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Der U-Boot Krieg, mit U-466 auf Feindfahrt

Vorwort der Erinnerungswerkstatt

Im U-Boot-Krieg der Kriegsmarine 1939 bis 1945 kamen insgesamt 863 von 1162 gebauten Booten zum Kampfeinsatz. 784 Boote gingen verloren. Über 30.000 der über 40.000 U-Boot-Fahrer starben. An Bord der von deutschen U-Booten versenkten 2882 Handelsschiffe und 175 Kriegsschiffe starben über 30.000 Menschen.

Alle in diesem Zeitzeugenbericht wiedergegebenen Bilder, Kriegstagebücher und Texte sollen der staatsbürgerlichen Aufklärung, nicht aber der Glorifizierung oder Verherrlichung von Kriegshandlungen, oder gar der Taten des verbrecherischen NS-Regimes dienen. Sie wurden hier ausschließlich zur Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens des dritten Reichs und seiner Geschichte veröffentlicht. Deshalb haben wir die Bilder nicht zensiert, unkenntlich gemacht oder Bereiche aus den Bildern ausgeschnitten, wie zum Beispiel die Abzeichen, Symbole oder Darstellungen des dritten Reiches (Hakenkreuz, SS-Ruhnen o.ä.).

Zitat: Quot Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig. (Nepalesisches Sprichwort)

In Gedenken an die 60 Millionen Todesopfer aller Nationen im Zweiten Weltkrieg;
sie sollen uns zur ständigen Mahnung dienen, nie wieder Krieg zu führen.

(H.Kennhöfer, Erinnerungswerkstatt-Norderstedt)

 

1. Auslaufen I. Feindfahrt 12.1.1943 — 11.2.1943

Es war bitter kalt, als wir mit unserem erprobten U 466 aus dem Kieler Hafen zur ersten Unternehmung ausliefen. Vordem hatten wir im Festsaal unseres Wohnschiffes Abschied gefeiert. Es war gewiss nicht nationale Begeisterung, sondern das Bewusstsein, seine Pflicht als deutscher Soldat zu tun, was uns an die Front trieb. Auch dachten wir daran, dass es unter Umständen keine Wiederkehr geben könnte. Nur unser Kommandant, Gerd Thäter, wusste wo es hingehen sollte, wir erfuhren es in See.

Um 08.18 Uhr verließen wir unseren Kieler Stützpunkt, im Geleit ging es Richtung Skagerrak. Den großen Belt erreichten wir eisüberzogen am 13.Januar 1943. Mit an Bord war auch unsere seemännische Nr.1, Karl Barrmeyer, der angab, große Schmerzen zu verspüren und krank zu sein, er legte sich im U - Raum auf seine Koje und stand nicht auf. Viele von der Besatzung waren nicht ganz überzeugt von seiner Krankheit, die sich verhältnismäßig plötzlich eingestellt hatte. Karl Barrmeyer hatte eine Gesangsausbildung für die Oper und eine gute Stimme. Proben seines Könnens hatte er in Danzig gegeben und war auch sonst immer bereit, ein Lied zu singen, wenn es angebracht war. Er hatte sich schon länger für die Truppenbetreuung gemeldet und gehofft, noch vor der Frontzeit dazu abgeordnet zu werden. Offensichtlich war das nicht der Fall, und nun war er krank und bestand darauf, im nächsten Hafen einem Arzt vorgestellt zu werden und auszusteigen. Als wir am 14.1.1943 in Kristiansand einliefen, wurde er von zwei Sanitätern von Bord geholt und blieb an Land.

Es sei hier gesagt, dass wir ihn dann in See anlässlich unserer Versorgung auf dem U - Boot 1943 trafen, jedoch keinen Kontakt aufnehmen konnten. (Bei U - Metz handelt es sich um das Boot U - 487 welches am 13.7.1943 im Mittelatlantik versenkt wurde.)

Am 14.1.1943, 08.43 Uhr liefen wir im Geleit mit U - 223 und U - 707 sowie einem Sperrbrecher nach Egersund an der norwegischen Südwestküste aus, wo das Boot völlig vereist um 17.05 Uhr festmachte.

Am 15.1.1943 begann die eigentliche Feindfahrt in Richtung Atlantik. Im Geleit von Sperrbrecher und den beiden auslaufenden Booten, sogar die Seeluft hatte uns ein Stück das Geleit gegeben. Nach dem Tieftauchen ging es im Alleinmarsch durch die nördliche Nordsee in westlicher Richtung.
Am 16.1.1943 gab es einen ersten Übungsalarm, wobei niemand wusste, dass es Übung war. Bisher hatten wir bei unseren Ausbildungsfahrten ja nur Übungsalarme gehabt. Tags fuhren wir unter, nachts über Wasser, da die Gefahr durch ortende Flugzeuge angegriffen zu werden zu groß war. Nachts wurden die Batterien aufgeladen, wenn mit Dieselmotoren gefahren wurde.

Es ging durch ein im ersten Weltkrieg als Rosengarten (der vielen Minen wegen so benannt) bekanntes Seegebiet zwischen Färöer und Island hindurch. Durch Funkspruch hatten wir inzwischen unser neues Ansteuerungsquadrat mitgeteilt erhalten und steuerten es an. Den Atlantik erreichten wir am 21.1.1943. Um 11.00 Uhr tauchten wir erstmalig im Atlantik auf 60 gr. 08,0 min. Nord, 20 gr. 27,0 min. West. Das Wetter war sehr schlecht geworden. Wind 5, Seegang 4-5, Sicht 10 sm vereinzelt Regenschauer, aber es sollte noch viel schlechter werden.

Am 26.1. 1943, 17.14 Uhr Alarmtauchen wegen eines in Sicht gekommenen Flugzeuges. Um 20.38 Uhr hatten wir die erste Horchpeilung von einem Geleitzug und operierten auf diesen, jedoch ohne Erfolg, weil wir einen Maschinenschaden im Dieselraum hatten, die Kupplung war unklar. Da sich der Schaden mit Bordmitteln nicht beheben ließ, wurde die Leitung durch Funkspruch in Kenntnis gesetzt, und es wurde Rückmarsch befohlen und angetreten. Das Wetter blieb schlecht, der Sturm zwang uns oft zur Unterwasserfahrt. Unterwegs trafen wir das Boot v. Jessen U - 266 und tauschten Maschinenteile aus, mit denen die Diesel notdürftig repariert werden konnten. An den Dieseln wurde in getauchtem Zustand fieberhaft gearbeitet. Am 3.2. 19.00 Uhr war der Schaden soweit behoben, dass wir unseren Marsch zum Stützpunkt La Palice fortsetzen konnten.
Am 8.2. kurz nach dem Auftauchen um 08.27 Uhr kam Fliegeralarm und gleich darauf Alarm zum Tauchen. Ein Flugboot Sunderland, das plötzlich auftauchte uns aber anscheinend gar nicht gesehen hatte, war der Grund für diese Manöver. Es fielen keine Bomben, als wir tauchten.

