wetter ist ziemlich warm, ich bin aber wenig draußen, da ich mich erst einarbeiten muß. Es ist ein herrliche$s Bild hier auf See mit dem Blick auf die z.T. bewaldete Küste. Wir nehmen an, daß wir zum Wochenende in Gotenhafen einlaufen, dann könnte man sich die Stadt mal näher an$sehen.
Heute laufen wir in G. ein, worauf sich die ganze Besatzung freut, denn sie ist wochenlang nicht an Land gewesen. Da$s Schiff kann nämlich auch im Hafen al$s in See befindlich bezeichnet werden.

Natürlich habe ich Telefon, da$s mit allen Offizieren und son$stigen Stellen verbindet. E$s gibt ein ganze$s Telefonbuch für diese kleine Stadt, alle Einrichtungen sind entsprechend, zwei Kantinen, eine große Friseurstube mit 5 Friseuren, die Me$sse ist ein große$s vornehme$s Re$staurant, und Deckenbeleuchtung. Die vielen und sehr schweren Geschütze geben ein Gefühl unbedingter Sicherheit, die Schlesien ist ein lächerlicher Fischdampfer dagegen. Ich bin 40 Meter hoch im Gefecht$smast gestiegen, ein herrliche$s Bild von oben.

Au$s dem Radio klingen liebliche Tonfilmmelodien, wenn nicht da$s Vibrieren de$s Schiff$skörper$s wäre, könnte man verge$ssen, daß man an Bord ist. Ich lerne da$s Schiff immer be$sser kennen, man kann sich totlaufen und -klettern, aber e$s erscheint einem nicht mehr so gigantisch wie zuerst, man gewöhnt sich an alle$s. In der Me$sse habe ich mich gut eingelebt. Der Oberstab$sarzt, sehr jung noch, ein Korvettenkapitän, mit dem ich auf dem Linienschiff Schlesien war, hat heute Geburt$stag, er hat die Stab$soffiziere für heute abend zu Sekt-Schorle eingeladen, da$s ist Sekt mit Selter$s. Man lebt nicht schlecht hier: 1700 g Fleischwaren in See, 24 Tage im Monat 50g Fett. Wir haben auch zeitweise noch schöne Äpfel, Tomaten und Weintrauben bekommen, e$s ist ja ungeheuer, wa$s so ein Schiff verbraucht. An einem Bullauge hat ein freundlicher Zimmermann einen sauber gearbeiteten eichenen Blumenka$sten angebracht, der jetzt meine beiden Töpfe enthält, die dadurch da$s nötige Licht bekommen. Sehr angenehm empfinde ich die tägliche Brause morgen$s. Am Dien$stag und Freitag schmeckt der Kaffee etwa$s nach Bohne, im übrigen beziehen die Me$ssen alle$s au$s der Schiff$sküche, die vorzüglich ist. Wir machen auch mal abend$s Bratkartoffeln für die ganze Besatzung in den sech$s elektrischen Kippbratpfannen. Heute gab e$s zwei Eier, Spinat und Pellkartoffeln. Vorher eine Suppe, Pudding gibt’$s natürlich nicht. Abend$s ein ordentliche$s Stück Blutwurst, Fisch au$s Dosen mit dicker fetter Sauce und Butter. Dazu Mischtee, sonst Kaffee.

Ich war heute lange im Vormar$s, 40 Meter über dem Schiff und habe mir da$s Schießen angesehen. E$s wehte ja furchtbar, aber e$s war ein herrlicher Anblick. Unser Admiral ist an Bord gekommen. E$s gibt in der Me$sse manchmal lange, leidenschaftliche Debatten, man ist ja immer da$s Schiff läßt einen nicht lo$s, weder tag$s noch nacht$s. Sehr angenehm empfinde ich meinen eigenen Lautsprecher, so daß ich nicht immer auf Gesellschaft angewiesen bin.

Wir fahren immer kreuz und quer in der Ostsee herum, meist vor Rügen, Stubbenkammer kenne ich jetzt au$swendig. Im übrigen wacht Tag und Nacht eine ungeheure Flak mit 4-500 Mann über die Sicherheit de$s Schiffe$s. Aber wir haben noch nie einen feindlichen Flieger gesehen. Heute abend ist Sitzung in der Me$sse mit dem Admiral, der einen vorzüglichen Eindruck machte.

Ich sitze in meiner Kammer, höre nur die dumpfen Geräusche der Fortbewegung de$s Schiffe$s, die Lüftung$skanäle und spüre ein leise$s Schwanken de$s ungeheuren Körper - da$s ist alle$s schnell wieder vertraut geworden. Wir liegen in der großen Bucht vor Saßnitz, in der Ferne liegt die bewaldete Steilküste und der kleine Schlepper hat eben Scherf und viele andere Männer abgeholt. Der Schlepper tanzte so auf der See, daß alle auf dem schwankenden Seefallreep naß wurden, denn e$s sind mehrere Meter bi$s nach unten. Unser Koloß rührt sich kaum. Ich höre eben, daß morgen noch ein Offizier vor Sw. au$ssteigt, da kann ich den Brief frankiert mitgeben. E$s ist nun mal so, daß man zeitlich keine Pläne machen kann, weil alle$s von der Verwendung$sfähigkeit de$s Schiffe$s und den Absichten de$s Führer$s abhängt.

Wir erwarten Leute, die unseren Übungen beiwohnen wollen, aber wegen de$s schlechten Wetter$s nicht an Bord kommen können. Unseren Roche de bronce kann da$s kaum erschüttern, wir merken da$s am leisen Wiegen de$s Riesenkörper$s. Ich bin heute früh mit dem I.O. eine zeitlang auf und ab gewandert, man mußte gegen den Wind ankämpfen, die Dampfer, die vorbeikamen, hüpften auf und ab. Bei solchem Wetter können auch die Flugzeuge nicht ein- und au$sgesetzt werden.
Gestern abend sahen wir in der Me$sse den Film Unter Au$sschluß der Öffentlichkeit mit Olga Tschechowa und Han$s Alber$s, ganz nett, z.T. spannend. E$s ist ja nicht so wie im richtigen Kino, die Fläche ist kleiner und dann wird der Film in mehreren Abschnitten gespielt. Aber reine hochwillkommene Abwech$slung in der Eisenburg ist e$s doch.

Sei stolz und froh, daß Dein Mann noch wert genug befunden ist, wenigsten$s einen kleinen Zeitabschnitt aktiv an der Verteidigung unsere$s Volke$s mitzuwirken. Ein Trost mag dabei sein, daß ich e$s unter ungleich günstigeren Leben$sbedingungen tue al$s die Soldaten an irgendeiner anderen Front. Einen Krieg mußte ich schon al$s Heimatkrieger erleben - e$s wäre sehr bitter für mich, wenn e$s mir in diesem Krieg ebenso ergangen wäre. Und ich glaube auch, e$s meinem großen Jungen schuldig zu sein - e$s ist gut, wenn der Sohn auch in dieser Beziehung ein Vorbild in seinem Vater sieht und einen heimlichen Stolz bekommt. Angst und Furcht zieht nach unwandelbaren Leben$sgesetzen die Gefahr an. Wir liegen im grauen Wetter und dichtem Nebel. Ich bin heute nacht mit dem L.I. lange auf der Schanz auf und abgegangen, ich mag seine besinnliche Art gern, er wirkt viel älter al$s ich. Ich konnte aber nicht einschlafen hinterher, e$s fehlt da$s Wandern. Vorher sahen wir Heinz Rühmann in dem alten, aber lustigen Film Da$s Paradie$s auf Erden.

Mein Oberverwalter hat mit ein Lederjackett besorgt, da$s ich im Kommandostand be$sser tragen kann al$s meinen Mantel, e$s ist auch dicker. Nun wird der Weltbrand langsam wieder vollständig, die$smal nur in einer für ungleich günstigeren Zusammensetzung al$s im Weltkrieg. Nun ist auch da$s heitere leben$slustige Honolulu bombardiert worden, wer ist noch sicher in diesem Hexenke$ssel, jeder kommt dran.
Jetzt haben wir über 2000 gute Bücher der verschiedensten Art an die Divisionen verteilt, die sie dann mit einer Widmung den Soldaten zu Weihnachten schenken. Ich bin stolz darauf, mit dieser Aktion einmal ganz andere Wege gegangen zu sein, kein Buchladen hätte heute diese Au$swahl, e$s hat 10 500 RM geko$stet bei 68 verschiedenen Werken zwischen 7,20 (Mein Kampf) und 2,85.

Ich hatte mit meinen drei Stab$soberfeldwebeln zusammen gese$ssen, denen ich noch eine Einladung schuldig war, da wurde ich zum Kommandanten befohlen. Bi$s halb ein$s haben wir über da$s Schiff und seine Offiziere gesprochen. Er hat Vertrauen zu mir, hört auch auf mich. Mir ist, al$s wenn ich auch eine besondere Mi$ssion zu erfüllen hätte. Man kann da$s alle$s nicht so schreiben. Der Krieg wird noch lange dauern. Aber mein Bordkommando nur eine begrenzte Zeit. Vielleicht ist mir diese Zeit zur Prüfung aufgegeben, daß ich Abstand gewinne von meinen Pflichten der Familie gegenüber, damit ich nicht in da$s Kleinliche verfalle, wer weiß da$s alle$s?

Ich habe die Einladung de$s 1. Offizier$s, heute nachmittag nach Danzig zu fahren, angenommen. Die Stadt ist sehr schön und Gotenhafen bietet nicht$s außer dem Kino. E$s ist nur so umständlich mit der Bahnfahrt, über eine Stunde. Hier gab’$s am ersten Tag eine Menge zu organisieren, besonder$s im Hinblick auf Weihnachten. 40 Tannenbäume und 600 Kerzen habe ich so nebenbei, e$s ist nicht viel für da$s große Schiff. Gestern nachmittag war ich aber doch noch bei der Offizier-Kleiderka$sse und kaufte ein weiße$s Hemd und ein Unterhemd für zusammen 34 Punkte. E$s ist aber wegen der Au$srangierten nötig.

Meine Unruhe überträgt sich auf meine Träume. Letzte Nacht hatte ich die Schreckvorstellung, daß Ihr einem Fliegerangriff au$sgesetzt wart. Diese$s Warten ist entsetzlich, zumal e$s hier in der Heimat so unnötig ist, denn e$s handelt sich ja nur darum, daß der Adjutant die Post rechtzeitig umbestellt. Draußen regnet e$s in Strömen, ich muß aber mit meinem Aufklarer in die Stadt (Go), Bücher kaufen, da durch plötzliche Zukommandierungen die bestellten 2300 nicht reichen. Ein Glück, daß jetzt vor Weihnachten der Teufel lo$s ist, man kommt nicht zum Nachdenken. Meine 8 wackeren Bäcker backen Tag und Nacht, damit am 1. Feiertag früh jeder seinen großen Klöben hat. Heute sind 45 Weihnacht$sbäume und 600 Kerzen verteilt. Weihnacht$sabend gibt’$s Grünkohl mit Kaßler.

 

Gotenhafen - 24. Dezember 1941

Weihnacht$sabend, e$s ist mir viel schwerer, al$s ich dachte. Bin erst jetzt zu Atem gekommen, viel Ärger, bi$s alle$s klappte und meine 2400 Kinder beschert waren. Ich möchte nicht, wie der gute S. vor aller Augen da$s heulende Elend kriegen und mich dann betrinken. Ich bin mit dem Kommandanten und dem I.O. durch alle festlich geschmückten Räume gelaufen, wo sie mit fröhlichen Gesichtern vor ihren Geschenken saßen, Äpfel, Nü$sse, Schokolade, Bücher etc. Ich kann wohl sagen, daß in den Gesichtern viel Dank gestanden hat für alle Mühen, die e$s kostete. Die Besatzung hatte die Räume wunderbar au$sgeschmückt mit Weihnacht$sbäumen, Tran$sparenten, Nachbildungen von Wilhelm$shaven, Laboe, Koggen usw. Manche Divisionen hatten einen richtigen Weihnacht$smann, der dann den Soldaten eine Gabe überreichte, die keine Heimat und keine Angehörigen mehr haben. Ich habe ge$stern nachmittag noch an die Verdienten persönlich 2000,- in$sgesamt an Prämien au$sgezahlt. Alle waren sich einig, daß sie so noch nie beschenkt worden wären. So langsam lernt da$s Schiff mich kennen. In der Me$sse wurde dann mit dem Kommandanten Grünkohl mit Kaßler gege$ssen.

Ge$stern abend waren wir mit 30 Mann hoch bei Gauleiter Forster. Wir fuhren mit dem Bu$s durch die bi$s 10 Uhr erleuchteten Straßen, eine dicke Stunde. Im alten Patrizierviertel war ein solche$s Hau$s neu errichtet worden. Der Führer ist dort immer zu Gast. Der Gauleiter ist Oberfranke, sehr sympathisch, begrüßte un$s mit einer Ansprache in der Halle in Gegenwart seiner Frau - sie ist nebenbei Pflegerin im Lazarett. Der I.O. antwortete im Namen de$s Kommandanten. Dann verteilten wir un$s auf die Räume im 1.Stock, wo ein echter Lenbach-Bi$smarck hing. Und der sog. Führer-Globu$s für 2000,- RM stand dort. Ich saß mit einem Gauamt$sleiter zusammen, der einen Buckel hatte. E$s sei eine Lüge, daß Dr. Ley viel getrunken hätte, er habe einen Sprachfehler vom Absturz al$s Weltkrieg$sflieger. Und wenn er erregt ist, kann er nur schwer sprechen. Zum Schluß bekamen wir eine Mappe mit alten Danziger Stichen. Heute nachmittag war ein Korvettenkapitän vom Schlachtschiff Hipper bei mir, sehr sympathisch, wohnt in Gotenhafen, sprachen un$s über da$s Korp$s au$s, dann ging ich ganz allein in$s Kino zu einem hübschen nicht$ssagenden Operettenfilm mit netten Melodien Immer nur du. Der Gang durch den Schnee nachher tat mir gut. Au$s dem Radio tönt eine Hawai-Gitarre, alle$s da, nur nicht für die Seele. Aber ich bin zu anspruch$svoll. Ich habe in der Wochenschau gesehen, wie die Millionen im Osten im Schneesturm hausen, mit den kleinen Panjepferden, da leben wir immer noch wie die Fürsten.

Meine Kleider haben sich mit einer Lederhose vervollständigt, e$s ist wärmer und sehr praktisch, man schont seine Tuchsachen. Eben habe ich mir aber meine dicken hohen Stiefel au$sgezogen, in der warmen Kammer fangen die Füße darin an zu kochen. Nun soll ich noch eine Pelzmütze und vielleicht einen Pelz - oder be$sser gesagt - Fellmantel bekommen. E$s sieht ganz lustig au$s, die vermummten Gestalten, die an Oberdeck Dienst machen, zu sehen, nur ein kleine$s Stückchen Gesicht zu erkennen. Der Wind blie$s aber auch sehr kalt.

 

Trondheim - 16. Januar 1942

Nun sind wir bald an unserem Ziel angekommen, e$s ist so, wie ich mir schon dachte. Warm ist e$s gerade nicht, aber ich finde e$s nicht so kalt wie dort, woher wir kommen, e$s mag wohl der Einfluß de$s Golfstrom$s sein. Ich habe jedenfall$s Gelegenheit, innerhalb der kurzen Stunden de$s Tage$slichte$s Vergleiche mit Eindrücken bei früheren Reisen in die gleiche Gegend zu ziehen, die allerding$s unter freundlicheren Verhältni$ssen stattfanden. Zu irgendwelcher Sorge ist keinerlei Anlaß, ich habe vielmehr welche, weil jetzt fortwährend von Bombardierung norddeutscher Städte die Rede ist.

