29Mar2026

Zeitumstellung

Günther Döscher

Eine Ausnahme, dass ich es noch einmal erzähle. War doch fast klar, dass es ab 2026 keine Uhren-Sommerzeit mehr gibt. Jedenfalls nicht vor 2026. Die im Oktober 2025 zurückgedrehte Zeit ist die echte MEZ. Und so sollte es bleiben. Da wird wohl nichts draus. Ist ja digital und per Funk wie eine Uhrenpest übertragbar. Damals war die Umstellung überwiegend Handarbeit. Und Christel wollte unbedingt recht behalten bei der Richtungskompetenz.

Wir waren zum runden Geburtstag eingeladen, schon zum Mittag. „Wegen der Zeitumstellung erst um eins“, hatte Herbert gesagt. „Da wird uns doch eine Stunde genommen.“

Ach ja, die Sommerzeit. Abends fiel es mir wieder ein. „Wir müssen noch die Uhren zurückstellen“, sagte ich zu Christel.

„Vorstellen“, sagte sie.

„Zurück“, sagte ich und schenkte Wein nach. „Es wird uns ja eine Stunde genommen.“

Zeit
Zeitumstellung [Günther Döscher]

„Wir überspringen eine Stunde“, erklärte Christel und meinte, es wäre Zeit, ins Bett zu gehen. Schluss der Debatte.

Na also. „Wir müssen doch erst um eins bei Herbert sein. Wir können ausschlafen. Ich stelle jetzt die Uhren zurück.“ Ein Mann ist Wort und Tat.

Christel ist Sternbild Krebs. Es heißt, dass Krebs-Frauen mehr ahnen als andere wissen. Sie blieb stur. „Die Zeit muss eine Stunde vorgestellt werden.“

Ich: „Zurück! So wie wir es im Herbst auch gemacht haben.“

Sie: „Da haben wir ja auch die Sommerstunde zurück bekommen.“

Ich: „Sag‘ ich ja: Zurück!“

Sie: „Nicht die Uhr, sondern die Zeit. Oder andersrum — egal.“

Wir haben über Uhrzeit und Urzeit, männliche und weibliche Logik gestritten. Im Zweifelsfalle also männliche. Bis sie mich verstanden hatte und auch, dass man Zeit nicht über Sommer im Kühlschrank aufbewahren kann.

Als wir bei Herbert klingelten, empfing er uns freudestrahlend. „Schön, dass ihr doch noch kommt. Wir sind schon bei Kaffee und Kuchen, soll ich Suppe heiß machen? Ist was passiert?“

„Es ist wie beim Einparken“, sagte Christel. „Rückwärts kann er es einfach besser. Nicht nur an der Parkuhr.“

Herbert hatte Fragezeichen in den Augen. Ich hatte nichts zu erklären.


Günther Döscher, im März 2026