Am 11.2.1943 erreichten wir das Geleit, das unser Boot bis zum Hafen La Pallice begleitete.
Unser U - 466 bekam den Tarnnamen Qualle und war im U - Bootsbunker sicher festgemacht. Die Besatzung wohnte im nahegelegenen La Rochelle, am Rande der Altstadt in der ehemaligen Marokkanerkaserne, die jetzt den Namen Priengelände hatte.

 

2. Auslaufen II. Feindfahrt 17.4.1943 — 26.5.1943

Am 15.4. sollte es losgehen, aber beim Tieftauchversuch in der Biscaya würde festgestellt, dass der Junkers - Verdichter defekt war, also Rückmarsch zur Reparatur!

Am 17.4. liefen wir aus, durch die Biscaya in Richtung Westen. Die erste Feindberührung hatten wir am 18.4.1943, um 01.20 Uhr. Ein Flugzeug griff an, drehte aber nach Beschuss ab.

Oft musste der nächtliche Überwassermarsch zum Aufladen der Batterien wegen solcher Flugzeugortungen unterbrochen werden. Es gelang auch immer rechtzeitig auf Tiefe zu gehen.

Am 21.4. hatten wir unsere erste Wasserbombenverfolgung durch eine britische U-Jagdgruppe. Durch ASDIC hatten uns die Bewacher geortet und dann in vielen Überläufen mit Wasserbomben angegriffen. Etwa 25 Wasserbomben lagen über dem auf Tiefe fahrenden Boot. Später entfernten sich die Detonationen achteraus. Von 12.30 Uhr bis 15.30 waren wir auf Gefechtsstation. Der Anlass der Aufgabe dieser Verfolgung durch die U-Jagdgruppe war vermutlich ein aus dem sogenannten Rohr VI ausgestoßener Bold, der die feindliche ASDIC-Ortung irreführte. Aber auch richtiges taktisches Verhalten der Bootsführung könnte zur Aufgabe des Angriffs beigetragen haben. Jedenfalls waren froh, dass es so gut und ohne große Ausfälle abgegangen war. Mit Funkspruch wurde der Vorfall gemeldet, die Waboschäden konnten mit Bordmitteln repariert werden.

Am 22.4. 17.30 wurde mit Funkspruch ein ostgehender Geleitzug gemeldet, der im Planquadrat AK erwartet wurde. Dann kam Sturm auf, Stärke 10-11, die Sicht war 400 m. Offensichtlich hatte der Sturm auch dafür gesorgt, dass der Geleitzug nicht wie erwartet eintraf. Funksprüche informierten, dass eine Verzögerung möglich sei. Auch als am 27.4. der Sturm sich nicht gelegt hatte, brachten die Operationen keinen Geleitzugerfolg, auf den wir alle gehofft hatten.

Am 9.5. 00.30 Uhr wurde mit Funkspruch erneut ein Geleitzug im Planquadrat LE gemeldet und Funkstille war befohlen. U-Förster hatte als Fühlungshalter den Geleitzug mit Funkspruch 13.06 Uhr gemeldet, daraufhin wurde Boote, die unter der Gruppe Rhein geführt wurden zum Angriff mit Funkspruch aufgefordert. Obwohl wir auf den Geleitzug operierten, hatten wir im entsprechenden Planquadrat weder Sicht- noch Horchpeilung, außer U-Bootsdieseln. Mit Kurzsignalen und Funksprüchen gemeldete Feindbewegungen führten nicht zur erhofften Feindberührung.

Am 12.5. 07.12 Uhr wurde unser Boot zur Hilfeleistung zu U-Wächter (U-223) befohlen, später aber widerrufen. Es wurde weiter auf das von U-Hesemann gemeldete Geleit operiert. Im Planquadrat CE 1657 gaben wir einen Funkspruch 08.32 Uhr ab mit der Bitte um Versorgung, da der Brennstoff inzwischen knapp wurde. Die Geleitsuche musste aufgegeben werde werde.

Am 12.5. 23.35 Uhr wurde erneut der Brennstoffstand gemeldet und Kurs auf den Versorger Wilamowitz genommen. Wir standen damals im Atlantik, nordwestlich der Azoren. Es war gutes Wetter, Seegang 3, als wir eine große Seeschildkröte sichteten und an Bord hievten, nachdem wir sie auf den Rücken gedreht hatten. Sie wurde vom Smut geschlachtet und dann gab es Schildkrötensuppe. Da aber schon vorher einige tot im Wasser befindliche Schildkröten enormer Größen, aus denen Schildpatt entnommen wurde, wobei es viehisch stank, an Bord gebracht wurden, haben einige Besatzungsmitglieder keinen großen Appetit auf die wirklich gut gemeinte Suppe gehabt. Die gewonnenen Schildpatts wurden innen mit Farbe haltbar gestrichen, jedoch roch es im Boot unangenehm.

Am 17.5. 1943 hatten wir das Versorgungsquadrat erreicht, um 20.00 Uhr Öl und Proviant übernommen und den Rückmarsch angetreten.
Am 26.5.1943, 15.50 Uhr begrüßte uns der Flottillenchef wieder in La Pallice.