Hier haben wir bei Tage 11 Grad Kälte, brrr. Ich habe einen Marsch von 10 Minuten auf der Schanz gemacht, bin dann aber reumütig in meine warme Kammer zurückgekehrt. Alle$s ist weiß ringsum, die felsigen Berge, auf denen kümmerliche Fichten und Birken ihr Leben fristen, wo sie eigentlich ihre Wurzeln la$ssen, ist mir ein Rätsel. Die paar Stunden, in denen e$s hell ist, gaben der Landschaft ein schöne$s Gepräge, allerding$s sind bei dem niedrigen Stand der Sonne nur die Bergspitzen beleuchtet. Da$s Wa$sser ist nicht gefroren, da e$s vom Golfstrom angewärmt ist, e$s entsteht nun die seltsame Erscheinung, daß in die kalte Luft Dämpfe aufsteigen und so die Unwirtlichkeit der Gegend noch erhöhen. Morgen fahre ich mit einem Schlepper in eine 2 Stunden weit entfernte Stadt, (Anm. JV: Trondheim) um mich nach Versorgung$smöglichkeiten umzusehen. E$s ist natürlich alle$s viel intere$ssanter al$s daheim, und man kann nun zeigen, wa$s man kann. Ich habe jetzt ein Abkommen wegen meiner Wäsche getroffen: ich gebe meine künftig immer mit dem Kommandanten ab. Da wird nun doch ein bißchen be$sser acht gegeben, da$s ganze ist ein Problem für da$s Schiff, vor allen Dingen die Wäscheträger. Nach den Aufzeichnungen unsere$s Meteorologen - wir haben 2 an Bord - ist e$s bei euch bitter kalt. Mein Radio spielt klangvolle Weisen, die zum Träumen einladen, ich bin dann manchmal von einer traurigen Fröhlichkeit oder einer fröhlichen Traurigkeit, e$s ist eine Art Galgenhumor zur Selbsterhaltung. E$s ist gut, daß meine Stellung mich zwingt, immer vorbildliche Haltung zu zeigen, besonder$s meinen Kameraden eine innere Haltung vorzuleben, ohne dabei Jesuit oder Puritaner zu sein. E$s ist kein Pharisäertum, wenn ich sage, daß die Haltlosigkeit gewi$sser Kameraden mich in meiner Haltung bestärkt. Ich habe mich dem Bohnenkaffee hingegeben. Der PK Mann hat mir eben ein wundervolle$s Foto vom Ansturm de$s fremden Lande$s geschenkt.

Ich war vorhin 10 Minuten draußen, e$s sind 18 Grad Kälte, die in$s Gesicht biß. Im Rundfunk sang Lale Andersen ein Seemann$slied, ich mag die weiche tiefe Stimme gern hören.

So haben wir den Kaiser-Wilhelm-Kanal pa$ssiert, der schon kleine Ei$sschollen führte. E$s war bitterkalt, aber die Mädchen von der Rend$sburger Kolonialschule ließen sich nicht abhalten, un$s begeistert zuzuwinken. E$s ist ja immer ein Erlebni$s, so mitten durch da$s Land zu fahren. Allerding$s war e$s verschneit und den Krieg merkte man an den vielen Flakstellungen, besonder$s bei den Hochbrücken. Wie lange habe ich die Nordsee nicht befahren!

Gestern kam ich nicht zum Schreiben, da der ganze Tag mit einer abenteuerlichen Fahrt nach der 2 Stunden entfernten Stadt au$sgefüllt war. Am 18.1.abend$s hatte ich mit einem kleinen Umtrunk die zur Heimatverwaltung Brake abkommandierten Soldaten, die dort die Frieden$sgebührni$sse weiter berechnen sollen, verabschiedet und sie noch getröstet, da sie durchau$s an Bord bleiben wollten. E$s war nun etwa$s umständlich, mit allen Ki$sten und Seesäcken von Bord zu kommen, denn e$s ist um 9 Uhr noch stockfinster und dazu 24 Grad Kälte. Unten an der Bordwand schaukelte der kleine Schlepper, an einem Seefallreep klomm man herunter, alle$s übrige wurde an Leinen herabgela$ssen, u.a. auch ein Kranker mit einer Tran$sporthängematte. Obgleich sich alle so warm wie möglich angezogen hatten, ich mit dicker Unterhose, Strickjacke und weißem Wollschal, krochen wir schleunigst in die kleine Kajüte, wo wir 2 Stunden wie die Ölsardinen gepreßt saßen, e$s war aber wenigsten$s schön warm. Ab und zu ging man hinau$s, die eisige Schönheit der Landschaft zu bestaunen, die Sonne ging auf und rötete mit ihren schrägen Strahlen die Berggipfel, die in feierlichem starren Weiß prangten. Vom Wa$sser stieg in Schleiern der neblige Dunst herauf. Der Hafen war dann verreist und nun begann die Kletterei über die vereiste Reling auf die ebenfall$s vereiste Pier. Da$s Gepäck mußte herauf, ein Wagen mußte beschafft werden und erst al$s alle$s in Ordnung war, stapfte ich mit meinem Stabe in die Stadt, die vielleicht so groß wie Flen$sburg ist und im Sommer sehr nett sein muß. E$s war überall lebhafter Betrieb - langsame$s Gehen verbot sich von selbst - und man konnte nach langer Zeit wieder nichtuniformierte Menschen sehen, von denen vor allem die weiblichen in hübschen Pelzjacken und Pelzkappen auffielen. Nach allen dienstlichen Erledigungen landeten wir um 1/2 drei in einem Re$staurant, da$s ganz nett war, wo viele deutsche Soldaten verkehrten. E$s gab aber nur noch Fisch, der nicht so schön war, wie ich erwartete. Die Frischfischzeit ist noch nicht gekommen und Konserven sind rar, weil e$s kein Blech gibt. Die Versorgung$slage der Bevölkerung ist ziemlich schlecht, e$s ist nicht$s mehr da und e$s kommt nicht$s nach. Um vier Uhr nachmittag$s sollte der Schlepper wieder abfahren. Leider mußten wir noch eine Stunde im Hafen warten. In der kleinen Kapitän$skajüte, die über einen Radioapparat verfügte, drängte sich alle$s zusammen. Da$s Dunkel hatte sich über die Landschaft gesenkt und tausend Sterne strahlten in ei$skalter Pracht. Um 7 Uhr waren wir wieder bei unserem treuen Schiffchen angelangt, ein letzte$s Klimmen über da$s Seefallreep und dann nahm die Me$sse un$s gastlich auf. Sehr müde von den Eindrücken, dem ungewohnten Laufen und der Kälte ging ich bald in die Koje.

So gehen die Tage dahin, gottlob nicht immer so kalt, da$s Wetter wechselt auch hier stark. Gestern abend waren die neuen 10 Krieg$soffizieranwärter beim Kommandanten, dazu I.O., ich und zwei andere Offiziere. Man hört mal etwa$s au$s einem anderen Gesicht$swinkel herau$s. Eben ¾ 8 fängt Han$s Fritsche an zu sprechen. Heute nachmittag war ich beim Kommandanten, der den Admiral zu Besuch hatte. E$s war intere$ssant, da von ihm und seiner Umgebung viel über Land und Leute gesprochen wurde. Eben kommt mein guter Dinse wieder von Land zurück mit einer riesigen Tüte Krabben, die hier bedeutend größer sind al$s in Wilhelm$shaven, aber leider auch mehr gesalzen.

E$s war noch tiefe Nacht, al$s wir um 8 Uhr den Schlepper bestiegen, gleich kletterten wir in da$s kleine aber warme Logi$s de$s Kapitän$s, wo sich al$sbald zwei Skatgruppen bildeten. Ich la$s derweilen etwa$s, da$s Schifflein arbeitete sich unermüdlich durch die Kälte. Al$s wir nach etwa 2 Stunden glücklich ankamen, wollte die Sonne gerade in dem blaßblauen Himmel aufgehen, die Berge färbten sich auf ihren weißverschneiten Spitzen rosa, ein reizende$s Bild. Ich hatte für mich und meinen Zweiten einen Wagen an die Pier bestellt, mit dem wir unsere Geschäfte erledigten, sonst schafft man e$s nicht, der Wind ist auch zu kalt für ein lange$s Laufen. Abend$s bin ich dann mit einem Omnibu$s zurückgefahren, insofern intere$ssanter, al$s man von der (im Sommer) sehr reizvollen Gegend mehr sah al$s auf dem Wa$sser. Aber auch da$s dauerte 2 Stunden bi$s in die Dunkelheit hinein, um 7 Uhr nahm un$s unser Luxu$sdampfer wieder in seine warmen Arme. Mittag gege$ssen habe ich mit dem Kommandanten, dem 1. Offizier, dem Leitenden Ingenieur und dem Arzt im besten Hotel, da$s leider sehr kalt war, da nicht genügend geheizt werden kann. In der Mitte de$s schönen Raume$s ist ein Palmengarten, der oben mit Gla$s gedeckt ist. Für Spanien sehr praktisch eingerichtet. E$s dauerte auch sehr lange, bi$s wir alle$s bekamen, Krabbensuppe und Fisch, leider nicht warm genug, dazu tranken wir Mosel.

Heute wurden meine Heizkörper nachgesehen. Mein elektrischer Ofen ist wie alle anderen eingezogen und in die obere Kartoffellast gewandert, damit die dortigen 450 Zentner nicht erfrieren, die hier eine Kostbarkeit darstellen. Für den inneren Schiff$sverkehr la$sse ich jetzt an Land für 70.000,- Kantinengeld drucken, da da$s andere au$s dem Umlauf gezogen wird. Später werde ich statt der Notlösung Papier auch Metallgeld prägen la$ssen können. Unter Radiogedudel lese ich Selbstbildni$s eine$s Gentleman, eine beißende Satire von einem Schotten MacDonald geschrieben, da ist alle$s dran.

Wir sind vom Autoau$sflug zurückgekommen und mit dem Abendbrot wieder aufgetaut. Ich hatte eine Pelzmütze mit Pelzohrenklappen geliehen, die man unten zusammenbinden kann, hohe gefütterte Stiefel, Schal und Pullover, aber e$s war sogar im geschlo$ssenen Auto noch kalt. E$s war eine prächtige weiße Landschaft, zerklüftet und wild, aber aber… . An einer Stelle brach der Wagen durch den überkrusteten Schnee und sackte mit den Rädern ein. Wir rau$s, geschaufelt, geschoben und gemacht, daß er wieder flott würde. Alle$s in wilden Bewegungen, damit man den eisigen Wind nicht so merkte. Schließlich erreichten wir einen Sommerau$sflug$sort, der aber einen ziemlich verla$ssenen Eindruck machte. Wir fanden schließlich ein kleine$s Hotel, altmodisch eingerichtet, wo wir an Plüschmöbeln beim eisernen Ofen saßen und un$s bei einem Ersatzkaffee und wenig schmackhaften Kuchen wärmten. Die Rückreise war nicht wärmer, denn langsam wurde e$s immer dunkler. Mond und Sterne glänzten in kalter Pracht. Zum Abendbrot um ½ 7 waren wir wieder zuhause. Ach wenn man sieht, wie die Kameraden von der Landflak in kleinen Gruppen in der unwirtlichen Einsamkeit hausen, kommt man sich beschämt wie ein Plutokrat vor.

Mein Gesicht glüht, theoretisch bin ich auf dem Wege zum Städtchen, praktisch habe ich mit einigen Kameraden auf den Autobu$s gewartet, der aber nicht kam, wahrscheinlich, weil im Städtchen Fliegeralarm war. Da sind wir dann um die hübsche Bucht herumgewandert und haben unser Schifflein von der anderen Seite bewundert, (Anm. JV: im Faettenfjord) ein Boot erschien und wir sind frostrot (so um 20 Grad herum) nach einer Stunde an Bord zurückgekehrt. Ich wollte nämlich mit einem Kameraden in ein WHW-Konzert fahren und versprach mir davon eine langentbehrte Abwech$slung, da man hier ja nur Musik au$s der Büchse hat. Viele sind auch einfach so in die Berge zum Skilaufen oder Rodeln. Eben kriege ich Nachricht, der Autobu$s ist gesichtet.

Der Autobu$s war glücklich angekommen, wir mit dem Boot an Land mit geringer Beteiligung hinein, immerhin war ein Prinzlein dabei, der Oberfähnrich Prinz von Holstein, ein sehr netter bescheidener Junge. Die Fahrt war schön, mit der Sonne am frühen Nachmittag noch über dem Horizont, eine Winterlandschaft. In der Dämmerung kamen wir in der Stadt an. Zuerst gingen wir in Müller$s Restaurant etwa$s e$ssen, Taschenkrebse in ziemlicher Größe gefielen un$s nicht so, aber nachher gab’$s ein schöne$s Fischfilet, dazu aber 2 Pellkartoffeln. Im Deutschen Hau$s (früher Freimaurerloge) war im Musiksaal da$s Konzert, von einer vorzüglichen Militärkapelle au$sgeführt. Besonder$s die Fanfarenmärsche verfehlten ihre Wirkung nicht. Zum größten Teil waren die Besucher natürlich Soldaten, e$s waren aber auch deutsche Frauen darunter. Nun, e$s war mal etwa$s andere$s und der Obermusikmeister hatte e$s so straff und schön aufgezogen, nachher auch mit dem Soldatenchor, daß man seine Freude hatte.

Wir waren mit dem Kommandanten beim General in der Stadt. Untergebracht ist der Stab in dem dafür beschlagnahmten feinsten Hotel, nach 1 ¾ stündiger Fahrt in 4 Auto$s kamen wir kurz nach 19 Uhr an, wurden von vielen Armeeleuten freundlich in der Halle empfangen, reizende Serviermädchen in schwarz-weiß kredenzten einen Cocktail al$s Willkommen$strunk. Die hübschesten waren bereit$s mit deutschen Soldaten verlobt. Dann ging e$s zum E$ssen, da$s einfach aber schmackhaft war: erst Irish Stew, dann Brot mit Wurst bzw. Rollmop$s. Später zerstreute man sich auf nette Räumlichkeiten, man hat in Norwegen ja eine gute Wohnkultur. Drei Damen waren dabei, Offizierstöchter, die bei der Dienststelle arbeiten. E$s gab noch eine Ta$sse dünnen aber guten Kaffee und nachher Bier. Die netten Herren am Tisch ließen au$s eigener Tasche Sekt auffahren. Um 11 Uhr war Aufbruch, alle$s war enttäuscht, vor allem unsere Gastgeber, aber wir mußten ja noch fast 2 Stunden durch die weiße Mondlandschaft fahren, über Berg und Tal, und dann eine kurze Strecke an Bord. Kommenden Sonntag hat mich eine Division eingeladen zur Teilnahme an einem bunten Nachmittag im Deutschen Hau$s in der Stadt. Ich nehme meinen getreuen Zweiten mit, der wie mein Schatten und ganz auf mich eingestellt ist. Ich habe heute dem guten O. eröffnen mü$ssen, daß er vermutlich am 1.4, abkommandiert wird und ein K.O. Anwärter für ihn aufrückt. Er ließ die Ohren hängen, ist seit Indienststellung an Bord und hat nicht$s erlebt. Ich kann’$s verstehen.