 

3. Auslaufen III. Feindfahrt 29.6.1943 — 16.8.1943

Am 29.6.1943 war die Werftliegezeit beendet. Unser Turm hatte ein anderes Gesicht bekommen, war gepanzert worden.
Eine 2 cm - Vierling und zwei Doppellafetten 3,7 cm sowie eine Vorrichtung für 4 MG zur Luftabwehr. Dafür wurde die auf dem Vorschiff installierte 8,8cm Kanone abgebaut und entfernt. Funktechnisch erhielten wir eine ausfahrbare Stabantenne und ein eingebautes Runddipol als Empfangsdipol für Funkortungen im Zentimeterbereich. Außerdem gab es ein Holzgestell mit Kabeln und einem sogenannten Naxos - Dipol, als zusätzliche Antenne gegen Kurzwellenortung. Die Funkmessortungen des Gegners sind die größte Gefahr für die Operationen der U-Boote geworden. Zusätzlich zu unserem an Bord befindlichen Sanitätsmaat Schmidt bekamen wir den Ob. Ass. Arzt Dr. med. Rüping an Bord.

Am 3.7.1943 um 18.24 Uhr erfolgte ein Angriff eines Martin-Bombers, drei Bomben gingen fehl und detonierten nicht. Die Flak hatte sich erstmalig bewährt. Vor dem Alarmtauchen wurde ein Fallschirm beobachtet, so dass es nahe lag, dass das Flugzeug vernichtet wurde. Wir waren zusammen mit U - Förster (U-480)U 480 war ein deutsches U-Boot vom Typ VII C, das im Zweiten Weltkrieg von der Kriegsmarine eingesetzt wurde. Es gilt wegen der Beschichtung der Außenhaut mit Gummimatten (Deckname Alberich, nach der gleichnamigen Figur mit Tarnkappe aus dem Nibelungenlied), als das erste im Fronteinsatz verwendete Tarnkappen-U-Boot der Welt. Quelle: Wikipedia marschiert, dessen Flak auch geschossen hatte, so dass der Erfolg geteilt wurde.

Am 9.7.1943 im Seegebiet südlich der Azoren, etwa in Höhe Freetown wurde mit Funkbefehl 10.7. 08.00 Schaltung Amerika II geschaltet und Kurs West gefahren. Zur Versorgung mit Treibstoff und Proviant marschierten wir zum Planquadrat DG U-Metz, und sahen dort unseren Bootsmaat Karl Barrmeyer wieder, der die Versorgung überwachte. Allerdings gelang es nicht, näheren Kontakt zu bekommen. Bei uns an Bord duftete es wieder nach Geräuchertem, das überall wo noch Platz war, hing.

Mit vollen Treibstofftanks nach durchgeführter Versorgung setzten wir unsere Fahrt ins Operationsgebiet Südamerika fort. Das Wetter war ideal und es war sehr warm. Weit ab vom Festland erlaubte die Bootsführung der Freiwache auch mal ein Bad, auf den Treibstofftanks sitzend im Atlantik. Mit einer Hand wurde sich am Bootskörper festgehalten und mit der anderen das laue Wasser dem Körper zugeführt. Ohne Kopfbedeckung war es nicht an Oberdeck oder im Turm erlaubt, dafür sorgte schon unser Mediziner. Fliegende Fische flogen über das Boot oder landeten an Deck und wurden von uns in Augenschein genommen, denn sie waren in nördlichen Gewässern unbekannt. Ein mittelgroßer Seeteufel hatte uns tagelang begleitet, erst nach dem Prüfungstauchen war er fort. Delphine begleiteten das Boot und ab und zu entdeckte man auch eine verdächtige Rückenflosse, einen Hai.

Mastspitzen oder Rauchfahnen an der Kimm waren nicht auszumachen, das Seegebiet war anscheinend nur von uns benutzt worden. Als einmal eine Bö einen Strohhut vom Kopf eines Brückenwächters nahm und diesen im Atlantik absetzte, wo er schwamm, fackelte unser Mediziner nicht lange und sprang ins Wasser, um nach einigen Schwimmstößen den Hut zu ergreifen und ihn zum Boot zu bringen. Offensichtlich hatte ihm das Bad Freude gemacht, jedoch dachte er nicht an die Gefahren eines solchen Bades. Aber die Haie wollten ihn wohl nicht?!

Am 23.7.1943 erreichten wir endlich das Operationsgebiet östlich der Küste von Französisch Guayana. Die See war ruhig die Dünung niedrig, der Himmel bedeckt, die Sicht betrug 14 sm.

Um 06.13 Uhr hatten wir die erste Ortung. Als wir um 16.00 Uhr zum Überwassermarsch auftauchten kam um 16.05 Uhr aus einer Regenböe ein Flugboot, Typ Cataline, auf uns zugeflogen. Unsere Flakwaffen nahmen es unter Feuer und hatten gute Trefferergebnisse so dass das Flugzeug abdrehte. Dabei gingen vier abgeworfene Fliegerbomben am Boot vorbei und explodierten im Meer. Nach dem ersten Anflug ging es mit Alarm auf Tiefe. Schäden waren gering. Einige MG - Einschüsse in die Bootsverkleidung und Glasschaden.

Um 20.39 Uhr wurde zum Überwassermarsch aufgetaucht. Nach Ortung tauchten wir wiederum, ein Flugzeug unbekannten Typs flog an und warf 4 Bomben.

Am 24.7. um 12.16 Uhr waren wir aufgetaucht, um über Wasser den Marsch zur Küstennähe fortzusetzen. Wetter war Ost N Ost 2, Seegang 0, bewölkt, Sicht 12 sm. Um 14.00 Uhr hörten wir eine Ortung, offenbar hatte man uns im Visier. Wir tauchten, um wenig später um 17.07 Uhr wieder aufzutauchen und unseren Marsch fortzusetzen.

Ich hatte um 20.30 Uhr im Funkraum Wache und saß mit meinem Kopfhörer über den Ohren am Kurzwellenempfänger nahm gerade einen verschlüsselten Funkspruch auf, als der Ruf: Flieger Flieger! aus der Zentrale bzw. der Brücke ertönte.
Bei Fliegeralarm blieben wir über Wasser, die Flakwaffen und MGs schossen auf anfliegende Ziele, während von der Zentrale her für Nachschubmunition gesorgt werden musste, die in den Turm und auf die Brücke weitergereicht wurde. Da, achtern hinter dem Heck ertönten vier heftige Detonationen kurz hintereinander, Fliegerbomben, die das Boot nicht trafen, aber doch hart am Heck ins Wasser gingen. Das Boot steuerte ständig wechselnden Kurs, um das anfliegende Flugzeug zu täuschen und den abgeworfenen Bomben zu entgehen. Prasselnde MG-Einschläge waren hörbar und unsere Bordartillerie feuerte aus allen Rohren.
Erst später erfuhren wir unter Deck gebliebenen, dass ein Liberator - Bomber mit überschwerem Maschinengewehr aufs Boot schießend angriff und vier Fliegerbomben warf, die hinter dem Heck ins Meer fielen und explodierten.