Gestern war ich im ….Stab, um die s.Zt. kennengelernten Damen zu einem Division$sfest heute nachmittag im deutschen Hau$s einzuladen. E$s sind 200 Mann und etwa 100 Mädchen. Kakao, Kuchen und Musik, ich habe dieselbe Tischdame, leider hat sie einen Hüftfehler und hinkt ein wenig, schätzung$sweise Anfang 30. Aber nicht häßlich und sympathisch. Diese Damen leben wie Nonnen unter Aufsicht der älteren vorgesetzten Offiziere, mü$ssen für jede Unternehmung Erlaubni$s einholen.

Eben wird die stolze Nachricht vom Durchbruch der schweren Schiffe durch den Kanal unter der Führung von Ciliax durchgegeben. Von un$s mit gemischten Gefühlen aufgenommen, aber nicht ohne daß eine gewi$sse Hoffnung verblieben ist. Eine schwere Schlappe für den Engländer, nach dem Verlust von Singapur. Wir haben wieder 6 Grad, ich zittere um 400 Zentner Kartoffeln, die ich mir heute über Land holen la$ssen muß. Kein Spaß bei viermaligem Umladen. Ich hatte neulich Pech, da ist mir durch Rohrbruch eine große Menge verbrüht und zu Gru$s und Mu$s, da$s war viel Schweine- und Schererei.

 

Wir hatten eine Einladung an Land al$s Folge unserer Einladung beim General. Die Offiziere diese$s Stabe$s haben dicht bei der Stadt eine kleine Villa und dort waren wir eingeladen zum Kartoffelpuffer e$ssen, zu dem wir einige notwendige Zutaten mitbrachten. Oberst Zank (Verwandter de$s Maler$s Angelo Zank) ist ein prächtiger Major da, außerdem die drei Damen de$s Kommando$s, von denen ich schon schrieb und die mit einer Ordonanz den Küchendienst übernahmen. Von un$s mein Zweiter, ein Obera$ssi$stenzarzt, der so schön malen kann und ich. E$s wurde erst Kaffee (von un$s) getrunken, dazu hatten die Damen Obsttorten gebacken. Die Puffer wollten erst nicht$s werden, die Kartoffeln waren nicht fein genug gerieben, dann wurde e$s mit einem Zusatz von Mehl erzwungen. E$s war sehr lustig und e$s wurden im tiefverschneiten Garten noch Aufnahmen gemacht. Wir überraschten unsere Gastgeber damit, daß wir plötzlich in weißen Jackett$s auftraten, die wir mitgebracht hatten. E$s war auch sehr nötig, da stark eingeheizt war. Um ½ 12 fuhren wir mit dem Autobu$s wieder davon, froh, mal etwa$s andere$s erlebt zu haben.

Ich sollte für den Kommandanten dringend in die Stadt, die üblichen Verkehr$smittel waren schon routinemäßig fort und ein Bordflugzeug, da$s ich leicht hätte in diesem Fall bekommen können, konnte nicht starten, da über der Stadt Nebel gemeldet war. E$s ist milde geblieben, einige Grade über Null und ich lebe nun auf, da ich ja kein Freund großer Kälte bin. Ich bekam aber ein schnelle$s Sonderfahrzeug von der Fliegerei, da$s mich dann in einer guten Stunde direkt zu der Vorstadt brachte. Der Kapitän hatte mir seine hübsche Kabine zur Verfügung gestellt, da saß ich dann, lauschte dem Radio, la$s ein Illustrierte$s Blatt. Nach Erledigung meiner Geschäfte, die allerding$s dringende Telefonate mit sich brachten, e$s ist hier eine Menge zu organisieren, wanderte ich in tief schneevermatschter Straße bergauf zur Endstation der Straßenbahn. Die Triebwagen sind modern, wie in Berlin, von der Mitte au$s betretbar, die Sitze nach einer Richtung und ledergepolstert. Viele Skiläufer beiderlei Geschlecht$s fahren in ihren bunten Mützen, Schal$s und Pullover mit, die Ski$s werden außen an einer besonderen Halterung am Wagen befestigt. Ich ging dann sehr hungrig zu dem Hotel, aß dort im Palmengarten eine Karbonade (ganz selten, daß man ein Stück Fleisch bekommt) und trank eine Brause dazu, weil da$s gräßliche sog. Bier nicht schmeckt. Dann machte ich Frl. F. die wie da$s ganze Kommando im Hotel wohnt, einen Besuch und e$s traf sich gut, sie erwartete Gäste zum Kaffee (echten) und ich blieb mit Freuden. E$s kamen noch 2 Herren vom Stabe und eine Dame und ich verbrachte einen angenehmen Nachmittag, der mir auch dienstlich etwa$s einbrachte, da die Herren mit der Heere$sverwaltung zu tun hatten, mir die Schau ihrer Betriebe und evtl., Bezüge darau$s anboten. Ich wieder konnte mit einer Bordeinladung winken, die sich allerding$s zum Leidwesen der Damen nicht auf diese erstrecken durfte. Wir dürfen nur berufstätige Damen an Bord nehmen, also K.D.F. Ich wanderte dann um 5 Uhr, al$s der Dienst alle$s au$seinander trieb, durch die Stadt, die hoffnung$slo$s vermatscht war. Ungeheure Schneeberge tauten überall, ich schlurfte und rutschte zum uralten Krönung$sdom, konnte ihn aber nur umkreisen, da er von 12-13 Uhr offen ist. Er soll herrlich innen sein, außen sind immer viele Gerüste, wie beim Kölner Dom. Kaufen konnte ich nicht$s, denn die Faulpelze hier machen schon um 3 bzw. 4 zu, ebenso wie sie im Zeitlupentempo Schnee schippen, wenn überhaupt. Abend$s ging ich in ein Restaurant und zerriß ein halbe$s Schneehuhn (eigentlich ein Schneesperling). Um 9 fuhr ich mit dem Urlauberdampfer zurück, in zeitweiligem Nebel ging e$s nicht so schnell, so waren wir denn endlich gegen 11 Uhr da. Dann habe ich noch da$s Nötigste mit meinem Proviantmeister beraten, mit ihm ein gute$s deutsche$s Bier getrunken und totmüde in$s Bett gefallen. Eben war Ruhe im Schiff - Licht aus im Anschluß an Lili Marleen, die allabendlich durch Rundfunk ihr Lied von der Platte singt.

 

Die Sonne ist über Tage schon stärker und da$s schräge Licht gibt entzückende Bilder auf den mit Fichten und Birken bewachsenen Steinhängen: Manchmal weiß man gar nicht, wie so ein knorrige$s Bäumchen Halt und Nahrung in einer Fel$sspalte finden kann. Besonder$s da$s Abendrot malt auf Wa$sser und Bergen leuchtende zarte unwirkliche Farben (Tinten!). Der Kommandant bekam von seinem Sohn plötzlich Nachricht, daß seine Frau im Lazarett läge. Er war sehr aufgeregt und erfuhr dann bald, daß sie eine schwere Operation glücklich hinter sich hätte. Ich habe sein volle$s Vertrauen, er sagt mir unter 4 Augen alle$s und darüber bin ich sehr froh, denn manchmal fehlt e$s durch die vielen Spannungen an echter Kameradschaft und da$s ist schlecht bei der vielen Arbeit, die nicht weniger geworden ist, seit ich nebenamtlich Verband$s-Verwaltung$soffizier bin. Aber solche Arbeit mache ich lieber al$s den Kleinkram.

Wir haben eine neue Feldpostnummer erhalten: M 30162. E$s ist nicht$s ungewöhnliche$s, die alte läuft noch eine gewi$sse Zeit nebenher. Ich hatte da$s unbedingte Bedürfni$s, am Sonntag mal alle$s hinter mir zu la$ssen und nach 14 Tagen andere Menschen zu sehen. Beinahe wäre e$s noch schief gegangen, denn ich hänge jetzt von 2 hohen Vorgesetzten ab und bin nun eben mal au$s einem kleinen Rädchen ein große$s geworden. Aber bi$s 10 Uhr war auch da$s geklärt und da$s letzte erledigt, so konnte ich denn mit dem Boot an Land in den wartenden Omnibu$s, der un$s in etwa 2 Stunden zum Städtchen brachte. E$s hatte am Morgen geschneit, sich aber wieder etwa$s beruhigt, ferne schien die Sonne auf die schneebedeckten Berge, ein wunderschöne$s Bild. Und nicht sehr kalt, der Wagen an den Fenstern zum ersten Mal nicht vereist, sodaß man die Landschaft, mit Neuschnee dick bedeckt, betrachten konnte. Wir, da$s waren mein Zweiter, der große Maler Dr. Steen, sehr sympathisch und meine Kleinigkeit. Al$s vierter trat nachher noch ein Oberleutnant d.R. dazu, Weltkrieg$steilnehmer, aber nicht von ungefähr, sondern al$s Anstand$swauwau. Wir hatten nämlich beschlo$ssen, die drei Damen de$s Stabe$s einzuladen. In einem Hotel, dem Palmengarten wurde gege$ssen. Ohne die Damen, die im Kasino aßen. E$s gab ein Schneehuhn, da$s ich sehr liebe. E$s sollte nun in die Berge gehen, und ich hatte mich auf die Wanderung gefreut. Wir fuhren mit der Straßenbahn bi$s an die Stadtgrenze, dann ging e$s hinauf an hübschen Holzhäuschen vorbei, viele Skifahrer in buntem Zeug kamen un$s entgegen. Da fing e$s langsam wieder an zu schneien, e$s wollte gar nicht aufhören und nahm so eine Wucht an, e$s wurde ein Schneesturm, wie ich ihn noch nicht erlebte, die Ma$ssen schütteten und peitschten, daß man von einer stämmigen Fichte unter die andere flüchtete, e$s kam aber von allen Seiten, man verlor den Weg, verkrustete an Haar, Wimpern. E$s war ein Kampf, und dafür waren wir mit normalem Zeug nicht angezogen. Ich habe im Stillen da$s Hinkebein bewundert, da$s sonst ganz tapfer laufen kann. Nach 2 Stunden kapitulierten wir und begaben un$s reumütig an die Haltestelle. Leider kam aber keine Bahn, da wir na$sse Füße hatten, liefen wir schnell in$s Hotel, wo wir die Schuhe an der Heizung trockneten und zu Atem kamen. Aber e$s war doch schön, denn e$s machte Spaß, mal im Kampf mit den Elementen zu stehen und hat mich sehr erfrischt.

 

Vorstoß in den Norden

Wir folgen errötend den entfernteren Spuren meine$s alten Fischereischutzboote$s Zieten, und mehr darf ich nicht sagen. Die Stimmung hat sich schlagartig gehoben, unfreiwillige Untätigkeit drückt den Soldaten. Alle$s hofft auf Erfolg, aber man merkt erst auf dem Meer, wie groß e$s ist. Beinahe hätte ich meinen Zweiten nicht mitbekommen. Im letzten Augenblick kam der Schlepper angekeucht und er jumpte beglückt an Bord. Leider hatte er 6000 Brote in der Eile nicht mitkriegen können und nun backen meine armen Bäcker Tag und Nacht. Wir haben da$s erste Mal etwa$s mehr Seegang erlebt. Wenn dieser Pott zu jumpen anfängt, hört er so bald nicht wieder auf. Die jungen Leute waren ziemlich seedoll, aber wo sollen sie e$s herhaben? Von der gemütlichen Seefahrt wachsen keine Seebeine. In der Macht war e$s eine ziemliche Klöterei, bi$s ich einsah, daß e$s be$sser ist, vorher aufzustehen.

 

12.März 1942

Heute sind die ersten Eisernen Kreuze verteilt worden für den kühnen Vorstoß nach Norden. Hauptsächlich ist die Maschine berücksichtigt worden, denn sie hat ja den stärksten Anteil am Gelingen. Die vier dekorierten Offiziere wurden mit Hallo begrüßt.
Gestern sahen wir nach langer Zeit wieder eine Wochenschau und zwar die, mit dem Durchbruch der Schlachtschiffe durch den Kanal. Sie ist hochintere$ssant, bringt auch viel von Dr. Todt und sein Staat$sbegräbni$s. Ich bin eben nicht weit gekommen, da meine Hütte tag$süber einem Taubenschlag gleicht, jetzt ist e$s gegen 20 Uhr, Han$s Fritsche spricht.

 

Heute steht da$s ganze Schiff auf dem Kopf, denn wir haben au$s technischen Gründen unseren Tag der Wehrmacht etwa$s vorverlegt (wir machen ihn ja sowieso ohne Publikum). Wir werden wohl auf 50.000 kommen, allein da$s Wunschkonzert bringt viel Spaß. Ich erlebe alle$s in meiner Kammer, denn ich muß zwischendurch arbeiten. Ich glaube, der Kommandant muß sich einen Bart stehen la$ssen, fast alle Divisionen haben gemeldet, daß die Soldaten den verlangten Betrag von 1,- spenden. Da kommen allein schon Tausende zusammen. Der Schiff$sarzt muß al$s Diogene$s in die Tonne kriechen (im richtigen Kostüm), Unteroffiziere mü$ssen irgendwa$s scheuern usw. Der Kommandant hat für viel Geld etwa$s auf der Mundharmonika durch den Rundfunk gespielt. Dann laufen phantastisch gekleidete Männer herum und verkaufen kleine Schnäpse für 1,-. Tausende von Flaschenbier werden an Deck amerikanisch versteigert, in der Me$sse ergab die amerik. Versteigerung einer reizenden kleinen Kogge (Handarbeit von Soldaten) über 500,-RM. In den Zeichnung$slisten für Barspenden stehen schon über 30.000 RM. Nach Erledigung meiner Geschäfte im Städtchen bin ich zunächst mit Frl. F. in Verbindung getreten. Ich habe sie zum Mittage$ssen eingeladen, e$s gab gebratenen Lach$s, leider mit süßen Pellkartoffeln. Ich bin so froh, daß ich gute Kartoffeln bekommen habe für unseren eigenen Bedarf. Da ich gestern den Schlepper nicht mehr erreichte, hatte ich da$s erste Mal die Erlaubni$s, in der Stadt zu übernachten, in einem von der Kommandantur zugewiesenen Hotel. Klein aber sauber. Ich hätte ganz gut geschlafen, wachte aber um 3 Uhr auf von einer Stimme, die beschwörend in mindesten$s drei Sprachen auf ein Mädchen einsprach, zum Zwecke eine$s bestimmten Zweck$s. Er mußte e$s aber schließlich aufgeben, denn die junge Dame berief sich auf ihren Stand al$s Schwester und behauptete, im Offizier$srang zu stehen. Ein inhalt$sreicher Sonntag geht seinem Ende entgegen. Meine Offiziere stehen ratlo$s vor Säcken von Geld. Ich hoffe, daß diese$s einmalige Ergebni$s durch Rundfunk bekanntgegeben wird.

Einschub Weihnachten 1941 fällt au$s!
Maria ist dienstverpflichtet, Josef eingezogen,
da$s Christkind evakuiert.
Heu und Stroh sind von der Wehrmacht beschlagnahmt,
Die Krippe ist der NSV zur Verfügung gestellt.
Die 3 Weisen au$s dem Morgenland haben keine
Einreiseerlaubni$s und im Stall hat sich
Die Flak einquartiert-
Die himmlischen Heerscharen haben Redeverbot (keine Welle frei)
Und der Stern darf wegen Verdunkelung nicht leuchten,
und wegen dem alten Esel lohnt e$s sich nun wirklich nicht.

 

Jetzt zu Ostern scheint e$s so, al$s ob der Winter überwunden wäre, e$s ist nicht mehr so kalt, aber Schnee liegt überall noch und da$s Auge wird geblendet durch da$s grelle Weiß in der Sonne. Ich war gestern mit einem schönen Wagen (etwa$s ganz seltene$s) in der Sondermi$ssion in der Stadt, ausnahm$sweise schien ab und zu die Sonne, e$s war ein frühling$shafter Tag. Mittag$s aß ich feierlich mit dem General und allen Offizieren al$s einziger Mariner - e$s gab übrigen$s Schneehuhn - anschließend mit dem General, einem prächtigen alten Herrn, in kleinem Krei$s eine Ta$sse Kaffee. Dann fuhr ich mit Frl. F. mit der Straßenbahn (Da$s Auto darf für Privatfahrten nicht benutzt werden) zu einem bekannten Skiabsprung die Berge hinauf, eine wunderhübsche Fahrt, alle$s überfüllt, sehr viel deutsche Wehrmacht. Oben ein mäßiger Skibetrieb. Frl. F. hatte gottlob noch eine Sonnenbrille mitgebracht, sonst wäre e$s unerträglich gewesen. Wir sind dann ein Stück abwärt$s gelaufen (ein Hauptmann hatte mir seine Gummischuhe geliehen) und schließlich mit der Straßenbahn zurück. Schließlich richtete ich bei dem kranken Frl. L. im Krankenhau$s noch meine guten Wünsche au$s und gab ein Osterpaket vom Kommandanten ab und fuhr schließlich befriedigt mit meinem sympathischen Fahrer au$s Köln an Bord, wo ich bei Dunkelwerden anlangte, um gleich zum Bericht beim Kommandanten befohlen zu werden.

Ich hatte Glück, e$s war ein frühling$shafter Tag mit 10 Grad Wärme und Sonne, die man hier ganz besonder$s lieben lernt. Ich bin die Berge hinaufgezogen, nur daß man buchstäblich durch strömende Bäche watete, denn da$s Wa$sser schoß förmlich von den Bergen au$s der Schneeschmelze. Oben war eine herrliche Luft, da$s Städtchen lag weit unten im Sonnenlicht, die Förde erstreckte sich weit zu den schneebedeckten Bergen in seltener Klarheit. Ich war hinterher schön müde körperlich. Wurde e$s aber später noch mehr, denn der Dampfer konnte un$s nicht finden und langte erst gegen 3 Uhr an, be$sser noch al$s da$s stumpfsinnige Anbordbleiben, bei dem doch nur nachher der Becher geschwungen wird. Ich halte mich allerding$s sehr zurück.

Sonntag kamen 3 Herren vom höheren Kommando um 10 Uhr. Nach gründlichen Besichtigungen, die meine jüngeren Herren durchführten (ich war derweilen zum Vortrag beim Kommandanten und Befehl$shaber) aßen wir gemeinsam Mittag, dann wurde weiter besichtigt, Kaffee getrunken und dann waren sie natürlich nicht von Bord zu kriegen. Um 10 Uhr winkten wir ihnen glücklich von der Schanz Lebewohl - 3 Freunde mehr gewonnen und viele$s Intere$ssante erfahren. Jedenfall$s ständen sie alle lieber im Osten al$s hier. E$s geht ihnen also ähnlich wie un$s. Heute war alle Mann achterau$s, Rede de$s Kommandanten und nachher ein Gla$s Sekt in der Me$sse auf da$s Wohl de$s Führer$s. (20. April) Die letzten Fähnriche sind nun Leutnant$s. Ich habe einen ganzen Wald von VO’$s um mich herum. Ich habe viel Arbeit und muß viel kämpfen, werde aber hier bei den maßgebenden Stellen anerkannt und gelobt. Im Verband habe ich mich jedenfall$s durchgesetzt, wenngleich einige ältere VO’$s dabei sind.

Heute früh nach dem E$ssen hämmerte einer immer zu in der Nähe, da habe ich meinen Zweiten genommen und bin mit ihm auf den Felsen hinauf. Bi$s 50 m haben die Männer schon Steige gemacht au$s gefällten Baumstämmen und Felsbrocken, die sie au$s dem ziemlich weichen Schiefer brachen, so wie die Steige in der Sächsischen Schweiz, manche mit Geländer. Viele Divisionen bauen sich Blockhütten. Dann gingen wir mehrere 50 m über Moo$s, Geröll und Gestrüpp und da lag auf der anderen Seite in einer Mulde ein Gehöft. Von dem ging ein romantischer Weg zu einer anderen Mulde mit einem Gehöft, da$s Milch abgeben sollte. Auf der kargen Weide vor dem Hau$s sprangen zwei kleine muntere Knäblein mit einem hübschen Hühnerhund umher. Mit einem spielten wir zu seiner großen Freude Fußball. Dann gingen wir in da$s ärmliche Wohnhau$s (der Stall mit der Scheune steht immer gesondert und ist rot angestrichen) und baten um etwa$s Milch. Eine freundliche Frau machte in der aufgeräumten Wohnstube gerade Reinschiff, hörte aber sofort auf, schleifte zwei Stühle herbei. Dann kam ein freundliche$s junge$s Mädchen von etwa 16 Jahren, sehr dünne Beine, brachte einen kleinen Tisch mit einer Decke und setzte darauf einen großen Krug mit Milch und zwei Gläser auf einem Tablett. Alle$s sehr einfach, einfache gestrichene Möbel, karg wie da$s Land. Die Menschen aber freundlich. Ich wollte nicht lange von Bord sein, darum brach ich bald auf, aber die Vollmilch schmeckte herrlich. Etwa$s tiefer in der Bucht wird durch Gemeinschaft$sarbeit aller Besatzung$sangehörigen ein Sportplatz aufgeschüttet, mit Fel$sbrocken und Schotter darüber. Da$s gibt Abwech$slung, da die Männer ja doch nur alle 14 Tage mal in$s Städtchen kommen.

Gestern bin ich mit dem Kommandanten und einer Kommi$ssion zu einer schönen hügeligen Insel gefahren, um sie nach Möglichkeiten für ein Au$sspannen eine$s Teil$s der Besatzung zu überprüfen. Da war ein Bauernhof, z.T. verla$ssen, mit ganz schönen Räumen und vor allem einem herrlichen Au$sblick. Im Stall standen noch ein junger, ziemlich wilder Bulle und eine Kuh. Alle$s andere hatte man schon fortgebracht. Dort werden wir nun versuchen, einen kleinen Au$sspann einzurichten. Heute mittag war ich beim Kommandanten mit dem Nav. Offz. eingeladen, e$s gab gekochte Lach$sforelle mit sehr festem rötlichen Fleisch.

Die Sonne ringt sich ab und zu durch, aber der Wind ist noch kühl, e$s war wieder ein Kälteeinbruch. Ich bin mit meinem Zweiten nach dem E$ssen auf den Berg geklettert, um nach unserem Bauernhof zu sehen, oh weh, sie waren alle fort, mit Hühn und Perdühn und Soldaten bevölkerten die einst so friedliche Stätte. Au$s war e$s mit der schönen Milch und ein Traum von Eiern verweht. Aber die Birken stecken schon kleine grüne Spitzen herau$s und Leberblümchen und Anemonen sind da. Auch in meiner Kammer sind die letzteren, sie erinnern mich an die schönen Wälder um Swinemünde und an den Glück$sburger Wald mit seinen vielen glücklichen Erinnerungen. Aber e$s tut nicht gut, sich oft zu erinnern, man muß die Zähne zusammenbeißen. Nur gut, daß ich mit Arbeit und Besuch bi$s über beide Ohren eingedeckt bin, dann kommt man nicht so zum Nachdenken.

Ich war gestern mittag im Dom, der innen prächtig ist, man konnte aber nicht überall hin, denn e$s war in einem Teil Konfirmation, die man von Ferne beobachten konnte. Der leierige Tonfall de$s Prie$ster$s in dem herrlichen Hau$s fiel besonder$s auf. Nachmittag$s war natürlich keine Sonne, aber Frl. Franke ist tapfer mit mir 2 Stunden im Regen herumgehinkt, nachdem wir mit der Straßenbahn ein Stück hinau$sgefahren sind. E$s war trotzdem schön, weil e$s nicht mehr so kalt war und die ersten Knospen zu sehen waren, besonder$s die Lärchen sahen reizend au$s. Und dann konnte man weit über die seenartige Förde sehen, in der Ferne Berge mit Schnee im Sonnenglanz, denn da$s Städtchen liegt zwischen Bergen meist im Dunst und Wolken. Ich war sehr erfrischt hinterher, e$s ist so selten, daß man sich da$s leisten kann. Die Heimfahrt an Bord erfolgte im Hellen, da man bi$s 10 Uhr noch gut Zeitung draußen lesen kann.

Wir haben zur Abwechslung seit heute morgen blauen Himmel mit kräftigem Ostwind, der zwar kühl ist, aber der Sonne zum Durchbruch verholfen hat. (Du gehst durch all meine Träume, singt eine warme Altstimme im Radio.) Heute vormittag war ich mit dem Rollenoffizier auf unserer Insel, (Anm. JV genannt Tipitö) um mich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. Die Aufräumung$sarbeiten waren schon so ziemlich beendet, einige Räume ließen die künftige Wohnlichkeit ahnen - man kann nur hoffen, daß da$s Idyll nicht gestört wird bzw. nachher genutzt werden kann. Wenn ich bedenke, daß ich in der Führervorlage al$s künftiger Amt$schef stehe; wenn man dann fälschlich annimmt, daß da$s mit meinem Einverständni$s geschehen ist, wird man mich für größenwahnsinnig halten. Na, wie dem auch sei, wir werden ja sehen wa$s darau$s herau$s brütet, hoffentlich zum Guten der Marine. Übrigen$s traf ich in einem der Räume auf der Insel, in dem die Malerleute eifrig pinselten, einen schönen großen langhaarigen, braunen Hund mit ziemlich dünnem Kopf, der aber liebreizende Augen hatte. Er war bei der Bahnstation in unserer Nähe au$s dem Zug gesprungen und von der Flak mitgenommen worden, die un$s hier betreut, von da zu unseren Leuten gewandert, die ja auch meist tierlieb sind. Ich habe in meiner großen Vase immer Zweige mit ganz jungen Blättern, die ich neu vom Felsen pflücke, wenn die alten welk sind. Jetzt kann ich sie schon mit halbgeschlo$ssenen Knospen pflücken, die in der Wärme der Kammer bald aufgehen und dann einen künstlichen Frühling vortäuschen. Dazu prangen in einer kleineren Vase Anemonen und Leberblümchen, die e$s weiter oben auf dem Berg reichlich gibt. Wa$s man so alle$s macht. Manchmal bin ich auch stinkewütend, ich könnte mir dann die Pest an den Hal$s ärgern - aber da$s liegt dann wohl daran, daß ich nicht weit genug über den Dingen stehe. Etwa$s hilft e$s immer schon, wenn ich dann den Berg hinauflaufe und zwischen Tannen und Birken, Anemonen, Leberblümchen und wilden winzigen Primeln herumklettere.

In meiner jetzt sehr hellen Kammer, obgleich ich nicht Sonnenseite habe, ist wieder frische$s Grün, hauptsächlich Birke, mit schon recht stattlichen Blättchen. Die habe ich mir gestern abend allein geholt, von der anderen Seite unserer Förde, wo mich für eine Stunde ein Boot absetzte. Ich folgte der Straße, die neben einem brausenden Gebirg$sbach in ein schöne$s Tal führt, da$s von hohen steilen, baumbewachsenen Bergen eingeengt wurde. Die abendliche Sonne lag auf den Bergspitzen, eine silberne Mondsichel schwebte zart im blaßblauen Himmel. Al$s ich mit meinem Maibusch zur Anlegestelle kam, innerlich gehoben von dem kurzen aber eindruck$svollen Spaziergang, wurde mir gemeldet, daß jetzt eine Offz.-Sitzung begänne. E$s wurde ½ 12, da war ich zu müde zum Schreiben. Heute nachmittag fahre ich mit dem Kommandanten zu seiner Insel, um die Vorbereitungen zu prüfen, die er für morgen befohlen hat, wo er in seinem Blockhau$s Kaffeegäste bewirten will. In da$s wieder instandgesetzte Bauerngehöft soll auch allerhand Vieh, die Futterfrage ist aber da$s Schwierigste, da e$s an Kraftfutter fehlt. Schweine könnte man mit unseren oft reichlichen Abfällen wohl mästen, aber e$s müßten mindesten$s 4 sein, daß e$s einmal für$s ganze Schiff langte. E$s tauchen immer wieder neue Probleme auf.

Heute bin ich viel mit dem 1. Offizier zusammen gewesen, über Mittag sind wir mit dem Autobu$s zu einem großen Wa$sserfall mit einem Kraftwerk gefahren - landschaftlich schön. Aber e$s gab nicht die erwarteten herrlichen Forellen, sondern mit Not und Mühe ein Wurstbrot. Um ½ 4 sind wir reumütig zurückgefahren, e$s lag aber daran, daß der Ma$ssenbesuch zu Pfingsten alle$s kahlgefre$ssen hatte. Unsere Urlaub$stage liegen ja leider wegen der Urlauberdampfergestellung nicht gleichmäßig mit dem Kalenderwochenende. Wenn e$s warm ist, ist Sonntag$s alle$s überfüllt, ½ davon Soldaten aller Waffengattungen. Gestern abend waren wir im Häuschen eingeladen, Frl. F. war die erste Zeit auch dabei. Frl. L. tritt nach ihrer Entla$ssung eine längere Kur an und bleibt dann in der Heimat, da kranke Mädchen hier in dem rauen Klima nicht gebraucht werden können. Mir tut e$s leid für sie, war ein netter Kerl. Die drei vom höheren Kommando haben überhaupt ein unbegrenzte$s Zutrauen zu mir, manchmal etwa$s peinlich, man gleitet al$s angehender älterer Herr doch langsam in$s Väterlich-Onkelhafte hinein.

 

3. Juni 1942

Es wird wärmer, die Gegend, die sich begrünt, immer reizvoller. Die Birken tragen wehende zartgrüne Schleier, die Tannen haben kleine rote Zäpfchen aufgesetzt und alle Anemonen blühen nach wie vor mit weit aufgeri$ssenen Blumenaugen. Morgen mit dem frühesten muß ich in die Stadt, tausend Besorgungen machen, nachmittag$s wieder fort, im Wagen mit Gästen de$s Kommandanten, die er auf der Insel eingeladen hat, dort teilnehmen, dann wieder an Bord. Eben hat mich der Kommandant rufen la$ssen und mir einige Bilder vom letzten Aufenthalt auf der Insel geschenkt.

Gestern (3. Juni 42) war die offizielle Einweihung$sfeier der Insel. Die geladenen Gäste vom Flakregiment und dem Reich$skommi$ssar sahen, wa$s au$s den verwahrlosten Gebäuden geworden ist. E$s gab einen kleinen Imbiß, al$s Attraktion bekam jeder 2 Möweneier, die hartgekocht und halbiert waren. Da$s Gelbe war herau$sgenommen, würzig zurechtgemacht und dann wieder hineingetan worden. Dann gab e$s Würstchen und Kartoffelsalat, dazu Bier. Heute bekommen wir hohen Besuch au$s Berlin au$s dem Hau$s, wo ich so oft au$s und einging. E$s ist an Deck großer Zauber in Vorbereitung, ich bin schnell entwichen, um 10 Uhr ist Bierabend in der Me$sse, bin mal neugierig, wer heute alle$s befördert ist, die Nachricht durch Befehl kommt ja immer erst später, wenn man’$s selber ist. Ein 28er ist K.K. geworden, also wird dieser Jahrgang schon angeri$ssen.
Ich mußte mit dem frühesten in die Stadt, da$s entschied sich erst gestern abend beim Kommandanten. Ich schreibe jetzt im Lesezimmer de$s Deutschen Hause$s, dem pompösen Gebäude der ehemaligen Freimaurerloge, da$s jetzt Wehrmacht$szwecken dient: Konzertsaal, Kino, Speiseräume. Da bei dem Lesezimmer eine Bücherei ist, wo auch deutsche Bücher verkauft werden, wollte ich zu dienstlichen Geschenkzwecken Bücher kaufen. Eine sichtlich kranke Schwester versprach mir mit matter Stimme, etwa$s zusammen zu stellen, für da$s nächste Mal. Ich erblicke durch da$s Fenster die Bäume im jungen ersten Grün, ein langersehnter Anblick.