Unserer Artillerie gelangen mehrere Treffer am Flugzeug, der Schwanz der Maschine und ein Flugmotor wurden in Brand geschossen. Nach dem Angriff wurde alarmgetaucht. Schwer verwundet lag blutend in der Zentrale unser Masch. Gefr. Liebig mit einer Schussverletzung am Hals, offensichtlich handelte es sich um eine Beschädigung der Halsschlagader, die Dr. Rüping abzudichten versuchte. Den Blutstillstand konnte er nicht völlig erreichen, jedoch hat er im Laufe der Behandlung das Leben des Liebig retten können. Liebig hat auch wieder Dienst an Bord gemacht. Schwer verwundet war auch unser 1 W.O. Walter Kasparek, er hatte eine Schussfraktur der linken Elle am Handgelenk. Das Projektil war offenbar an der Armbanduhr abgeleitet worden und hatte ein Knochenstück des Handgelenks mit weggerissen. Wahrscheinlich hatte die Armbanduhr den Verlust der Hand verhindert. Das Sanitätspersonal war vollauf ausgelastet. Der II W.0. hatte einen Streifschuss am Oberkörper erhalten, der Ob.Str.Mann Machnik hatte Splitter in die Knie bekommen. Auch der Kommandant war verwundet worden.

Der Druckkörper des Bootes war unbeschädigt geblieben. Das Runddipol war durch MG Beschuss herausgerissen, aber noch funktionsfähig. Die Bootsverkleidung war durchschossen worden, hauptsächlich Brücke und Turm. Aufgrund der Ausfälle beim wachegehenden Personal entschloss sich der Kommandant zum Rückmarsch und Abbruch der Operation. Noch in Küstennähe wurde das Boot noch oftmals nach Ortungsgeräuschen zum Alarmtauchen gezwungen. Bis die hohe See uns wieder hatte und ruhigere Zeiten begannen, aber wachsam waren wir immer. Masch.Gefr.Liebig unser Schwerverwundeter, ging nach völliger Blutstillung seiner Genesung entgegen.

Unser ehemaliger Funkmaat Willi Schmitz, der nach einer Erkrankung im Ohrenbereich vor dieser Unternehmung bei uns ausgestiegen und nach seiner Genesung bei dem Kommandanten Brosin eine Stelle als 1. Funkmaat erhielt, war mit U-Brosin (U-134) nach Funkmeldung auf Unternehmung im Golf von Mexico, daselbst hatte das Boot einen Abschuss eines amerikanischen Luftschiffes gemeldet, es war auf dem Rückmarsch. Wie später bekannt wurde, ist das Boot am 24.8.43 an der Westseite der Biscaya von einem Flugzeug angegriffen worden und während des Tauchmanövers von Bomben getroffen und versenkt worden. Gerettet wurde niemand.

Am 11.8.43 befanden wir uns vor Cap Finestere. Nachts war heller Mond.

Am 16.8.1943 war unser Boot wieder in La Pallice.

 

4. Auslaufen IV. Feindfahrt 16,10.1943 — 19.11.1943

Am 29.9.1943 wurde U-466 vom Flottillenchef zur 4. Unternehmung in La Pallice verabschiedet, doch beim Tieftauchen in der Biscaja wurden Schäden festgestellt an der E - Maschine und der Welle sowie starke Geräuschentwicklung bei der Betätigung des Tiefenruders usw. Es waren Schäden, die eigentlich während der Werftliegezeit hätten behoben sein müssen, oder war es Sabotage seitens der französischen Werftarbeiter??!

Mit Geleit durch einen Sperrbrecher und U-Jäger wurden wir wieder in den Hafen von La Palice geleitet.

Am 29.9.43 um 19.50 Uhr erfolgte plötzlich eine heftige Detonation unter dem Boot. Der Wasserschwall kam ca. 30m hinter dem Heck hoch. Ich habe den Vorfall auf Wache im Funkraum erlebt und bei der Detonation gleich an eine hochgehende Grundmine gedacht.
Die mit Porzellanringen isolierten Antennenstecker, die genau über meinem Kopf durch den Druckkörper geführt waren, lösten sich durch die Erschütterung und landeten auf meinem Kopf, da ich aufgestanden war, um irgendetwas zu erledigen.
Weiter war wohl nichts Ernsthaftes passiert, so dass der Rückmarsch weiterging. Vermutlich handelte es sich um eine von englischen Flugzeugen geworfene Grundmine, die auf Geräusche reagierte, jedoch variierend auf das soundsovielte Geräusch eingestellt werden konnte. So ist sie nicht beim Überlaufen durch die vor uns fahrenden Sperrbrecher und U-Jäger hochgegangen. Nach einer Werftliegezeit und Reparatur der beanstandeten Schäden lief unser Boot am 16.10.1943 20.05 Uhr nun endgültig zu seiner 4. Unternehmung aus. Aber das Pech schien uns zu verfolgen, da am 20.10 um 21.23 Uhr die Bb. - E - Maschine unklar wurde, eine Wicklung hatte geschmort. Mit Bordmitteln nach 18 stündiger Arbeitszeit vom E - Maschinenpersonal repariert waren wir einsatzbereit.

Unser Operationsgebiet lag in Höhe der Azoren. Ein Geleitzug war mit Funkspruch gemeldet und wurde durch Luftaufklärung überwacht. Auf den Geleitzug und die unterschiedlichen Funkmeldungen operierten wir. Dabei gerieten wir um 10.15 Uhr getaucht in den Abwehrbereich einer feindlichen U-Jagdgruppe.

Nach Knallortungen und Kolbendampfmaschinengeräuschen wurde das Boot überlaufen und in Abständen von 15 - 20 Minuten mit Wasserbomben in jeder Serie 6 - 8 Stück beworfen. Dazwischen erfolgten Ortungen durch Knalllote. Da das Boot stark Wasser machte wurde beim Anlaufen des Gegners immer gelenzt.