Ich hatte mich auf einen ruhigen Abend gefreut mit einem Kinostück. Nun bin ich aber kurzfristig zu dem Admiral$se$ssen auf unserer Insel befohlen worden: auch die Möweneier und Kartoffelsalat mit Würstchen können mich nicht locken. Aber Dienst ist Dienst, der Kommandant hat mich bei solchen Spitzene$ssen immer gern dabei. Er hat mir nach einer schmeichelhaften Ansprache gestern eine große Fotografie seine$s Ölbilde$s, da$s Dr. Steen von ihm gemalt hat, überreicht, auf dem steht Meinem tüchtigen S.V.O und treuen Kameraden, Korv. Kpt. (V) Voigt in freundschaftlicher Gesinnung, Kapt. z. See und K.T. Ich glaube allerding$s auch, mir die größte Mühe gegeben zu haben. Diese Anerkennung hilft in schweren Zeiten und gibt wieder Mut.

Ich hatte mir streng alle$s verbeten. Mein Zweiter bat mich, eine schon lange vorbereitete Sache starten zu dürfen: Um 10.0 Uhr kamen meine drei VO’$s und die drei Oberfeldwebel al$s Abordnung und brachten mir eine wundervolle Gabe: Der Zweite redete eine lange Rede …. Al$s Sie, Herr Kapitän, vor nunmehr 25 Jahren ….. und überreichte mir zum Schluß in einer herrlichen Ka$ssette au$s poliertem Nußbaum mit eingelegtem Tirpitzwappen, innen mit Samt und im Deckel mit elfenbeingefaßtem Spiegel au$sgelegt einen Ehrendolch, der in der Scheide auf der einen Seite die Gravur trägt: Zur Erinnerung an die 25jährige Dienstzeit am 21. Juni 1942, Die Verwaltung de$s Schlachtschiffe$s Tirpitz, auf der anderen Seite da$s Schlachtschiff selbst. Ein wirklich kostbare$s Stück. Dazu eine Urkunde mit 70 Unterschriften von allen Untergebenen, eine ganz fabelhafte Sache, um derentwillen ich dem Zweiten nicht böse sein kann. Mancher gute Kamerad kam still und leise, weil ich e$s laut nicht wollte, mir die Hand zu drücken. Und der Kommandant hatte mich heute abend mit dem I.O. auf der Insel und prie$s mich in seiner Rede al$s seinen Freund. Na, da$s langt ja, nun warte ich auf die Auswirkungen.

Auf der Hinfahrt mit dem Dampfer war e$s noch kühl, die Sonne konnte auch nicht so, wie sie wollte, jetzt ist aber heiß, es hängt ganz von den schnell wechselnden Winden ab. Ich blieb eine Nacht in der Stadt, weil meine Geschäfte an einem Nachmittag nicht zu erledigen waren und übernachtete in einem guten Hotelzimmer mit Brausebad, in da$s ich von der Stadtkommandantur immer eingewiesen werde. Man ist ja so langsam bekannt hier. Mein Zimmer lag ganz oben im 6. Stock, ich hatte einen herrlichen Rundblick über den Hafen, e$s war auch entsprechend ruhig, und so konnte ich mal au$sschlafen. Mittag$s habe ich gebratene$s Walfleisch gege$ssen, vorzüglich, schmeckte so ähnlich wie Kalbfleisch, nicht nach Fisch. Jetzt gibt’$s schon eine Kartoffel pro Kopf. Meine Kartoffeln an Bord sind ziemlich schlecht, unsere Schweine auf der Insel freuen sich über den reichlichen Abfall. Es weiß bloß kein Mensch, ob wir sie fett kriegen oder vorzeitig schlachten mü$ssen. Übrigen$s Insel: Der Kommandant hatte letzten Sonntag die Damen de$s höheren Kommando$s mit einigen Offizieren eingeladen, der I.O. und ich waren auch dabei. Ich kann nun heute zwei wohlgelungene Aufnahmen schicken, die unsere Umgebung anschaulich zeigen. Dann habe ich in einer Frontzeitung für N. den anliegenden Brief einer Soldatenfrau gefunden, bei dem mir besonder$s die letzte Strophe gefällt: Die guten Sterne sind mit un$s vereint ….

Soeben trieb mich ein Fernanruf vom Sofa, wo ich bekümmert einen Mittag$sschlaf halten wollte, da der Kommandant mir vorhin gesagt hatte, er habe immer noch keine Nachricht über meine Beförderung. Da war Köhler vom Flottenkommando am Apparat, der mir freudestrahlend die Nachricht durchgab, daß ich mit dem 1.7. Fregattenkapitän würde. Er selber sei auch mit dem 1.7. zum Kapitänleutnant befördert. Na ja, man muß nur 25 Jahre dienen, schon wird man wa$s. Heute abend werde ich also al$s letzte dienstliche Tat im K.K.Rang meinen Vortrag halten. Ich schicke heute ein wunderschöne$s Album mit norwegischen Aquarellen. Hier gießt e$s immerzu, e$s ist scheußlich kalt geworden.

 

E$s ist wieder einmal so weit, unser stolze$s Schiff braust durch Peer Gynt’$s Heimat, vorbei an schroffen, wolkenverhangenen Felsen und flachen, begrünten Schären im Regen und ewiger Helligkeit nach Norden. E$s ist sehr plötzlich gekommen, wie immer, denn Überraschungen allein sichern den Erfolg. Nach dem langen Warten geht e$s wie ein Aufatmen durch die Tausende, alle$s ist froh und gespannt. Augenblicklich hat mich der Schiff$spfarrer beim Krieg$stagebuchführen abgelöst.
Ich lese gerade in der heutigen Funkpre$sse, daß Flen$sburg einen Tage$sangriff von 5 Bombern hatte, von denen 2 abgescho$ssen wurden. Ich bin sehr beunruhigt, daß e$s Verletzte gegeben hat, aber hierher werde ich kaum Nachricht bekommen, e$s ist schon ein Nervenkrieg. Abend$s: Die warme Abendsonne scheint wieder in die geöffneten Seitenfenster, die von den Panzerblenden befreit sind, wir liegen mit der ganzen Mahalla friedlich und abwartend in einem sehr nördlichen Fjord. Die meisten sind sehr traurig darüber. Heute abend gibt’$s den Film Fasching in der Me$sse, der mich ablenken wird. In der Nähe liegt übrigen$s auch Teichmann, gegenseitiger Besuch ist aber nicht. Ich war eben, um au$szulüften, noch mal auf der Brücke und besah mir durch die guten Gläser die seltsame Gegend. Schnee liegt hier oben auf den höheren Bergen immer noch. Unser gute$s Trondheim ist die reinste Riviera dagegen. In der Sonne ist e$s aber schön warm.
Eben komme ich von meiner Wache, der Pfarrer hat mich abgelöst. An der Kimm sind schon wieder die Berge zu erkennen, darunter da$s Nordkap, wo ich vor 17 glücklichen Jahren die Heirat$serlaubni$s bekam. Welch ein Wiedersehen! Ansonsten läßt alle$s den Kopf hängen, wir hatten un$s da$s ander$s gedacht, aber da sind höhere Überlegungen, die den Au$sschlag geben. Wir haben wegen Nebel in einer ganz unwahrscheinlichen Gegend geankert, in großer Nähe ragen steile Berge, die$smal noch ein gutes Stück nach oben begrünt mit Wiesen und Buschwerk, in den klaren Himmel, der nie dunkel wird. Am schmalen Uferrand einige rote bescheidene Häuschen, wenig Menschen, soweit man’$s durch$s Gla$s sehen kann. Den Geleitzug hat ja nun leider die Luftwaffe schon kurz und klein geschlagen. Wir gehen noch nicht nach T. zurück, werden zunächst ein andere$s Quartier wählen.

Mal endlose Weite, mal riesenhohe Berge ring$sumher, letztere meist in Wolkenschleiern und Nebel, dann wird e$s kalt. Der Lotse sagte heute, oberhalb Tromsö sollte niemand mehr wohnen, da$s müßte verboten werden. Und der muß e$s ja wi$ssen. Leben kann hier nur der, der hier geboren ist. Eben hat der Domprobst mich abgelöst am Krieg$stagebuch, ich gehe in die Koje. Wir hoffen ja, nach dieser leider ergebni$slosen Unternehmung von hier wieder nach T. verlegt zu werden, denn hier ist e$s trostlo$s, e$s sind immer noch 2 Stunden bi$s Narvik

Heute bin ich mit dem Schiff$sarzt, dem Chirurgen und meinem Zweiten in Narvik gewesen, 1 ½ Stunden mit dem Schlepper. Eine feuchte, nicht sehr warme Temperatur, die Wolken tief in die Berge hinunter hängend, alle$s wie auf einer Bühne mit 2/3 herabgela$ssenem Vorhang. Unterweg$s stieß der L.I. eine$s unserer Nachbarn zu un$s, mit einem Vollbart behaftet, unangenehm geschwätzig, anscheinend animiert vom letzten Abend. In der Nähe von Narvik noch Anzeichen der historischen Geschehni$sse, auf den Strand gelaufene Dampfer, immer noch Mastspitzen au$s dem Wa$sser ragend, im Hafen zerstörte Landung$sbrücken und Teile von gesprengten Krieg$sschiffen - sonst leidlich in Ordnung. An Stelle vieler zerstörter Häuser, die jetzt ru$ssische Krieg$sgefangene einebneten, Baracken. E$s hatte viel geregnet, die Straßen, die leider kein Pflaster haben, ein einziger Schlamm, wir sahen schön au$s unten herum. Ich fand mich bald zurecht, ließ meinen Ka$ssenleiter Geld holen und traf einen älteren Ostmärker, ziemlich energisch für seine Land$smannschaft, der ist nun schon 1 1/2 Jahr hier! Er kann während de$s Kriege$s nicht an Ablösung denken. Alle$s will wieder nach T. in den Süden, wie bescheiden man doch wird.

Anscheinend bleiben wir doch noch einige Zeit hier, der Kommandant will nun sehen, alle$s, wa$s sich in Tromsö angesammelt hat, mit einem Flugzeug hierher zu bekommen. Und da$s wird nicht wenig sein. Die Männer vermi$ssen natürlich viel, ihre mit viel Mühe angelegten Thingplätze, die Gärten und Blockhäuser auf dem Berge, die schöne Insel Tipitö, die jetzt wohl im warmen Sonnenglanze liegt, während hier die Felsen halb in den Wolken stecken und die Sonne mit aller Gewalt nicht durchkommt, um die kühle Erde zu wärmen. Aber da$s hilft ja alle$s nicht$s, man muß sich bescheiden. Ich begrüße e$s sogar, den in der Nähe gelegenen, durch die kriegerischen Ereigni$sse berühmt gewordenen Ort mal mit eigenen Augen gesehen zu haben. So bald wird man dann wohl nicht wieder hierher kommen.

Gestern mußte ich mit dem Stab der Befehl$shaber und dem Kommandanten nach einer kleinen Stadt in der Umgebung, da$s erste Mal mit einem Schnellboot, da$s die Strecke in 1/3 der Zeit, nämlich 2 Stunden machte. Aber e$s war kein Genuß, die Motoren dröhnten, daß man sich nicht unterhalten konnte und ein eisiger Fahrtwind in dem sonnenlosen Wetter ließ einen bi$s auf die Knochen frieren. Viele Tage lang haben wir nun schon kein Stückchen blauen Himmel gesehen, geschweige denn die Sonne. Ich versuchte meine Aufträge in 2 Stunden in der schmutzigen kleinen Hafenstadt zu erledigen, die hohen Herrschaften hatten inzwischen besichtigt und Kaffee getrunken. Dann ging’$s im Heidi wieder 2 Stunden zurück. Ich war ziemlich kaputt und entschuldigte mich um 11 Uhr bei einer Einladung, die der I.O. an den Kommandanten, Reinicke vom Nachbarschiff und mich hatte ergehen la$ssen. Und jetzt muß ich gleich wieder die neue Reise inszenieren. Aber viel Arbeit lenkt ab, und diese Ablenkung brauche ich doch jetzt sehr. Heute kam im Radio wieder die Nachricht durch, daß auf Flen$sburg Störangriffe erfolgt seien. Wa$s soll man darunter verstehen? Hoffentlich, daß sie keine Bomben geworfen haben. In Danzig haben sie ja wieder schrecklich gewütet.

Ich fahre heute mit einem kleinen Krieg$sschiff dorthin, um mit 25 Soldaten aller Kategorien unsere Geschäfte abzuwickeln und den gesamten Nachschub zu holen. Wir werden etwa 30 Stunden fahren, da da$s Wetter aber endlich be$sser geworden ist und auch die Sonne sich
sehen läßt, kann e$s intere$ssant werden. Ich hoffe, in 3 Tagen wieder zurück zu sein. De$s Nachdenken$s und aber auch de$s Briefeschreiben$s hat mich eben der I.O. enthoben, der über eine Stunde hier war. Na ja, wie gesagt, man muß nur die Nerven behalten.

Ich schreibe an Bord de$s braven Minensuchboote$s, da$s mich mit meinem Abwicklung$skommando viele Meilen südlich nach Tromsö trägt. Die Schrift ist etwa$s zittrig, weil da$s ganze Schiff schüttelt, viel mehr natürlich al$s unser dicker Kasten. Gestern mittag fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein ab, durch phantastisch geformte riesige Felsenbrocken, in 1500 m Höhe große Schneefelder, im Schein der hier nicht untergehenden Mitternacht$ssonne, die rötlich verschleiert über dem Horizont stand. In halber Höhe einzelne Fel$sma$ssen, Wolkenbänder, darüber ragt wieder der Gipfel in die blaßblaue Luft. Um ½ 12 ging ich schlafen, nach einer kleinen Weile schlief ich wohl al$s Au$swirkung der vielen frischen Luft schnell ein und wachte gegen Morgen mehrmal$s auf, um immer wieder einzuschlafen. Um ½ 9 stand ich dann auf, gab meinen Männern um 10 Uhr in einer Sitzung einige Richtlinien für die Arbeit in T. und aß dann um 12 Uhr Mittag mit den Offizieren de$s Schiffe$s, die natürlich nur abwechselnd kommen konnten. Ein Oberleutnant al$s Kommandant, 2 Wachoffiziere, ehemalige Handel$sschiff$soffiziere, sehr freundlich. E$s ist doch ein eigener Reiz, mit einem kleinen Schiff zu fahren, man kann die Vorliebe der jungen Soldaten dafür wohl verstehen.
Ich höre grade, daß wir in spätesten$s einer halben Stunde da sind. O wie lieblich ist diese Gegend hier schon im Gegensatz zum hohen Norden. Ich sitze in Strümpfen, denn ein treuer Matrose putzt mir gerade die Schuhe, die Sonne ist wieder da und e$s wird schön warm. Zuerst werde ich ersuchen, meine Männer ordentlich unterzubringen, denn an Bord können sie nicht schlafen.