Um 15.15 Uhr war der Angriff vorbei, eine Wasserbombenserie von 8 Bomben war weitab hörbar. Um 17.02 Uhr wurden Rauchfahnen und darüber ein Flugzeug gesichtet. Dabei dürfte es sich um die betreffende Suchgruppe gehandelt haben, die uns 6 Stunden lang gebombt hatte.

Durch Funkspruch wurde ein neues Ansteuerungsquadrat gegeben. Am 9.11.1943 war die Position erreicht, auf dem Weg ins Planquadrat CF 2862 hörten wir eine Kurzortung und sahen bei Mondschein einen mit Kurs auf unser Boot zulaufenden Zerstörer von achtern aufkommen. Wache auf der Brücke hatte der 1 WO. Hagenkötter. Alle waren auf Gefechtsstation. Das Rohr V achtern wurde klargemacht zum Überwasserschuss in 0 Grad - Lage und abgeschossen. Es war ein Zaunkönig T 5Torpedos des Zweiten WeltkriegesTorpedo Typ G 7es (T V)
Dieser häufig unter seinem Decknamen Zaunkönig bekannte Torpedo war der erste serienreife Torpedo der Kriegsmarine mit Akustiklenkung und war speziell als Waffe gegen Zerstörer und U-Jagd-Schiffe wie Korvetten konzipiert. Dabei steuerte der Suchkopf den Torpedo automatisch in Richtung einer Geräuschquelle.
Der Torpedo wog 1495 kg und reichte elektrisch betrieben in der Grundausführung 5,7 km weit. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 24 kn. Spätere Modifikationen (T Va und Vb) opferten Geschwindigkeit (21,5 kn) zugunsten von Reichweite (8 km). Der T Va war speziell für den Einsatz von Schnellbooten konzipiert.Quelle: Wikipedia.de
, der dem Zerstörer entgegen und später hinterher lief. Der Zerstörer war ca. 1500m vom Boot entfernt, als der Abschuss des Torpedos erfolgte. Unsere seemännische Nr. II Bootsmaat Fritz Anschütz hatte vorsichtshalber bereits Luft in seine Schwimmweste gelassen, wofür er später oft gehänselt wurde.

Um 06.05 Uhr wurde Alarm getaucht. Ich hatte Wache und besetzte sofort das Horchgerät, in dem einwandfrei zu unterscheiden das Geräusch des laufenden Torpedos und Turbinengeräusche zweier Zerstörer in verschiedenen Positionen zu verfolgen waren. Der Torpedo bewegte sich auf den auf unseren Tauchort zulaufenden Zerstörer, der uns fast erreicht hatte als die Detonation des Torpedos gehört und Hurra an Bord gerufen wurde.
Einwandfrei gehört, auch im gesamten Boot brechende Schottengeräusche und andere sogenannten Sinkgeräusche, die auf einen Volltreffer des Torpedos hindeuteten. Das zweite Turbinengeräusch kam näher und verstummte plötzlich über unserem Tauchort. Allerdings gingen viele Wasserbomben, die auf dem nun sinkenden Zerstörer in Bereitschaft gelegen hatten hoch und die Detonationen erschütterten wieder mal heftig unser Boot. Ich vermute, dass die Wasserbomben auf geringe Tiefe eingestellt waren, da sie uns in größerer Tiefe nicht mehr erreichten. Trotzdem war das Angriffssehrohr beschädigt ( abgesoffen ) und konnte nicht mehr für Angriffsziele benutzt werden.

Der Kommandant fragte: Schäden bei FT? Nach dem Durchschalten der gesamten Anlage sagte ich: Keine Schäden festgestellt! Anlage klar! Dabei musste ich den 200 Watt Kurzwellensender lediglich einschalten und feststellen ob die Spannungen, die durch Glimmleuchten angezeigt wurden, anlagen. Alle Glimmleuchten hatten gebrannt.
Laut Horchpeilung hatte der oben liegende zweite Zerstörer offensichtlich Seeleute gerettet und die Turbinen abgestellt. Ab und zu waren ASDIC und Knallortungen zu hören, wir entfernten uns, langsam fahrend, unter Wasser.

Vom Kommandanten wurde ein Funkspruch in den Funkraum zur Abgabe gegeben. Nach dem Verschlüsseln wollte ich ihn über unsere ausfahrbare Stabantenne abgeben. Beim Einschalten des 200 Watt KW - Senders stellte ich fest, dass die 3000 Volt Spannung die vom Sendeumformer geliefert wurde, nicht angezeigt wurden. Somit war der Sender zu der Zeit betriebsunfähig.
Ich machte dem Kommandanten Meldung: Sender ist unklar! Der Kommandant war sehr ungehalten, beschuldigte mich der Falschmeldung und sagte: Wenn Sie den Sender nicht innerhalb 10 Minuten klar haben, können Sie was erleben!

Ich habe nach dem Durchmessen des Kabels festgestellt, dass ein Wackelkontakt, vermutlich Kabelbruch die Ursache war und fand auch bald den Schaden am Kabelende des Umformers.
Durch die Wasserbombenerschütterung war das Kabel direkt an der Anschlussstelle am Umformer so gebrochen, dass es mal Durchgang hatte und erschüttert wiederum keinen Durchgang. Die Reparatur war bald erledigt. In der Werft wurde später das gesamte Kabel erneuert. Der Funkspruch konnte rechtzeitig abgegeben werden. Auf Grund der vorhandenen Schäden am Boot wurde Rückmarsch angetreten.

Am 19.11.1943 war die Fahrt in La Pallice zu Ende.

 

5. Auslaufen V. Feindfahrt 3.3.1944 — 28.3.1944

Durchbruch durch die Straße von Gibraltar.

Nach der Werftliegezeit vom 20.11.1943 — 25.1.1944 in La Pallice verließen wir mit U-466 nach Verabschiedung mit einem Geleit La Pallice am 3.2.1944 zur V. Unternehmung.

Die Biscaja war etwas kruslig mit Wind 5 - 6 West, See 4 Sicht wechselnd. Beim Tieftauchen wurden Risse in den vorderen Torpedorohren festgestellt, auch war der Ölkühler ausgefallen. Rückmarsch mit Geleit nach La Pallice war angeordnet, festgemacht hatten wir am 5.2. um 06.50 Uhr.

Bis zum 28.2.44 lagen wir zwecks Reparaturarbeiten wieder in der Werft im U-Bootsbunker. Vermutlich war wieder Sabotage im Spiel gewesen?!