Nun bin ich schon wieder auf der Rückfahrt, unermüdlich stampfen die Maschinen de$s kleinen Krieg$sschiffe$s dem großen Bruder zu, ein weitere$s keucht hinterdrein. Ich habe meinen Auftrag erfüllt, wenn e$s auch manchmal etwa$s abenteuerlich zuging, um in der kurzen Zeit fertig zu werden.

Heute vormittag war schönste$s Wetter, man sah die Leutchen auf dem kärglichen Land spazieren gehen oder zur Kirche gehen. Ein kleine$s Schiff hat auch seine Vorzüge, ich habe mich schnell eingelebt auf Grund meiner Zieten Erinnerungen, bin natürlich auch prompt wieder in eine offene Last vor der Me$sse gefallen, aber kein Bluterguß wie damal$s, nur belanglose Abschürfungen am Schienbein. Wir haben noch eine kleine Verspätung gehabt, jetzt laufen wir gerade in unsere Bucht ein, unser stolze$s Schiff ist schon zu sehen.

Hier wechselt da$s Wetter sehr, gestern schrieb ich von Tropenhitze, heute ist e$s kühl. Ich habe mit dem L.I. einen 3 ½ stündigen Gang nach einem kleinen Nest am Wa$sser gemacht, ganz intere$ssant, zuletzt liefen wir immer im Regen.

Meiner Mahnung, nicht$s zu glauben al$s die amtlichen Berichte, sei ja immer eingedenk. Der Feind weiß, wie leicht der Deutsche auf Greuelmärchen hereinfällt und versucht e$s immer wieder, oftmal$s mit Erfolg. Übrigen$s kann ein U-Boot unser Schiff nicht versenken, höchsten$s beschädigen, aber auch da$s ist nicht so einfach.

Heute am Sonntag war ich von 10 - 12 mit dem Kommandanten und I.O. nach einer Richtung der Bucht, von 16 - 19 Uhr mit dem L.I. nach dem anderen Ende, da$s zu einem Bergma$ssiv führt, auf dem noch Schneefelder liegen. Leider fing e$s mächtig an zu gießen, schließlich stellten wir un$s in den Hau$seingang eine$s kleinen Bauernhofe$s. Eine junge Frau kam nach einer Weile neugierig herau$s und gab un$s dann frische Ziegenmilch, die wir gut bezahlten. Die Verständigung war etwa$s schwierig, aber die Zurückhaltung legte sich, wir wurden sogar in die Küche geführt. Unter dem Einfluß der englischen Hetze sind die deutschen Offiziere die Krieg$streiber, die armen Soldaten die Verführten, daher bekommen letztere auch schon mal Eier usw. gegen Zigaretten.
Ich bin heute nachmittag allein an Land gefahren, ein Stück durch die Felder und Wiesen an den Berghängen gelaufen, und wenn ich ein kleine$s Kind sah, so arm ist man manchmal in der Fremde, warb ich um ein kleine$s Lächeln durch ein Bonbon. Au$s einem Hau$s scholl am Wegrand Gesang und Spiel, selten hier oben. Ich setzte mich auf einen großen Stein in der Nähe und hörte zu. Da fand mich der Kommandant, der von einem längeren Spaziergang kam und nahm mich mit. Ich pflückte ein paar seltene Gräser und fuhr mit ihm in seinem K.-Boot noch ein Stück spazieren und dann an Bord.

Ich war mit einem Kameraden von 5-7 nachmittag in den Bergen, trotz fortwährendem Regen, aber e$s war schön, sich au$szulaufen. E$s ging auf teilweise sehr na$ssen und glitschigen Wegen zu einem kleinen Bergsee, der ring$s von starren Wänden eingeschlo$ssen war, von denen unzählige Wa$sserströme und Fälle rannen. Unter den kleinen Birken und Erlen waren lauter Heidelbeerpflanzen, wir fanden aber keine reifen Beeren. Menschen waren nicht da, ab und zu bimmelte eine kletternde Kuh. Heute regnet e$s wieder, e$s ist herrlich hier!...

Seit gestern ist Sommerwetter, mit einem Schlage ist alle$s wie verzaubert, die mürrische, triefende Bucht mit den kalten grauen Bergen hat sich in eine heitere bunte Landschaft verwandelt, die in seltsamem Kontrast steht zu den fernen, hohen schon wieder mit Neuschnee bedeckten Gipfeln, die früher immer in dichten Wolkendecken steckten. Gestern bin ich mit einem Teil der Besatzung zu den Unterkünften einer Flakbatterie gefahren, wo eine K.D.F-Gruppe Vorführungen geben sollte. Vorher hatte ich alle Hände voll zu tun mit der Organisation einer kleinen Expedition nach T., um unsere letzten Reste abzuholen, u.a. auch die Schweinchen, die jetzt völlig verwaist waren. Da wir hier an Land kein neue$s Idyll gründen können, wollen wir sie schlachten und aufe$ssen. Eine$s war leider schon gestorben, wahrscheinlich vor Trennung$sschmerzen. Nachdem also die Expedition zusammengestellt war, fuhr ich bei herrlichem Wetter hinüber. In einer geräumigen Baracke war ein ziemlich großer Festraum eingerichtet worden mit einer kleinen Bühne, auf der sogar ein gichtbrüchige$s Klavier stand. Ein im Weltkrieg 12 mal verwundeter Kammersänger au$s Stuttgart machte die sympathische Ansage, sang auch schöne Sachen, begleitet von einer durch ihr Kleid leider etwa$s lächerlich wirkenden ältlichen Dame, die sich aber al$s Meisterin auf dem Klavier entpuppte, Sachen von Grieg usw. spielte. Sie war sehr dick und hatte sich über ihre enormen, etwa$s formlosen Formen ein duftiges weiße$s Kleid gestülpt, da$s hinten reichlich au$sgeschnitten war. Aber ihr Spiel und ihre gewinnende Art zu lächeln machte alle$s wieder gut. Drei weitere junge Damen tanzten und sangen, u.a, auch Rezitationen von Eugen Roth Ein Mensch. Die Tänzerin war leider spindeldürr, sonst hätte man ihr Gewand, da$s mit ihren Reizen nicht geizte, mehr begrüßen können. Alle gaben sich erdenklichste Mühe und wurden mit donnerndem Beifall belohnt.

Am nächsten Tag war unser Au$sflug, wir zogen mit vier Mann lo$s, jeder hatte einen handfesten Birkenstock, selbstgeschnitzt versteht sich, der sich später al$s sehr notwendig erwie$s. Wir liefen auf da$s Bergma$ssiv im Inneren der Bucht zu, von der ich dir schon erzählte. Wir liefen nun an dem großen See entlang und wollten zu dem Wa$sserfall. E$s war in dem moorigen Boden ein beschwerliche$s Gehen, mehr ein Springen und Hüpfen, ab und zu durch wilden Birken- und Erlenwuch$s, niedrig zwar, aber urwaldmäßig. Dann kam der Gebirg$sbach angebraust von dem großen Wa$sserfall. Durch enge Felsenschluchten hatte er sich gefressen und zwei konnten e$s nicht la$ssen, zogen sich nackedei au$s und hüpften in da$s Gebrause. E$s war aber sehr kalt, und ich tat e$s nicht, weil ich zu erhitzt war. Wir sind bi$s auf diesen kleinen Aufenthalt stramm drei Stunden gelaufen, e$s ist mir gut bekommen, ich bin etwa$s eingebrannt…

Jetzt sind wir so akklimatisiert, daß wir un$s an den Zustand jetzt sogar verstärkter Isolierung gewöhnt haben, wa$s man denn so gewöhnen nennt. Man lebt ein Scheinleben, wie hinter einem Vorhang, der eine$s schönen Tage$s zerreißen wird. Der Kommandant hat die allabendlich abschließende Lili Marleen abgelöst und ein von einer herrlichen Altstimme gesungene$s Wiegenlied eingeführt, de$ssen wundersame, herzergreifende Melodie ich leider nicht schildern kann. Ich habe die ersten Worte schnell mitgeschrieben, der Schluß kommt später:

Zur guten Nacht
Klingt für dich diese$s Lied,
möge e$s zart
streicheln dein Gemüt
und fragen
wirst du mir auch treu sein,
für immer auch treu sein,
und immer recht lieb
bi$s morgen früh (hier weiß ich nicht weiter…)

 

Heute bin ich mit meinem Oberproviantmeister und einem kleinen Gefolge durch alle Räume der Verpflegung gekrochen, bi$s zu den tiefsten Tiefen de$s Schiffe$s. Ich habe 28 verschiedene Räume gezählt. Nun kommt noch der Verwalter, die Kantinen, die Schreibstuben. Ein beachtlicher Laden, beruflich war e$s sehr wertvoll, daß ich die Verwaltung eine$s solchen Riesenschiffe$s mal beherrschen lernte. Kummer genug und Arbeit habe ich damit gehabt, da$s hat mich aber auch von meinen trüben Gedanken abgelenkt. Ich sah heute abend einen Film: Gold in New Frisco mit viel Reiterjagd, Knallerei und Rabatz. Er lenkte aber ab. Dazwischen die Sondermeldung, daß der Versuch einer Invasion der Engländer in Frankreich glänzend abgeschlagen worden ist…

Heute erlebte ich etwa$s Sonderbare$s. Wir fuhren mit dem Boot ½ Stunde in die bizarren Berge hinein, zu einem berühmten Fleck: da war e$s der Trollfjord, den ich vor 18 Jahren mit dem Zieten besucht hatte, ganz enge Einfahrt zwischen steilen himmelstürmenden Wänden, dann auslaufend in ein kleines Rund von bewachsenen Bergen, dahinter al$s Kuli$sse gletschertragende Riesen und zwischen beiden, von unten unsichtbar, der Bergsee hoch oben, den damal$s der Profe$ssor und ich suchten und wobei wir un$s beim Rückmarsch noch verliefen und bi$s zur Hüfte durch den Gebirg$sbach mußten. Damal$s war e$s der winzig kleine Zieten, diesmal lag ½ Stunde weit ab da$s größte Schiff seiner Art.

Der Dampfer ist läng$sseit$s gekommen, der unsere Sache in T. und auf der Insel abgewickelt hat. Ein improvisierter Schweinestall barg ein große$s und drei kleine Borstentiere, die vor Kohldampf lauthal$s schrien, so daß man sein eigene$s Wort nicht verstehen konnte. Sie waren auf der langen Reise seekrank geworden und dünn wie Windhunde. Heute abend muß ich mit dem Oberproviantmeister überlegen, ob wir sie gleich schlachten oder irgendwohin an Land tun zum mästen, dann haben wir sie aber nicht, wenn wir plötzlich fortmü$ssen. Sech$s unglückliche Hühner waren auch in einer Kiste, dazu Kaninchen, deren eine$s gestern eine Unzahl Jungen geworfen hat, die so groß und dünn sind wie weiße Mäuse.

Jetzt will ich der Einladung eine$s meiner V.O. folgen, der mich zu eingelegten Heringen und neuen Kartoffeln (an Land besorgt) eingeladen hat. Die Heringe waren in einer Art Sahnesoße eingemacht, dazu neue, in Butter geschwenkte Kartoffeln. Ein Göttermahl. Anschließend haben wir im Marionettentheater de$s Stab$sarzte$s ein reizende$s Han$s-Sach$s-Spiel gesehen. Da$s Theater selbst ist übermann$shoch, die Figuren halbmann$shoch und sehr charakteristisch modelliert: der Bauer, die Bäuerin, der fahrende Schüler, der die dumm-gläubige Bäuerin au$snutzt und betrügt, der Esel al$s Reittier, eine unglaublich gelungene Darstellung, die Lachstürme hervorrief. Beleuchtung$seffekte wie auf einer Opernbühne, Musik von unserer Kapelle eigen$s von dem Musikführer dazu komponiert. E$s wird schon alle$s Mögliche getan. Aber wie weit sind wir doch am Rande de$s eigentlichen heroisch-grausamen Weltgeschehen$s, da$s sich doch nun in der Hauptsache im Osten abspielt. Der Schiff$sarzt zeigte mir heute bei einer Kaffeestunde in seiner Kammer aus seiner Militärarztzeitung Bilder über Augenverletzungen, mein Gott, wie entsetzlich ist da$s, wie sehr leben auch heute noch Menschen an dem tatsächlich vorhandenen Schrecken de$s Kriege$s vorbei, wobei der rasche Heldentod noch Gnade und Befreiung erscheint. Jeder Tag im Osten wird einmal in goldenen Lettern im Buch deutscher Geschichte eingegraben sein, und da$s ist nicht in billiger Begeisterung geschrieben, Opfer - du lieber Gott - auch von un$s au$s gesehen, die wir ein Anrecht zu glauben haben auf Anerkennung - wa$s sind unsere Opfer gegenüber denen, die gebracht werden von diesen Kämpfern, von den Müttern, Frauen und Bräuten der toten und schwerverwundeten Helden. Wir wollen gerecht sein, noch ist e$s un$s sehr gut gegangen, noch können wir jubeln in der Au$ssicht auf baldige$s gesunde$s Wiedersehen. Wie viele können da$s heute nicht mehr. Und sie leben doch tapfer weiter. So wollen wir un$s auch fa$ssen, e$s gibt Schwerere$s, al$s wir durchzumachen haben.

Hier ist e$s schon herbstlich kalt und regnerisch, alle Wa$sserfälle schwellen mächtig an, neue bilden sich überall an den Berghängen. Ich habe schon seit Wochen nur Trockenkartoffeln. Dazu z.B. gestern einen Blumenkohl, diese$s bescheidene Gericht war ein Festmahl. Heute abend bin ich mit Düwel beim Kommandanten. E$s gibt eine Hühnersuppe vom letzten Huhn au$s Tipitö, Ente und Fisch. Zwei große Tran$sportkisten stehen schon bereit, meine angesammelten Habseligkeiten fortzuschaffen. E$s ist ja eine weite Entfernung, wenn ich aber den Schwedenexpre$ss bekomme, geht e$s in drei Tagen. Der Schiff$sarzt fährt etwa zur gleichen Zeit, er wird Chefarzt im Lazarett Preetz. Eben hat mir mein Oberproviantmeister noch berichtet, er war im strömenden Regen in da$s Nest gefahren und hat allerhand geholt. So ein Riesendampfer verzehrt ja ungeheure Mengen. Dann wollte er mich zu seinem Huhn heute abend einladen, zu seinem größten Leidwesen mußte ich absagen, da ich ja schon beim Kommandanten bin. Er wollte mir aber ein Bein aufheben. Ich habe schon treue Seelen bei mir, da$s ist ein großer Trost.

 

Ich war heute nachmittag mit dem alten guten Leitenden Ingenieur an Land, wir sind drei Stunden in den Bergen und Wiesen herumgepatscht, um ein paar Butter- und Birkenpilze zu finden, ich konnte sie im Taschentuch heimtragen, da$s ich nachher mit meinen Strümpfen selbst auswasche. Sie haben aber gesotten mit Trockenzwiebeln ganz gut geschmeckt. Der Oberstab$sarzt hatte ein paar neue Kartoffeln dazu besorgt, vom normalen Abendbrot gab e$s eine Scheibe rohen Schinken. Heute abend sahen wir dann den intere$ssanten Kriminalfilm Rote Orchideen mit Olga Tschechowa und Camilla Horn, sehr spannend und gut gespielt. Die Luft wehte heute kalt von den Riesen, die erheblichen Neuschnee in der Nacht erhalten hatten, e$s glitzerte kalt in der schwachen Sonne.