Am 3.3.1944 war es aber so weit und unsere V. Unternehmung begann. Im Geleit von 3 M - Booten lief U-466 aus La Pallice aus. Nach dem Tieftauchen ging es durch die Biscaja bei Wind NW2-3, See 2, bedeckt, Sicht 3 sm. Um 11.31 Uhr getaucht bis 4.3. 04.00 Uhr, als wir zum Auflademarsch über Wasser fuhren.

An Spaniens Küste entlang dem Pieningweg folgend, Portugals Küste passierend fuhren wir tags unter, nachts über Wasser in Richtung Cap Trafalgar. Inzwischen waren wir vom Kommandanten informiert worden, dass wir ins Mittelmeer durch die Straße von Gibraltar sollten und unbemerkt bleiben mussten. Durch Funkspruch war befohlen, nicht vor dem 17.3. eine bestimmte Position zu überschreiten. So hatten wir uns oft auf Grund gelegt um die Batterie nicht zu strapazieren. Erst später nach Kriegsende erfuhren wir, dass alle Funksprüche damals schon vom Engländer decodiert und gelesen wurden. Ob wir so ruhig gewesen wären, wenn wir es damals nur vermutet hätten?
Vermutlich hatte der Gegner also von unserem Einsatz genaue Kenntnis und erwartete uns bereits.

Am 16.3.1944 auf Sehrohrtiefe stieß unser Boot mit der Bugspitze gegen den Felsen von Cap Vincent. Ich hatte Freiwache, lag in der Koje und verspürte einen Ruck und Stoß, es wurde sofort angeblasen und aufgetaucht vom Felsen abgelaufen und gleich wieder getaucht. Die Brückenwache hatte an Land keine Personen bemerkt, so glaubten wir unbemerkt geblieben zu sein. Die Bugverkleidung war etwas verbogen, was bei Unterwasserfahrt nun berücksichtigt werden musste.

Wir hatten die Abgabe einer Standortmeldung durch Funkkurzsignal vergessen und wurden im Funkspruch daran erinnert, aber der Kommandant entschloss sich erst nach dem gelungenen Durchbruch die Standortmeldung abzugeben, was wahrscheinlich den mithörenden Gegner getäuscht hatte, da er nicht wissen konnte, wo wir waren. Weiterhin wurde Funkstille gehalten.

Am 21.3.1944 05.35 Uhr drehte das Boot U-466 in die Straße von Gibraltar ein. Der unbemerkte Anmarsch war unserer Meinung nach gelungen. Um 11.00 Uhr war auf Sehrohrtiefe keine Landsicht wegen Nebels. Suchfahrzeuge des Gegners wurden durch Horchpeilung festgestellt. Auch ein westgehendes großes Geleit hörten wir fast über uns. S - Gerät und Knallortungen erfolgten laufend. Mit uns waren die Boote von Kolbus und Baberg am Durchbruch in Gibraltar beteiligt. Das Boot von Kolbus war Tage vorher bereits von einem englischen Flugzeug gesichtet und angegriffen worden, lt. Funkspruch von Kolbus.

Um 19.28 Uhr hatte ich Freiwache und lag auf meiner Koje im U-Raum, als ich von einer sehr lauten Detonation vorn erwachte. Wie später erfahren, hatte eine Schleppmine bei ihrer Detonation über dem Bug des Bootes ca. 2m Bugverkleidung weggerissen, die Tauchzelle V war gerissen, Rohr I und II waren gerissen und ein Torpedo TV Zaunkönig lief in Rohr II. An den Erschütterungen glaubte ich, daß mehrere Rohrläufer vorhanden waren, was ja nicht der Fall war. Ich glaubte, daß unser letztes Stündlein gekommen war, wenn die Endstreckendetonation der Torpedos erfolgen würde. Über dem Boot wurden 8 Wasserbombendetonationen gehört, vermutlich von Land aus abgefeuert. Im Sehrohr konnte kein Land gesehen werden, so waren wir ohne Landpeilung verunsichert, ob wir schon durch waren, was die Kopplung unseres Weges einwandfrei bestätigte. Aber nur eine Landpeilung konnte den genauen Schiffsort bestimmen. Am 22.3.1944 waren wir um 20.28 Uhr aufgetaucht zum Überwassermarsch. Endlich um 21.18 Uhr gelang eine einwandfreie Peilung. Der Schiffsort war danach genau vor Punta de Torrox und Cap Sacratif. Offensichtlich suchte uns die englische Luftaufklärung, denn wir hatten Ortungen gehört und tauchten um 22.45 Uhr.

Am 23.3.1944 an der spanischen Küste Kurs Ost fahrend fing um 01.07 Uhr ein Torpedo im Rohr 1 zu laufen an. Da U-466 im augenblicklichen Zustand nicht einsatzfähig war, wurde ein Funkspruch an die Leitung abgegeben. Der Funkspruch von der Leitung warnte vor feindlichen U-Booten in Hafennähe. Am 28.3.1944 um 20.18 Uhr, wurde von der uns übernehmenden 29. U-Flottille die Überschreitung der Sperrlinie bekanntgegeben und freigegeben, Einlaufhafen war Toulon.

Am 30.3.1944 begleiteten uns zwei AradosArado Ar96 Arado Ar 96 als Luftgeleit. Der Sperrbrecher nahm unser Boot um 09.10 Uhr ins Geleit.

Ich hatte Freiwache und befand mich zigarettenrauchend auf der Brücke. Da die Hafensperre vor Toulon passiert war hieß es: Schwimmwesten ablegen. Ziemlich plötzlich verlangsamte unser vor uns fahrender Sperrbrecher seine Fahrt, so dass auch unser Boot stoppen musste um nicht sein Heck zu rammen. Der Grund war die Übergabe eines Kastens Bier an U-466. Da sahen wir plötzlich an der felsigen Küste an Steuerbordseite drei Fontänen hochgehen und hörten auch die Detonationen. Es handelte sich um einen Dreierfächer, den ein englisches U-Boot auf uns gefeuert hatte. Nur der Umstand, dass wir die Fahrt verringert hatten, hat uns vor der Vernichtung bewahrt.

Um 10.00 Uhr machten wir im Hafen von Toulon fest. Unsere Unterkunft war in Hyeres, im Hotel Costabelle in Küstennähe. Die Verbindung mit dem Hafen Toulon geschah durch LKWs.