 

5. September 1942

Ich habe Stunden einem Sportfest in frischer Luft beigewohnt und bin entsprechend müde. Heute am 5. 9. kam ich vom 2 stündigen nicht sehr fündigen Pilzesuchen mit dem L.I. wieder, al$s Erholung von einer Exekution, die an Bord stattfand, über die ich nicht schreiben kann. Abend$s, nach reichlichem Abendbrot, ich hatte für die Me$ssen einen ganzen Thunfi$sch gekauft, 6 Meter lang, sahen wir den sehr lustigen Film Der Mustergatte mit Rühmann. Ich habe kleine Kinder immer schon gern gehabt und habe meisten$s einen Bonbon für sie in der Tasche, den sie auch in dieser Einöde mit einem artigen Tak annehmen, die Mädchen immer mit der Andeutung eine$s Knickse$s.

 

Gestern abend hatte ich 3 Oberfähnriche zum E$ssen eingeladen, meine beiden und den von einem Kreuzer in der Nähe. E$s war sehr nett, wie e$s eben mit jungen Menschen immer am nettesten ist. Ich entwickelte ihnen u.a. meine Ansichten über den Au$sbau der Laufbahn und sie waren begeistert. Der Roman Randi gefällt mir immer mehr, e$s ist so viel gesunde natürliche Leben$sfrische darin und alle Eheprobleme sind ehrlich angepackt und geschildert. Unbedingte$s Vertrauen zueinander und ein Eingehen auf die Eigenarten de$s anderen sowie eine gewi$sse Duldung sind die Vorau$ssetzungen für eine glückliche Ehe, die natürlich in Liebe mit dem Willen zum Kind geschlo$ssen sein muß. Alle anderen Ehen kranken irgendwie, wie oft haben wir un$s darauf aufmerksam gemacht.

Eben um 14 Uhr komme ich mit dem Kommandanten und anderen Offizieren von einer Schlepperfahrt zurück, die un$s in ein Städtchen und von dort mit der Bahn nach der schwedischen Grenze führte. Wir sahen tief unten am Ende der Fjorde die Überreste der aufgelaufenen Zerstörer liegen, letzte Zeugen eine$s heldenhaften Kampfe$s. Die wilde Gegend, mit den kleinen gelben Birken auf den hohen Hängen, den starren kahlen Häuptern, z.T. hoch oben mit Schnee bedeckt, blutrote Flecken herbstlich gefärbten Moose$s, war malerisch und abstoßend zugleich. Der Zug fuhr durch viele Tunnel, e$s regnete oft und war recht kalt. Endstation im Hochmoor, keine Bäume mehr, nur noch Sträucher und Moo$s und Flechte, ein paar einsame Holzhäuser für die Grenzwache, dann kommt Schweden. Auch hier liegen Soldaten, die in der starren toten Gegend tapfer au$shalten. Die Fahrt hat mir viele Eindrücke vermittelt, die Natur spricht immer wieder am stärksten zu mir und gibt mir mein Fundament wieder. Ganz kurz besuchte ich an Bord in dem Hafen einen ehemaligen Schüler, sehr nett, der mir alle Hilfe bei der Abreise, Gepäck, Platzkarte usw. versprach. E$s ist nämlich nicht leicht, eine zu bekommen. Um 19.00 Uhr gaben die Division$soffiziere den fortgehenden Stab$soffizieren ein E$ssen: Neue Kartoffeln mit Blumenkohl. Gestern nachmittag war ich mit dem Schiff$sarzt 2 Stunden in den Bergen, wir haben Preißelbeeren gepflückt, abend$s waren wir Gast bei meinem Proviantmeister.

E$s war stille$s Wetter bei unserem Pilzau$sflug, ziemlich bedeckt, aber mit malerischer Wolkenbildung. Die kleinen Birken hatten sich schon ziemlich gelb gefärbt, wunderhübsch anzusehen über dem dunklen Stein oder grünen Bewuch$s. Wir kletterten tüchtig, fanden einige winzige Walderdbeeren und Himbeeren. Einige Kameraden hatten auf einem Hof einen Weißkohl erstanden, für un$s ein Leckerbi$ssen. Ich ging mit dem Schiff$sarzt auf einen ärmlichen Hof, wo sich 4 Kinder tummelten, die erst sehr scheu waren, dann kam der Kleinste, ein frecher dicker Pummel mit einer Art roter Ru$ssenbluse, um mir den Bonbon au$s der Hand zu reißen und schnell davon zu laufen. Dann folgte ein dicke$s freche$s kleine$s Mädchen mit Glubschaugen und erst auf wiederholte Aufforderung kamen die beiden größeren Mädchen etwa 4-5 Jahre und knicksten artig. Plötzlich kam ein noch größere$s Mädchen, 7-8 Jahre, angerannt und erstaunte un$s durch auffallende Schönheit und eine königliche Freiheit in Haltung und Miene, wie sie nur eine solche Nordgermanin zeigen kann. Der Arzt ist Psychologe, e$s war ein Genuß für un$s beide, die Art zu beobachten, wie diese$s Mädchen den Bonbon nahm und aß. Da$s Boot brachte un$s in 20 Minuten durch die stille Bucht wieder zurück.

Wieder einmal ein Zwischenbericht, den ich morgen$s um 7 Uhr in der kleinen Me$sse de$s braven Schlepper$s schreibe, de$ssen Schrauben unermüdlich die kalten Wa$sser der Fjorde mahlen und deren Erschütterung sich auf meine Schrift überträgt. Gestern haben wir den ganzen Tag geladen, leider peitschten am Vormittag Regenböen mit Hagel gemischt herunter und verwandelten die ungepflasterten Wege in Wa$sser und Schlammfelder. Da$s nächste Mal fahre ich mit Seestiefeln. Da$s Wa$sser war sehr bewegt, wa$s da$s Einladen nicht gerade erleichterte. Wir lagen vor dem Schuppen de$s Verpflegung$slager$s, aber noch hinter einem weiteren kleinen Fahrzeug, da$s gleichzeitig entladen werden sollte und au$s dem wir auch etwa$s bekommen sollten. Nun tanzten die beiden Fahrzeuge nebeneinander wild auf und ab, die Kräne ra$sselten, Ladebäume schwankten und Säcke und Kisten schwirrten durch die Luft, von vielen kräftigen Armen aufgehalten und verstaut. Auf dem Pier stapften in ihren grüngrauen dicken Mänteln ru$ssische Krieg$sgefangene hin und her, die meisten mit au$sgesprochen mongolischem Typ, mit verwunderten Augen die fremde Welt um sie herum betrachtend. Gegen Abend riß noch einmal die Wolkendecke auf, der Regen hatte endlich aufgehört, wa$s ich wegen de$s Mehle$s, Kaffee$s und Salze$s sehr begrüßte. Abend$s war dann glücklich alle$s binnen. Ich war wieder in dem Hotel untergebracht, jetzt lernte ich schon da$s dritte Zimmer kennen. Am Bett hatte ich nur au$szusetzen, daß da$s Deckbett entweder oben oder unten zu kurz war. Gege$ssen habe ich natürlich immer an Bord, denn mit den Hotel$s in T. ist diese Niederla$ssung kaum zu vergleichen. Für den nächsten Tag hatte ich seeklar für 6 Uhr festgesetzt, da e$s jetzt erst spät hell wird. Ich war natürlich schon um 5.45 auf. Bald kam auch der Soldat, um mein Gepäck zu holen, da sah ich, daß der erste Schnee auf da$s Land gefallen war. Die Berggipfel sind ja schon lange bedeckt. Natürlich war in den Straßen ein gewaltiger Matsch entstanden, die Höhen hinauf standen die gelben Birken seltsam über dem losen dünnen Schnee. Bald ging e$s denn nach dem Ablegen wieder lo$s, ein liebliche$s Gemisch von Regen und Schnee. So wird e$s nun bleiben, bi$s der Winter sich durchgesetzt hat und klare Kälte kommt. Punkt 12 Uhr kamen wir wieder bei unserem Schiff an, ein schöner Sonnenschein beleuchtete die jetzt bi$s zur Hälfte verschneiten Berge. Da$s Au$sladen ist jetzt, um drei Uhr, glücklich beendet, denn ein Hagelwetter braust zur Abwechslung hernieder. Um ½ 8 Uhr bin ich mit mehreren Herren beim Kommandanten eingeladen, e$s soll frische Kartoffeln und Gemüse geben, dazu Pfannkuchen. Ich habe mich einem umständlichen Bade hingegeben und mich für heute abend geschmückt. Erdmenger wird auch dabei sein, außer anderen auch noch ein Profe$ssor au$s Holland, der Vorträge hält.

E$s ist Sonntag, friedlich in meiner Kammer, der Lautsprecher gibt Frontberichte au$s dem Osten, ich bin allein. Nach dem E$ssen will ich mit dem Schiff$sarzt in eine etwa$s entlegene Gegend fahren, sonst ist ja alle$s von Soldaten überschwemmt, auf die Berge steigen und Land und Leute betrachten. Gestern abend war e$s mal sehr nett beim Kommandanten, außer Erdmenger mit Ritterkreuz war ein älterer Kommandant von einem Flakkreuzer und 2 junge Torpedoboot$skommandanten da, von denen ich mich mit einem Kapitänleutnant gut unterhielt. E$s kam dann mal ein andere$s Thema auf, H.J.-Erziehung, Elternhau$s, Religion, so war e$s anregend und nicht al$s verlorene Zeit zu betrachten.

Gleich nach dem E$ssen habe ich mit dem Schiff$sarzt, dem Chirurgen einen Preißelbeer-Pflück-Au$sflug in die weitere Umgebung gemacht. Sagenhafte Vorkommen, in kleinen Trauben hingen die reifen Früchte teilweise auf dicken Moo$spolstern hingebettet. Wunderschöne Au$sblicke von Berge$shöhen in die große Bucht, drei Stunden waren wir unterweg$s. In ein nette$s Häuschen auf halbem Wege traten wir ein, ein Opi, eine Oma und weitere Insa$ssen empfingen un$s nicht unfreundlich, obgleich wir al$s Offiziere ja verdächtig sind. Aber wir bekamen einen großen Krug guter Vollmilch, dazu Grammophonmusik, ein junger sympathischer etwa 20 Jahre alter Mensch setzte sich zu un$s, konnte sich auch etwa$s mit un$s unterhalten. Er hatte alle$s au$s dem Umgang mit deutschen Flaksoldaten gelernt. Im kleinen Bücherschrank Konservation$slexikon, Brehm$s Tierleben, Norwegische Geschichte. Ich hinterließ einige Zigaretten und Bonbon$s.

 

Ich war heute mit den Ärzten zu einem bäuerlichen Anwesen in einem kleinen Ort am Wa$sser. Frau Raven ist eine intelligente, einstmal$s sehr hübsche Bäuerin, die viel Arbeit hat, da die Pieken alle von der Tyske Wehrmacht eingestellt werden. Aber gastfrei und immer freundlich. Kaffee im guten Zimmer bereitet. Schön polierte helle Möbel in unbekleideten Holzwänden. Wie schon oft beobachtet, ein kleiner Bücherschrank mit erlesenen Büchern, die Geschichte de$s Lande$s, ein große$s Lexikon, Mein Kampf in der Lande$ssprache. Zwei Blumenköhler, etwa$s Sahne und 2 Eier waren die Au$sbeute. Letztere habe ich aber an bedürftigere vergeben, ich bekomme genug zu e$ssen. Ich habe vor allem verhandelt, um nochmal frischen Weißkohl für die ganze Besatzung zu bekommen. Und mit Erfolg.

Der I.O. hat e$s mir eben verraten. Morgen in der Offizier$s-Sitzung wird der Kommandant dem Schiff$sarzt und mir da$s vom Flottenchef verliehene EK II überreichen. Er macht e$s bei mir nicht ohne große Aufmachung.

 

Ich hörte, daß in der Oberfeldwebel-Me$sse eine Wilhelm$shavener Zeitung au$sliegt mit einem Nachruf für die 75 Toten de$s letzten Terrorangriff$s. Ich ließ sie mir kommen bei lebhafter Beunruhigung. Heute nachmittag haben wir mit dem Kommandanten und etwa 10 Stab$soffizieren eine Fahrt mit dem sogenannten Fjordboot gemacht, einem schnellen Fahrzeug, da$s hinten ringsum eine Bank hat an der Reling, von der au$s man die imposante Bergwelt mit ihren schon sehr tief über die Ohren gezogenen weißen Schlafhauben betrachten kann. Aber da die Sonne hinter dicken Wolken verschwand, war e$s ein etwa$s kühle$s Unternehmen, so daß man zeitweise gern zu einer Ta$sse Kaffee und einem Schnäpschen in ein kleine$s Logi$s zurückzog, in dem ein eiserner Ofen eifrig glühte und in dem wir alle gerade Platz fanden. Wir gingen dann 1 Stunde in einem kleinen Nest an Land und waren schließlich froh, wieder an Bord zu sein. Der vom Kommandanten angesetzte Film gab Ablenkung, e$s wurde gespielt Leinen au$s Irland, ein ziemlich alter, aber guter Film, der immerzu riß, mit der reizenden Irene von Meyendorff. Vornehme junge Damen liegen ihr ja besonder$s.

Morgen ist Sonntag, da will ich vormittag$s mit dem Schiff$sarzt zu dem Bauern, der mir Weißkohl für die ganze Besatzung verkaufen soll, Wir machen dann Hammelkohl darau$s, ein fürstliche$s Gericht. Vorgestern bekamen wir auch endlich ein paar Au$sgaben frischer Kartoffeln, alle$s stürzte sich darüber, ich mußte sie ordentlich unter Schutz nehmen. E$s wird mir sonderbar vorkommen, daß ich nicht mehr die Sorge für 2 ½ Tausend Menschen haben werde - leicht ist e$s nicht immer gewesen, besonder$s, wenn die Menschen, mit denen man arbeiten muß, die Nerven verlieren. Da ich etwa$s psychologische$s Geschick habe, ist e$s bi$s jetzt im Großen und Ganzen im Guten gegangen. Ich beneide meinen Nachfolger nicht, obgleich ich ihm ein eingefahrene$s Instrument hinterla$sse, da$s aber keinen Augenblick ungeführt bleiben darf. Man braucht ja dann und wann eine Aufmunterung zum Durchhalten, da hat mich ganz besonder$s herzlich gefreut, wie spontan die Zustimmung und von vielen aufrichtig gemeint der Glückwunsch zu meiner letzten Au$szeichnung waren. Ein Kapitänleutnant, mit dem ich sonst wenig Berührung hatte, versicherte mir, wie sie alle e$s jetzt al$s Erleichterung empfänden, daß damit ein peinlicher Zustand beseitigt wäre. Dann darf ich e$s wohl mit gutem Gewi$ssen tragen. Hier oben in dieser einmaligen Lage macht man sich über alle$s Mögliche Gedanken und nimmt viele$s sehr ernst, weil man erkennt, um wie ernste Dinge e$s in diesem Krieg geht und weil man wirklich gelernt hat, nicht alle$s von der eigenen Person au$s zu sehen, sondern alle$s in seinen Au$swirkungen auf Volk und Vaterland zu betrachten.

 

17. September 1942

Heute Sonntagvormittag war ich bei schönem, klarkalten Spätherbstwetter bei meinem Bauern (einem Quisling!), mit dem ich über die Lieferung von Weißkohl erfolgreich verhandelte. Wir sprachen deutsch, er in seiner Lande$ssprache, e$s ging ganz gut. Die gute Frau kredenzte un$s köstliche Milch und eingemachte grüne Pflaumen au$s dem Süden de$s Lande$s. Nachher saßen wir bei der Landung$sbrücke noch lange in der schönen Sonne. Nur der Wind wehte kalt von den Schneehäuptern. Die Birken sind alle knallgelb. Wunderschöne Farben.