 

Epilog

Im Mail/Juni 1944 wurde ich als Offiziersbewerber abkommandiert nach Berlin, Potzdam-Bernau zur Heerespropagandaschule zu einem sechswöchigen Sonderlehrgang für ein Tonbandgerät (damals GKdos),Geheime Kommandosache (GKdos) mit dem ich auf einem demnächst ins Mittelmeer auslaufenden U-Boot zusätzlich zur Besatzung mitfahren und Tonbandaufnahmen feindlicher Ortungsmittel machen sollte. Die Erprobung im Beisein meines Lehrgangsleiters fand auf einem U-Boot in der Kieler Förde in getauchtem Zustand statt. Damals während eines feindlichen Bombenangriffs auf Kiel. Nach Erprobung und Bewährung wurden mir zwei Funkgasten OGefr. mitgegeben, die beim Transport des Gerätes (es waren immerhin vier Teile und ein Akku) halfen.

Mit der Bahn ging es im Güterwagen bis Paris, dabei wurde die Strecke vor Paris von Partisanen zerstört, so dass der Zug entgleiste. Unser Wagen aus Stahl blieb heil, während andere zerbrachen und umstürzten. Nach drei Tagen kam ein Rettungszug nach Paris, von dort konnten wir im Gare de Lyon nach Toulon umsteigen, von wo wir mit den Geräten per LKW nach Hyres (Schloss Costabelle) fuhren. Hier wurde mir eröffnet, dass U-466 wegen eines Bombentreffers defekt in der Werft liegt. Ein Fernschreiben besagte, dass ich mit den Geräten zum im Stützpunkt Pola/Adria liegenden U-593 Oblt. Kolbus fahren sollte, weil dieses Boot als Nächstes ins Mittelmeer ausläuft. Da die Eisenbahnstrecke über Genua gestört war, fuhren wir über Lyon, Metz nach Triest, wo ich am 21. Juli 1944 ankam.

Von dort aus ging es per Küstenschiff am 25. Juli 1944 weiter. Nach drei Tagen hatten wir unser Ziel erreicht und liefen mit U-593 (Kommandant Kolbus) durch die Adria in ständig getauchtem Zustand durch die Straße von Otranto ins Mittelmeer. Ich hatte schon hier Gelegenheit, zwei Tonbänder mit feindlichen Ortungen aufzunehmen, da uns viele Suchgruppen suchten. Aber wir wurden nie angegriffen. Mit Diesel fuhren wir schnorchelnd in den frühen Morgenstunden und dann tiefer getaucht mit E-Maschinen. Nach einem kurzen Aufenthalt in einer kleinen Bucht der Insel Korfu, die der I.WO gut kannte und die der Entsorgung von Abfällen diente, lief unser Boot ins Mittelmeer in Richtung Sizilien. Dann an der Cyrenaika-Küste, Ägyptens Küste, zur Palästinaküste und Insel Cypern.

Nach fast 28 Tagen Schnorcheln kam der Einlaufbefehl nach der griechischen Insel Salamis, wo wir circa Mitte August eintrafen. Der Kommandant wurde mit einem Esel abgeholt und durfte zum Stützpunkt reiten. Ich sollte schnellstens nach Berlin-Bernau zum Ob.d.U. Dönitz mit den Bandaufnahmen und hatte einen entsprechenden Marschbefehl.
Ich wurde zum Stützpunktpersonal versetzt und machte nach dem Ausräumen des U-Bootes U-593 im Funkraum des Stützpunktes Dienst. Dazwischen erfolgten Besichtigungsfahrten nach Athen und Wachdienste in verminten Weinbergen.

Eines Tages (Datum unbekannt) bekam ich Befehl; mit den Tonbändern in einer Holzkiste mit entsprechender Signierung Gkdos mit einer HE 111 vom Flughafen Skalamanca aus nach Berlin zu fliegen. Weil die HE 111 zwei malariakranke Offiziere mitnahm, konnte ich nicht mitfliegen und bin wieder zum Stützpunkt zurückgefahren. Aber die Kiste mit den Tonbändern habe ich, nach Rücksprache mit dem Stützpunktkommandant Kptl. Schnee, mitgegeben. Wie ich später erfuhr, ist die Maschine auf der Höhe Belgrad abgeschossen worden, keine Überlebende.

Nach Räumung des Stützpunktes, den englische Flugzeuge zwischenzeitlich total zerstörten, wurden wir mit einem Motorschiff nach Saloniki gebracht. Von dort aus mit der Bahn bis Skopje und dann zu Fuß bis Sarajevo. Mit der Kleinbahn bis Brod und von dort zur Entlausung am 24. 12. 1944 nach AgramZagreb; deutsch Agram; ungarisch Zágráb. Weiter am 25.12. nach Tilly an der slowenischen Grenze zur Einkleidung in feldgraue Marineuniform. Mit dem Zug über Graz nach Wien und von dort über Prag nach Berlin - Kiel - Plön. In Lübeck war ich am Silvesterabend 1944/45. Im Balkan Montenegro habe ich als Infanterist bei der Gefechtsgruppe Fahnenschreiber Polizeitruppe, fünf Sturmtage und drei Nahkampftage bescheinigt erhalten.

In Plön wurde ich in blau eingekleidet und erhielt 28 Tage Sonderurlaub, den ich sofort antrat und nach Osterode/Ostpreußen fuhr, wo meine Frau in der Roonstraße 25 wohnte. Am 14. 01. 1945 wurde meine Tochter Evelin geboren. Am 20. 01. 1945 musste Osterode geräumt werden, weil die Russen vor der Stadt standen. Meine Frau Ulla mit dem Kleinkind Evelin im Wagen und die Schwiegermutter fuhren mit dem Einsatzzug des Krankenhauses Osterode nach Bärenstein im Erzgebirge. Ich fuhr mit einem Zug um 4 Uhr am 21. 01. 1945 ab Osterode nach Elbing und von dort weiter nach Cottbus und Berlin, von Berlin aus nach Ende des Urlaubs nach Plön. Von Plön wurde ich nach Puttgarden auf die Insel Fehmarn kommandiert. Später auf Funkmessbeobachtungslehrgang nach Sankt Peter-Böhl und von dort auf das U-Boot U-3011 (OLt. Frenzel), als Oberfunkmaat, weil Offizierslehrgänge nicht mehr stattfanden. Die noch vorhandenen Lehrgangsteilnehmer in der Marineschule Flensburg wurden in Feldgrau eingekleidet an die Landfronten geschickt. Insofern hatte ich noch Glück, nicht dabei sein zu müssen, zumal ich den Landkrieg ja ca. ein halbes Jahr in härtester Form an der Balkanfront mitgemacht hatte.

Unser neues Boot vom Typ 21, U-3011U-3011 war ein Boot vom Typ XXI (Typ21), siehe Randglosse… übernahmen wir in Lübeck-Siems Flender Werft. Das U-Boot U-409, das OLt. Frenzel bisher zur Erprobung in der Ostsee gefahren hatte, wurde einem erfahrenen Kommandanten mit ausgebildeter Frontbesatzung für sofortigen Fronteinsatz übergeben. Unser Boot wurde in die Lübecker Bucht querab von Travemünde beordert, wo schon mehrere Boote ankerten. U-Tender Wilhelm Bauer sollte Kommando für den Zeitpunkt der Selbstversenkung geben.

Die Besatzung von U-3011, außer dem Sprengkommando, wurde mit dem Torpedoboot nach Neustadt/Holstein gefahren. Daselbst organisierte der Kommandant und I.WO zwei LKWs mit Fahrer des Heeres. Beide LKW wurden mit Waffen, Munition und U-Verpflegung für 6 Wochen beladen. Es hieß aufsitzen und ab ging es an die Front, die bei Lübeck lag. Aber wir kamen nicht weit, weil Jagdbomberangriffe die Straße nach Lübeck unbefahrbar gemacht hatten. Jetzt entschloss sich OLt. Frenzel, nach Flensburg zum Stützpunkt des B.d.U. zu fahren und dort Hilfe anzubieten. Unter ständigen Angriffen der Spitfire gelang es uns, unbeschadet bis Flensburg zu fahren. Dort meldeten wir uns in der Marineschule Mürwik beim B.d.U. Dönitz, der veranlasste die Herausgabe von Zelten usw. und schickte uns nach Glücksburg, wo wir weitere Befehle abwarten sollten.

Dort erlebten wir das Kriegsende und wurden vom Engländer interniert und nach Schalkholz bei Heide/Holstein gefahren. Auf einer Wiese des Bauern Glüsing haben wir bis zur Entlassung am 14. August 1945 gezeltet. Bei Glüsing habe ich mir durch Arbeiten auf dem Hof und dem Felde Verpflegung als Zubrot verdient, sodass ich keinen Hunger leiden brauchte. Nach der Entlassung aus der Wehrmacht in Tellingstedt wurden wir mit englischen Wagen bis Bad Segeberg gebracht und beim Arbeitsamt registriert. Ich bin über Lübeck, wo ich noch Privatsachen bei Siems gelassen hatte, nach Reinfeld (Holstein) zu Fuß gegangen. Meine Privatsachen waren angeblich von Plünderern gestohlen worden. So besaß ich nur meine Uniform, die ich einfärben ließ. In Reinfeld, wohin meine Mutter geflüchtet war, wohnte ich vorerst in einer alten Waschküche, später 1946 bin ich nach Hamburg zur Polizei gegangen, wo ich als Wachtmeister bei der Schutzpolizei anfing. Eigentlich hatte ich mich dort als Funker beworben und war auch als Funkmechaniker bei der Nachrichtenabteilung im Stadthaus mit Reparaturarbeiten an Einsatzwagen beschäftigt. Später machte ich Revierdienst in Altona Pol.Rev.-Wache 72, Eggerstedtstraße und nach Bewerbung und Lehrgang 1953 Dienst bei der Hamburger Kriminalpolizei.

Operation Regenbogen:

Bei der Operation Regenbogen handelt es sich um einen Befehl von Großadmiral Karl Dönitz vom 30. April 1945, alle Schiffe und U-Boote zu versenken, die nicht für die Fischerei oder zum Minenräumen geeignet sind, um sie nicht dem Feind übergeben zu müssen.

Dieser Befehl berief sich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf die von Adolf Hitler ausgegebene Direktive, dass kein Soldat der Wehrmacht, oder einer anderen, unter deutschem Befehl stehenden Kampfeinheit, jemals vor dem Feind kapitulieren dürfe.

Am 4. Mai nahm Dönitz den Befehl auf Grund der Kapitulationsbedingungen zurück und befahl, alle Schiffe zu übergeben. Viele Kapitäne ignorierten jedoch den zweiten Befehl und versenkten ihre Boote in oder vor den Häfen. 216 U-Boote (andere Quelle: 232) wurden dabei gesprengt oder durch Öffnen der Ventile versenkt:

Vor Amrum 1 Boot, vor Ærø 1 Boot, in Århus 1 Boot, in Bergen 2 Boote, in Cuxhaven 1 Boot, in Eckernförde 5 Boote, in der Elbmündung 1 Boot, in Flensburg 18 Boote, vor Gelting 1 Boot, in Hamburg 12 Boote (u.a. U-2505, U-3004 und U-3506), vor Horup 5 Boote, in Kiel 42 Boote, im Kieler Kanal 4 Boote, vor Laboe 1 Boot, in Neustadt 4 Boote, in Nordenham 1 Boot, bei Schleimünde 1 Boot, in Travemünde 32 Boote (u.a. U-3011), in Vegesack 1 Boot, in Warnemünde 3 Boote, In Wesermünde 1 Boot, in der Wesermündung 12 Boote, und in Wilhelmshaven 24 Boote. Quelle: Wikipedia.de

Anmerkung:
Nach meinen Ermittlungen war U-466 nicht das letzte Boot, welches die Straße von Gibraltar (am 22.03.1944) passierte, sondern U-960 am 16.05.1944.

Die Torpedos wurden von einem englischen U-Boot, dass durch die Sperre in den Hafenbereich von Toulon eingedrungen war, auf unser Boot abgegeben.
Offensichtlich hatte die englische Seeführung auf unseren und den Antwortfunkspruch reagiert. Wir haben später bei einem englischen Seemann, der damals als Signalgast auf dem englischen U-Boot war und uns alles bestätigen konnte, die Gewissheit für unseren Verdacht erhalten. Der Seemann war beim Bootstreffen unser Gast.