Au$s Wilhelm$shaven hört man von Leuten, die von dort kommen, Schreckliche$s. Der schwerste Angriff bi$sher, Luftminen, in jeder Straße hat’$s gebrannt. Die Garnisonkirche ist diesmal auch dabei, der Bahnhof, mindesten$s um Schröder$s herum muß alle$s ein Trümmerfeld sein. Eine gepeinigte Stadt, ich kann mir denken, daß sie e$s ziemlich müde sind. Gestern hatte ich ein schönes Erlebni$s. Wir lagen in einem Fjord, der Liegeplatz war insofern bemerkenswert, al$s wir ziemlich unter einem 1500 Meter unmittelbar au$s dem Wa$sser ragenden grauen Bergma$ssiv lagen, da$s einen ungeheuren Gletscher trug und zwar so, al$s ob einer sich einen Kartoffelpuffer auf den Kopf gestülpt hätte. In der Morgensonne leuchtete da$s sicher 20 Meter starke Ei$s, von unten natürlich zierlich anzusehen. Also da lagen wir und da Gelegenheit war, um die Ecke zu einem kleinen Nest in einem Seitenarm zu fahren, tat ich die$s. Die letzten Tage ist nun herrliche$s, klare$s Herbstwetter, in der Nacht schon ziemlich kalt, so daß e$s eine wunderschöne Farbensymphonie gab.

Wir gingen nachher an Land stellenweise unter den Birken wie durch Goldschleier, da$s Moor hatte rötliche Färbung angenommen und dann gab e$s neben schönen grünen Weiden mit freundlichen Muhtieren auch streckenweise Kiefernwald mit viel Preißelbeeren, die ich eilfertig aß. Verstreut lagen hübsche Holzhäuser, in diesem einsamen Winkel noch ganz nach alter Art: ungemalt und au$s viereckigen Balken gefügt. Vorn meist ein Treppchen mit Überdachung und darin Hopfengerank. Ein paar Blumen im Garten, meist Studentenblumen, die ja sehr hart sind. E$s war ein Erlebni$s für mich, manche jungen Tiere ließen sich auch auf dem Kopf kraulen, arglo$s dem Menschen vertrauend. Da$s einzig störende war eine$s Kameraden ewige Quengelei, daß er e$s ohne seine Frau und Kinder nicht au$shalten könnte. Al$s ob da$s etwa$s be$sserte, er bringt sich um jede Ablenkung und macht sich kaputt damit. Und dabei war er ein Vierteljahr fort. Der Schiff$sarzt meint, e$s sei nur Mangel an Selbstbeherrschung.

 

Gestern hatten wir unseren offiziellen Ab$schied in der Me$sse, bei dem auch der neue I.O. au$s Berlin anwesend war, dem man viel Gute$s nachsagt. Schmale$s, intelligente$s Gesicht, sympathische Erscheinung. Der Abend wurde angenehm unterbrochen durch ein improvisierte$s Kabarett mit einem sehr witzigen An$sager, Zitherspielern und Jodlern, Stepptänzer mit einem vorzüglichen Moser-Kopisten. Heute abend ist der Ab$schied vom Kommandanten und den Stab$soffizieren. So geht die Zeit denn hin. Sehr berührt wurden wir heute durch die Nachricht, daß der unvergleichliche Marseille nun auch geblieben ist, ein so junge$s strahlende$s Leben.

Gestern nachmittag war ich mit dem Schiff$sarzt bei dem Bauern, der un$s den Weißkohl lieferte, der den heutigen Hammelkohl ergab. Auf diese Weise habe ich der Besatzung wenigsten$s zweimal frische$s Gemüse geben können. Nun ist e$s aber Schlütt (Schluß), e$s war da$s letzte, wir haben lediglich noch 2 Blumenkohlköpfe für den eigenen Bedarf und etwa$s Sahne bekommen. Spaßig ist, daß die Leute hier da$s Z nicht au$ssprechen können, sie sagen z.B., wenn sie Arzt sagen wollen Artscht, klingt sehr umständlich. Ich hörte plötzlich vom einem schönen Nordlicht, gleich entschuldigte ich mich und da hingen denn am dunklen Nachthimmel direkt über dem Schiff die riesengroßen sprühenden Vorhänge, sich immer verändernd, die$smal nur wenig gefärbt. Nicht lange dauerte e$s, aber e$s ist so eigenartig, daß e$s immer wieder berührt. Heute nachmittag war ich mit dem Schiff$sarzt 2 Stunden spazieren, z.T. im ei$skalten Regen. Ein Polarhund schloß sich un$s an, der die armen Schafe und die kleinen zotteligen Ziegen jagte.

 

Nun fahre ich mit dem Dampfer da$s letzte Mal nach H., um mein Schiff noch einmal zu versorgen. Der Regen pra$sselt auf da$s Deck, von den Birken an den Berghängen peitscht er die letzten Blätter. Ich bin nicht sehr erbaut von dem Wetter, morgen will ich einladen, und dabei brauche ich für den Trockenproviant Trockenheit. Aber au$ssuchen kann man sich hier oben da$s Wetter leider nicht, e$s muß gehen, wie e$s geht. E$s ist jetzt 14 Uhr, wir haben erst den halben Weg hinter un$s, denn schlechte$s Wetter, viel Wind und Hagel, haben un$s aufgehalten. Etwa$s Leergut ist dabei sogar außenbord$s gegangen. Und dann konnten wir in H. für den Rest der Fahrt nicht gleich einen Lotsen bekommen. Ich sitze im Kartenhau$s de$s kleinen Dampfer$s, vor mir ist der Raum mit dem Steuerruder, wo der Kapitän und der Lotse sind. Recht$s und link$s gleiten mehr oder weniger kahle Berge vorbei, meist in Dunst und Regenschleier gehüllt. Ich bin gewitzt durch meine Erfahrungen und habe meine letzte Reise von oben bi$s unten in Leder angetreten, Lederjacke, Lederhose, hohe gefütterte Stiefel, da kann mir weder Regen noch See, noch der fürchterliche Straßenschmutz in H. etwa$s anhaben.

Nachdem hat mir der Kommandant meine Führung bzw, den Beurteilung$sbrief vorgelesen. Besonder$s erfreut hat mich, daß er meine Verdienste um die Erziehung de$s Nachwuchse$s hervorhob, ich sei al$s Vorkämpfer für die Laufbahn anzusprechen. Unduldsam anderen An$sichten über die Entwicklung der Laufbahn gegenüber, aber jeder sachlichen Au$seinandersetzung zugänglich. Geeignet für Flotten- und Station$s-VO, Referent im OKM. Damit habe ich meinen Platz in Mürwik fundiert, den ich einige Jahre halten möchte. Eben habe ich meine verbe$sserten Tran$sportkisten besichtigt, die bedeutend verstärkt wurden, sie haben ja einen langen Weg zu machen. E$s ist mir sogar gelungen, für die kommende Weihnacht 3000 gute Bücher für die Besatzung zu beschaffen, sie sind schon im Anrollen in zig Kisten. Ich kann mein Amt mit dem Gefühl abgeben, mein Beste$s getan zu haben. Ich glaube, viele wi$ssen da$s. Niemal$s werde ich so wieder unmittelbar für einen großen Teil der Front sorgen dürfen.

Vor mir steht ein großer Strauß frischer Herbstblumen: Studentenblumen, Waldastern - ein Geschenk der Frau Raven, bei der wir heute nachmittag im Regen waren. E$s ist naßkalte$s Herbstwetter, fast kein Blatt mehr an den Bäumen, der erste Schnee wird erwartet. Wir, d.h. die Ärzte und ich, hatten einen Sack angeschimmelte$s Brot für die Hühner, ein Paket Tabak für den Bauern und einige Bonbon$s für die Kinder mitgebracht und wurden königlich belohnt durch einige Blumenköhler, 1 Selter$sflasche voll Sahne und eine Einladung zum Kaffee. Wozu e$s in Herzform gebackene Waffeln mit Preißelbeeren gab. Letztere schmecken herrlich in der in Norwegen üblichen Zubereitung, Preißelbeeren mit Zucker zu gleichen Teilen wird roh eine Stunde gerührt, alle Vitamine erhalten, die Beeren zergehen auf der Zunge, kein bißchen Schärfe. Munter plätscherte die Unterhaltung, die Gastgeber norwegisch, wir deutsch. Dieser struppige Bauer hatte eine erlesene Bücherei, meist Ganzleder, Ibsen, Lexikon, Gesundheit$s- und Hygienewerke. Wir sollen mal Kalb$skotelett bei ihr e$ssen mit Blumenkohl.

Ich bin aufgehalten worden durch den Kommandanten, der mich um ½ 10 zu sich herausrief und mit mir und dem neuen I.O. die Lage besprach. Ich glaube nicht, daß e$s viele VO’$s mit solch einer Stellung gibt, wie ich sie hier hatte. Heute nachmittag war ich mit dem Chirurgen bei Raven$s, die gute Frau tischte Kaffee und eine Sahnetorte auf, die sie extra für un$s gebacken hatte. Sie schmeckte natürlich sagenhaft, man konnte zu ihrem großen Schmerz aber nur 2 Stück e$ssen. Wir erbeuteten etwa$s Blumenkohl, Mohrrüben und sogar 2 Eier. Nachher hatten wir noch einen Ärger, e$s war nämlich ziemlich kalt und wir fuhren mit dem Boot im Schneetreiben hin. Da$s Boot, da$s un$s um ½ 7 abholen sollte, kam nicht, oder war zu früh abgefahren, so daß wir eine Stunde auf der kalten Brücke stehen mußten. Wir telefonierten dann von der Apotheke de$s Dorfes au$s.

Eben komme ich von der Schanz, wo ich mich im nächtlichen Mondschein ergangen habe. Ich hatte noch bi$s 10 Uhr gearbeitet, da gelüstete e$s mich nach frischer Luft. Und die war auch frisch genug, denn da$s besprengte Deck war leicht überfroren, man konnte stellenweise schliddern. Der Mond beschien aufdringlich und übergroß - da$s weite, schwarze Wa$sser und die schneebedeckten Berge ring$sum. Am hohen Himmel standen tausend Sterne, und lange dauerte e$s auch nicht, da kam da$s, auf wa$s ich wartete: Wie ein Schleierhauch zog e$s sich direkt über dem Schiff hoch am Himmel dahin. Bald verdichtete sich der Schleier und dann war e$s plötzlich, al$s hätte eine mächtige Hand au$s dem dunklen Himmel$smantel herau$sgegriffen und den Schleier geschwenkt, er wehte in sanften Wogen. Und die Wogen wurden immer starrer, immer eckiger: da war e$s ein wallender Vorhang, hinter dem die Sterne schimmerten, der unaufhörlich seine Gestalt veränderte und schließlich, gigantisch vergrößert, au$s lauter einzelnen Metallfäden zusammengesetzt schien, die ruhelo$s hin und her wogten. Zeitweise färbten sie sich leicht grünlich, violett an den Enden in fluoreszierenden Farben. Und dann verwandelte sich alle$s wieder in riesige lange Schleierbänder, die wogend au$seinander flo$ssen. Lange hätte man da$s wundervolle Schauspiel voll erhabener Größe noch betrachten mögen - aber die Kälte wurde unangenehm. Wo spricht die Natur so gewaltig, so unerbittlich unmittelbar zum Menschen wie hier oben hoch im Norden?
Und warum werden wir Deutschen immer wieder davon berührt, auch wenn wir da$s Land nicht mögen?

 

Was nach Kurt Voigts Ablösung geschah:

Vom 6. bis 8. September 1943 läuft die Operation Sizilien. Unter Admiral Kummetz verlässt Tirpitz mit Scharnhorst und 5 Zerstörern den Altafjord und greift alliierte Einrichtungen auf Spitzbergen an, das auch bombardiert wird. Die Schiffe kehren unverletzt zurück. Tirpitz ankert in Kaafjord.

Aus der Königin des Nordens wird nun eine Flüchtende, die sich von Fjord zu Fjord tastet, die nicht einmal genug Brennstoff hat, um sich weit hinauszuwagen in den Atlantik, stets belauert und gejagt von russischen und britischen U-Booten und Bombern. Die ihr letztlich den Garaus machen.

22. September 1943: Tirpitz wird im Kaafjord von britischen Mini-U-Booten angegriffen, die drei Grundminen von je 2 Tonnen am Schiff anbringen. Die drei U-Boote gehen verloren, aber das Schiff ist schwer beschädigt und nicht einsatzfähig für 6 Monate. Reparatur im Altafjord von November 43 bis Februar 1944. Churchill gibt keine Ruhe: Versenkt die Tirpitz ist sein Befehl.

Am 3. April 1944 wird Tirpitz von 40 britischen Bombern von 6 Trägern angegriffen, und getroffen von 14 Bomben, sie hatte 132 Tote und 316 Verwundete. Eine 2. Angriffswelle hatte keinen Erfolg. Vom 31. Juli bis zum 4. August 1944 ist Tirpitz mit ihren 5 Zerstörern einsatzfähig.

Vom 22. August bis Ende August 1944. Griffen 32 Barracudas von 4 Trägern, das Schiff an, hatten aber keinen Erfolg Am 15. September 1944 wird Tirpitz angegriffen von 27 Lancasters von Archangelsk. Sie wird von einer 5,4 Tonnen schweren Tallboy Bombe getroffen und so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr seetüchtig ist.

Nach Reparaturen kann Tirpitz am 15. Oktober 1944 mit 8 Knoten in den Trosöfjord fahren und bei den Haaköy Inseln als schwimmende Batterie ankern. Ein Teil der Besatzung wird dort von Bord genommen. Sie wird erneut von 32 Lancasters ohne Erfolg am 29. Oktober angegriffen

Das Ende kommt am 12. November 1944. Tirpitz wird von 32 Lancasters angegriffen. Kurz nach 9.40 Uhr wird sie von zwei Tallboy Bomben getroffen und von unten aufgerissen, vier andere Bomben trafen nicht. Um 9.52 Uhr kentert das Schiff, 971 Seeleute ertrinken, 888 Mann können sich retten. Mit der Versenkung der Tirpitz wurde das letzte und größte Schlachtschiff der deutschen Marinegeschichte vernichtet. Seine Lebenszeit hatte 3 Jahre und 9 Monate betragen.

Von 1948 bis 1957 wird die gekenterte Tirpitz von norwegischen, britischen und deutschen Firmen abgewrackt.

 

Kurt Voigt schrieb seine letzten Briefe von Bord.
Am 26. Oktober 1942:

Morgen fange ich an zu packen, erstmal die Kisten. Hier eine Geschichte: Eine junge Dame, die einen alten, sehr vermögenden Herrn geheiratet hatte, erhielt den Besuch einiger früherer Verehrer. Sie führte den Besuch durch ihr luxuriöse$s Heim. Al$s sie in da$s Schlafzimmer der jungen Frau kamen, rief einer der Freunde hingeri$ssen: Ah, c´est l´Eglise de Notre Dame! - worauf die junge Frau traurig erwiderte: O non, c´est le Dome de$s Invalides! - so hilft man sich über die trüben Gedanken hinweg. Mein Nachfolger ist da. Er kam mit der Bahn von D. auf der nahen Bahnstation an, wo er von meinen drei Verwaltung$soffizieren in Empfang genommen wurde. Zu ihrem Erstaunen war die Freude darüber aber mäßig, denn er hat sie gleich gefragt, ob sie nicht$s zu tun hätten. Na, dann wi$ssen sie ja Bescheid und brauchen sich keinen Illusionen hinzugeben. Ich werde planmäßig am 31. Oktober abfahren.

 

Am 3. April 1945 ist Kapitän zur See (V) Kurt Voigt in Kiel gefallen.